Buch und Ausstellung

100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht

Diese Emanzen! Das illustrierte Buch „100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht“ versammelt 100 Frauenporträts aus dem deutschsprachigen Raum

Dieses Buch beschreibt einen Skandal. Selbstverständlich soll der 100. Jahrestag seit der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland gefeiert werden. Der Skandal ist, dass es Frauen bis 1918 verwehrt war, am politischen Leben teilzunehmen. Die Liste der Ungerechtigkeiten, Missstände und Probleme bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ließe sich ohne Weiteres fortführen. Im Zeichen von #Metoo wird die Emanzipation schließlich noch 2018 jeden Tag neu ausgehandelt. Der Berliner Verlag Jacoby & Stuart hat gerade mit „100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht“ einen ebenso wichtigen wie schönen Beitrag zum Thema veröffentlicht. 100 Frauen aus dem deutschsprachigen Raum werden darin vorgestellt. Viele bekannte Namen wie Erika Mann, Else Lasker-Schüler, Angela Merkel, Herta Müller und Margarete Stokowski finden sich darunter. Auf Doppelseiten, links die Biografien, um kleine Anekdoten ergänzt, und rechts die wunderbaren Porträts von insgesamt 65 verschiedenen Illustratorinnen.

Aber auch längst vergessene Künstlerinnen, Sportlerinnen und verkannte Wissenschaftlerinnen werden vorgestellt. Die Pfarrerstochter Minna Cauer etwa, die die Zeitschrift „Die Frauenbewegung“ gründete, oder die Philosophin Ricarda Huch, die sich in den 1930ern in der Männerdomäne Geschichtsschreibung behaupten konnte. Oder Elke Mascha Blankenburg, die als Dirigentin reüssierte und den Arbeitskreis „Frau und Musik“ ins Leben rief.
Es sind Frauen, die Unglaubliches geleistet haben und jede einzelne der 100 Biografien erzählt vom Kampf um Privilegien und Teilhabe. Die Stärke des Buches sind aber nicht nur die kurzweiligen, anrührenden und erhellenden Texte, es sind vor allem auch die gemalten, getuschten, gezeichneten Porträts, die in ihrer Unterschiedlichkeit stets versuchen, den Charakter und die Aura der Porträtierten wiederzugeben. Tiny Brandt lässt etwa die Fußballerin Birgit Prinz als 2D-Computergrafik erscheinen, die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky zeigt Stephanie Wunderlich als strenge Scherenschnitt-Collage und Kitty Kahane porträtiert die Lyrikerin und Grafikerin Unica Zürn mit filigran-ornamentalem Strich, wobei sie das Bild in strengem Schwarz-Weiß belässt.

So verschieden die Biografien und die Bildnisse sind, entwickelt sich nach und nach ein gemeinsamer Spannungsbogen: Der Anspruch, die Welt nicht den Männern zu überlassen. It’s Not A Man’s World.

Buch: „100 Frauen und 100 Jahre Frauenwahlrecht“ von Sabine Kranz und Annegret Ritter (Hrsg.), Jacoby & Stuart, 192 S., 22 €

Ausstellung: ab 1.11., im Justizministerium Berlin, Mohrenstr. 37, Mitte. Mehr zu der Ausstellung finden Sie hier