Kino & Film in Berlin

100 Jahre Babelsberg: Die Berliner Straße

Sie ist Babelsbergs vielseitigste Akteurin und bietet eine kostengünstige Alternative zum Dreh an Originalschauplätzen.

Sonnenalle

Als 1998 Leander Haußmanns „Sonnenallee“ (Foto) ein Berliner Straßenzug im Prenzlauer Berg der Siebziger benötigt, aber in der Stadt nicht gefunden wurde, baute man in Babelsberg eben eine nach; Pläne für solch eine Anlage gab es bereits in DEFA-Zeiten. 7000 Quadratmeter ist die Dauerkulisse groß, die Straße wird von 26 bis zu 14 Meter hohen Hausfassaden gesäumt. Keine schlechte Investition, die gleichermaßen typische wie anonyme „Berliner Straße“ diente seitdem verschiedensten Film- und TV-Produktionen. In „Herr Lehmann“ ist sie Kreuzberg 1989, der „Boxhagener Platz“ (siehe Bildergalerie unten) im Friedrichshain 1968, aber meist stellt sie die Hauptstadt während des Zweiten Weltkriegs dar, wie in „Rosenstraße“, Dani Levys „Mein Führer“ oder „Berlin’36.“ In der gleichen Epoche, aber an anderen Orten tauchte das Set in anderen Produktionen auf: In Tarantinos „Inglourious Basterds“ simulierte die Berliner Straße das besetzte Paris, in „In Darkness“ (2010) das besetzte Lwуw/Lemberg, für „Tage des Zorns“ stellt sie Kopenhagen während des Kriegs und für Polanskis „Der Pianist“ das Warschauer Ghetto dar, Kriegs- und Naziterrorspuren inklusive.
Für das Studio und die Filmemacher ist dieses wandlungsfähige Dauermotiv überaus attraktiv, nicht nur wegen der Möglichkeit, hier lange zu drehen und Umbauten durchzuführen, ohne Pro­bleme mit Ämtern oder Anwohnern zu riskieren. Als günstige Alternative zu kostspieligen Auslandsaufnahmen rechnet sich das: Die TV-Produktion „Joe & Max“ hätte anderswo kaum so einfach das Harlem der Dreißiger einfangen können, Kevin Spaceys Bobby Darin-BioPic „Beyond The Sea“ hat hier New York und San Francisco nachgestellt und in „In 80 Tagen um die Welt“ wurde das Set zum London des 19. Jahrhunderts. Heute sind die Tage der „Berliner Straße“ gezählt, in zwei Jahren entstehen hier Wohnungen. Aber ein Nachfolge-Set ist bereits in Arbeit, dann sollen dort auch umfangreiche Green-Screen-Drehs möglich sein. Ohne eine Berliner Straße geht es in Babelsberg nicht.

Text: Thomas Klein

Foto: Delphi Filmverleih

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