Architektur

12 Berliner Rathäuser: Wo die Bezirke regiert werden

Das sind die Berliner Rathäuser. Meist markiert ein hoher Turm die mächtigen Gebäude aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Manchmal sind es aber auch schnöde Neubauten. Man kann hier heiraten, den Pass abholen oder sich anmelden. Vorausgesetzt, man bekommt einen Termin! Manche Rathäuser bieten ein Kulturprogramm an, in anderen gibt es Kantinen und kulturelle Angebote.

Berliner Rathäuser: Luftbild vom Roten Rathaus in Berlin.
Luftbild vom Roten Rathaus in Berlin. Foto: Imago/Westend61

Das berühmteste aller Berliner Rathäuser ist natürlich rot. Vom Roten Rathaus in Mitte wird die Stadt regiert. In dieser Liste widmen wir uns aber der darunter liegenden Verwaltungsebene, den Bezirken. Es gibt 12 davon in Berlin, und jeder hat sein eigenes Rathaus. Manche haben sogar mehrere, da nach der Bezirksreform etwa Friedrichshain und Kreuzberg, Tempelhof und Schöneberg und viele weitere fusionierten. Wir stellen 12 wichtige Rathäuser vor, die politisch, historisch und architektonisch für Berlin bedeutend sind.

Rathaus Charlottenburg

Berliner Rathäuser: Rathaus Charlottenburg, Erbaut 1899-1905.
Rathaus Charlottenburg. Foto: Imago/Raimund Müller

Das Rathaus Charlottenburg ist ein Berliner Rathaus, wie es im Buche steht. Groß, monumental, bürgerlich. Errichtet wurde der bis heute existierende Bau um 1900 im Stil des Historismus mit Jugendstil-Elementen. Die Geschichte des Charlottenburger Rathauses reicht allerdings bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Die mit Ornamenten und Skulpturen geschmückte Fassade, Rundbogenfenster und das Hauptportal zeugen vom alten Glanz Preußens. Seit der Bezirksreform 2001 teilt sich Charlottenburg die Abteilungen und Aufgaben mit Wilmersdorf.

Im benachbarten Erweiterungsbau befindet sich die Heinrich-Schulz-Bibliothek, und im Hauptgebäude selbst ist eine Gedächtnishalle für die Opfer der beiden Weltkriege.

  • Otto-Suhr-Allee 100, Charlottenburg

Rathaus Kreuzberg

Berliner Rathäuser: Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg
Rathaus Kreuzberg. Foto: Imago/Andreas Gora

Weder Kreuzberg noch Friedrichshain haben wirklich schöne Rathäuser. Im funktionalen Gebäude in der Frankfurter Allee in Friedrichshain arbeitet die Bezirksbürgermeisterin. Das Büro der Bezirksverordnetenversammlung ist in Kreuzberg. Auch das Gebäude in der Yorckstraße kann nicht mit Geschichte und historischer Pracht auftrumpfen. Standesamt und Bürgeramt haben dort ihren Sitz, eine weitere Abteilung findet sich in der Schlesischen Straße an der Grenze zu Treptow.

Wer aber Lust hat, kann im Rathaus Kreuzberg ordentlich und für wenig Geld essen, die Kantine ist in der 10. Etage, man hat einen tollen Ausblick über die Stadt, und das wöchentlich wechselnde Angebot reicht von Frühstück und Salaten bis zu bodenständigen Mittagsgerichten.

  • Yorckstraße 4–11, Kreuzberg

Rathaus Lichtenberg

Berliner Rathäuser: Rathaus Lichtenberg-Hohenschönhausen
Rathaus Lichtenberg. Foto: Imago/Joko

Auch das Rathaus Lichtenberg entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein repräsentativer Ziegelsteinbau, der sich in der Bauweise dem neogotischen Stil zuordnen lässt. Es steht an einer vielbefahrenen Kreuzung und versprüht historische Würde. Lichtenberg ist mit Hohenschönhausen vereint, und so teilt man sich die Zuständigkeiten.

Interessant sind die an die Wände angebrachten Medaillons im Treppenbereich, die die verschiedenen Aufgabenfelder des Rathauses, etwa Gewerbe, Handel und Verkehr, symbolisieren. Der Gewölbekeller, der einst als Gastwirtschaft genutzt wurde, dient nach dem Umbau der Kultur. In der Rathausgalerie finden Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt. Alle Termine und Veranstaltungen gibt es hier.

  • Möllendorffstraße 6, Lichtenberg

Rathaus Marzahn

Berliner Rathäuser: Rathaus Marzahn-Hellersdorf
Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Marzahn ist vor allem für seine Plattenbauten bekannt. Der alte Ortskern ist da eher eine Fußnote. Auch der Partnerbezirk Hellersdorf ist ein Neubaugebiet. So wundert es nicht, dass der Bezirk nicht von einem historischem Stadtpalast mit Turm und pittoresker Fassade aus regiert wird.

Dennoch ist das Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz durchaus sehenswert. Errichtet wurde es in den Jahren 1986 bis 1988 von einem Architektenkollektiv. Der Stahlskelettbau mit einer Fassade aus Betontafeln und einem begrünten Innenbereich wurde 2008 zum Baudenkmal erklärt. Das nunmehr über 30 Jahre alte Gebäude soll grundsaniert werden. Die Verantwortlichen planen zukünftig neben Büroräumen auch eine Galerie und Platz für Kulturveranstaltungen.

  • Helene-Weigel-Platz 8, Marzahn

Rathaus Mitte

Berliner Rathäuser: Rathaus Mitte
Rathaus Mitte in der Karl-Marx-Allee. Foto: Imago/Schöning

Mitte hat mit dem Roten Rathaus einen monumentalen Rathausbau. Dort hat allerdings der Regierende Bürgermeister von Berlin seinen Amtssitz. So bleibt für den Bezirk, zu dem auch Moabit und Wedding zählen, ein wenig schönes Gebäude an der dicht befahrenen Karl-Marx-Allee. Das 14-stöckige Hochhaus entstand in den späten 1990er-Jahren und steht heute an jