Von Havel bis Spree

12 Berliner Inseln: Umgeben von Wasser Natur, Kunst und Köstliches entdecken

Egal, ob beliebter Wohnort für Kunstschaffende, naturbelassenes Kleinod oder dicht bebaute Sehenswürdigkeit: Die Berliner Inseln sind aus den verschiedensten Gründen eine Reise wert. Dabei hat es sicher viele schon auf die Pfaueninsel verschlagen oder die Insel der Jugend? Aber schon im „JWD“ auf Eisenwerder ein Bierchen getrunken? Nein? Dann hilft unser Guide bei der Planung der


Berliner Inseln: Museums- oder Fischerinsel? Spreeinsel!

Berliner Inseln, manche sind nur aus der Luft zu sehen, so wie die Museumsinsel, hier vom Fernsehturm aus fotografiert. Foto: Imago/Schöning
Berliner Inseln – manche sind nur aus der Luft zu sehen, so wie die Museumsinsel, hier vom Fernsehturm aus fotografiert. Foto: Imago/Schöning

Manch einem dürfte es trotz des Namens nicht bewusst sein, dass man sich tatsächlich auf einer Insel befindet. Bewusst muss man eine Insel sagen, denn auch wenn von Museums- und Fischerinsel die Rede ist, handelt es sich um ein und das gleiche: die Spreeinsel. An deren nördlichem Ende liegt von weithin sichtbar das Bodemuseum mit seiner markanten braunen Kuppel, am anderen Ende ragen die Plattenbauten der Fischerinsel aus DDR-Zeiten in den Himmel. Eine Umrundung ergibt Sinn und macht Spaß, auch weil man immer wieder einen schönen Blick auf die Insel hat – sei es von Mittes Historischem Hafen oder von der Weidendammer Brücke in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße.

  • Spreeinsel, Mitte

Eine Insel für eine Schule: Scharfenberg beherbergt ein Gymnasium mit Internat

Müssen die Fähre nehmen, um zur Schule zu kommen: Die Schüler*innen der Schulfarm Insel Scharfenberg. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Müssen die Fähre nehmen, um zur Schule zu kommen: Die Schüler*innen der Schulfarm Insel Scharfenberg. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Im Tegeler See gibt es mehrere Inseln, die größte beherbergt eine Schule. Glücklich schätzen darf sich, wer die Schulfarm Insel Scharfenberg besuchen darf. Klar, die Überfahrt im Winter kann schon mal nerven. Dafür wird man im Sommer mit umso mehr prachtvoller Natur belohnt – inklusive hauseigenem Badestrand. Von dem haben freilich nur Insulaner etwas, Schulfremde dürfen nur am „Tag der offenen Tür“ zu Besuch kommen (natürlich ist der im Winter!). Zum Gymnasium gehört auch ein Internat mit 90 Plätzen. Wer dort lebt, muss allerdings auf so manche Annehmlichkeiten verzichten. Der Handyempfang ist ziemlich schlecht.


Auf der Pfaueninsel lustwandeln und picknicken

Die Pfaueninsel ist die wohl schönste Insel in Berlin, nicht nur wegen des malerischen Märchenschlosses. Foto: Imago/Martin Müller
Die Pfaueninsel ist die wohl schönste Insel in Berlin, nicht nur wegen des malerischen Märchenschlosses. Foto: Imago/Martin Müller

Ginge es danach, die Berliner Inseln nach Schönheit zu ranken, die Pfaueninsel wäre sicher ganz vorne dabei. Nicht nur wegen der idyllischen Lage – die Wege laden zum Flanieren ein, die Wiesen zum Picknicken –, sondern auch wegen des malerischen Schlösschens, der gepflegten Gartenanlagen und natürlich wegen der namensgebenden Pfauen, die auch mal auf (!) Bäumen sitzen oder ihr eindrucksvolles Rad schlagen. Im Sommer trifft man außerdem noch Büffel an, die als natürliche Landschaftsgärtner einsetzt werden. Ebenfalls lohnenswert: Die Meierei und der historische Bootsschuppen.

  • Pfaueninsel, Nikolskoer Weg, Wannsee (wegen der Corona-Pandemie aktuell geschlossen)

Auf Entdeckungstour im Tiergarten die Luiseninsel finden

Auf der Luiseninsel steht ein Denkmal der namensgebenden Königin Luise. Foto: Imago/Schöning
Auf der Luiseninsel steht ein Denkmal der namensgebenden Königin Luise. Foto: Imago/Schöning

Im 19. Jahrhundert baute Peter Joseph Lenné den Tiergarten nach englischem Vorbild um. Feuchte Waldgebiete wurden trockengelegt und Wege fürs Spazierengehen und Reiten geschaffen. Zudem entstanden kleine Seen und Brücken. In dieser Zeit kamen der Rosengarten und die Luiseninsel hinzu. Die Insel gehört zu den reizvollsten im Tiergarten, auf ihr steht auch eine Kopie des Denkmals der Königin Luise. Von dort aus lohnt es sich, den Tiergarten zu entdecken, der weit mehr zu bieten hat, als manch ein Berliner glaubt.

  • Luiseninsel, Tiergarten

Auf Kaffee und Kuchen auf Lindwerder vorbeischauen

Sieht idyllisch aus, ist es auch: Lindwerder in der Havel. Foto: Imago/Kraehn
Sieht idyllisch aus, ist es auch: Lindwerder in der Havel. Foto: Imago/Kraehn

Die Insel Lindwerder steht in Verbindung mit einem tragischen Ereignis: 1912 verunglückte der Lyriker Georg Heym beim Schlittschuhlaufen, er ertrank in der Havel. Dass allerdings wissen nur wenige, die sich heute auf Lindwerder vom Alltag erholen. Die Ausflügler kommen wegen der Abgeschiedenheit und der Natur, um Feste zu feiern oder einfach nur bei der inseleigenen Gastronomie auf Kaffee und Kuchen vorbeizuschauen. Bitte vorher informieren, ob die privat organisierte Fähre wirklich fährt. Andernfalls bleibt einem nichts anderes übrig, als das Eiland von der Ferne zu bewundern.


Insel der Jugend: Auf der Wiese dösen und die Zeit vergessen

Auf der Wise gammeln oder Tretboot fahren: Auf der Insel der Jugend ist beides möglich. Foto: Imago/Schöning
Auf der Wise gammeln oder Tretboot fahren: Auf der Insel der Jugend ist beides möglich. Foto: Imago/Schöning

Die Zeiten der lauten Partys auf der Insel der Jugend sind vorerst vorbei. Doch viel schöner ist es sowieso draußen auf der Liegewiese und an der Uferböschung. Damit ist die Insel mitten in der Spree einer der idyllischsten Plätze an Berlins Gewässern. Auf dem Gelände kann man außerdem Tretbootklassiker aus den 50er- bis 70er-Jahren und Kanus ausleihen. Nebenan hat der Treptower Park von der Spreepromenade bis zum Sowjetischen Ehrenmal einiges zu bieten.

  • Insel der Jugend, am Treptower Park

Valentinswerder avancierte in den letzten Jahren zum Künstler-Treff

Schiff (und Hund) ahoi – mit dem Boot geht es nach Valentinswerder. Foto: Imago Images/Lambert
Schiff (und Hund) ahoi – mit dem Boot geht es nach Valentinswerder. Foto: Imago Images/Lambert

Nach Scharfenberg ist Valentinswerder die zweitgrößte Insel im Tegeler See. Statt einer Schule finden sich hier vor allem Wochenendhäuschen, bevölkert vor allem von jungen Kreativen aus der Innenstadt, die am Wochenende Ruhe und Abgeschiedenheit suchen. Erstaunlich: Auch Dauerbewohner residieren in den teils denkmalgeschützten Häuschen, im Sommer gesellen sich Dauercamper und Vereinsmitglieder hinzu. Wer hierher will, braucht ein Boot. Es verkehrt zwar eine Art Ruf-Fähre, doch die ist nur für (temporäre) Bewohner.

  • Valentinswerder, Tegel

Auf dem Gras liegen und Kunst entdecken auf der Schlossinsel

Lädt zum Entspannen ein: Die Schlossinsel von Köpenick. Foto: Imago/Matthias Koch
Lädt zum Entspannen ein: Die Schlossinsel von Köpenick. Foto: Imago/Matthias Koch

Bei einem Ausflug nach Köpenick sollte unbedingt auch die Schlossinsel mit dem barocken Kleinod bewundert werden, das exponiert auf einer Dahme-Insel mit einer pittoresken Schlosskirche und einem schönen Garten aufwartet. Im Schloss selbst, das Teil des Kunstgewerbemuseums ist, gehören die aufwendig sanierten und reich stuckierten Decken mit Motiven aus dem Diana-Mythos zu den Höhepunkten, ebenso wie der beeindruckende Wappensaal von Giovanni Carove. In 21 Sälen wird dauerhaft „Raumkunst aus Renaissance, Barock und Rokoko“ gezeigt, darunter vier vollständig getäfelte Zimmer von Schlössern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Zudem können aufwendig gearbeitete Möbel entdecket werden, genauso wie filigran gearbeitetes Porzellan oder auch das berühmte große Silberbuffet aus dem Berliner Stadtschloss. Anschließend bietet sich ein Spaziergang durch den schönen Schlossgarten an.

  • Schloss Köpenick, Schloßinsel 1, Köpenick (wegen der Corona-Pandemie aktuell geschlossen)

Die Inseln im Tegeler Hafen bei einem Ausflug entdecken

Die Inseln im Tegeler Hafen liegen zwischen Sechserbrücke und Humboldt-Bibliothek. Foto: Imago/Matthias Koch
Die Inseln im Tegeler Hafen liegen zwischen Sechserbrücke und Humboldt-Bibliothek. Foto: Imago/Matthias Koch

Die meisten Inseln im Tegeler See sind ohne Boot nicht zu erreichen, anders die Tegelerinsel und die Humboldtinsel. Diese liegen so nahe am Festland, dass sie von kleinen Brücken überspannt werden. An sich sind die Eilande nicht so spannend, da sie mit luxuriösen, aber langweiligen Bauten überzogen sind. Dafür gibt es im Umfeld einige interessante Orte zu entdecken, etwa die knallrote Sechserbrücke, an der früher ein cleverer Fährmann abkassierte, oder die architektonisch beeindruckende Humboldt-Bibliothek.

  • Inseln im Tegeler Hafen, Tegel

Laubenpiepertum auf der Baumgarteninsel

Ist nur mit dem Boot erreichbar: Die Baumgarteninsel nahe der Köpenicker Altstadt. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Ist nur mit dem Boot erreichbar: Die Baumgarteninsel nahe der Köpenicker Altstadt. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Laubenpieper bleiben gerne unter sich, erst recht, wenn sie auf einer Insel leben. Das gilt insbesondere für die Parzelleninhaber auf der Baumgarteninsel in Köpenick. Als 2001 der knapp 110 Meter lange Katzengrabensteg gebaut wurde, hat man auch einen Pfeiler auf dem Eiland installiert. Ein Zugang wäre kein Problem gewesen, doch die Insulaner wehrten sich. So bleibt Baumgarten exklusiv über das Wasser zugänglich, immerhin: Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf die Insel.

  • Baumgarteninsel, Köpenick

Rocken im „JWD“ auf Eiswerder

JWD, und doch schön: Eisweder bei Spandau. Foto: Imago/Joko
JWD, und doch schön: Eisweder bei Spandau. Foto: Imago/Joko

Nomen est omen, zumindest im Fall des „JWD“, Berlinerisch für „janz weit draußen“, stimmt das: Die alteingesessene Rock-Disse liegt auf Eiswerder bei Spandau – und ist dort sicherlich die bekannteste Adresse. Die kleine Insel hat eine wechselhafte Geschichte: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es auf dem Eiland in der Havel Rüstungsfabriken, zu denen sogar eine Eisenbahntrasse führte. Später lagerten hier die Senatsreserven, wäre es zu einer weiteren Blockade West-Berlins gekommen. Auch der große Artur Brauner betrieb auf der Insel 20 Jahre Studios. Heute ist neben dem „JWD“ noch die ein oder andere Ausflugswirtschaft erhalten geblieben.

  • Eiswerder, Spandau

Berlins High Society lebt auf Schwanenwerder

Galt schon immer als piekfeine Adresse: Schwanenwerder am Wannsee. Foto: Imago/Tom Maelsa
Galt schon immer als piekfeine Adresse: Schwanenwerder am Wannsee. Foto: Imago/Tom Maelsa

In der ersten deutschsprachigen Version von Monopoly hieß die Schlossallee noch Inselstraße, das allein zeigt schon wie exklusiv das Leben auf Schwanenwerder war – und bis heute ist. Auf die enteigneten jüdischen Immobilienbesitzer folgten NS-Größen wie Speer und Goebbels, aber auch Axel Springer hatte eine Villa auf dem Eiland nahe des Wannseebades. Auch heute noch ist Schwanenwerder eine exklusive Adresse, für wahre Entrüstungsstürme sorgte erst 2019 der Bau einer futuristisch anmutenden Villa (bei der man lange Zeit dachte, sie würde das neue Zuhause von Hollywood-Ikone Angelina Jolie werden, daraus wurde aber nix). Wer sich auch mal im Glamour von Berlins High Society sonnen möchte, kann eine Nacht im Schwanenwerder Gästehaus verbringen.

  • Schwanenwerder, Wannsee

Mehr Berlin entdecken

In unserem tipGuide haben wir euch etliche Auflugstipps in verschiedenen Kategorien zusammengestellt. Viel Spaß beim Stöbern. Warum nicht einen Ausflug auf die Insel mit einem Tag am Strand kombinieren? Das sind die schönsten Seen in Berlin und Umgebung. Euch steht der Sinn eher nach einer Radtour, dann können wir euch diese Routen empfehlen. Es muss nicht immer die große, weite Welt sein. Der Urlaub kann auch in Berlin gelingen: Hier sind zwölf Tipps, wie ihr euch den Sommer an der Spree versüßt.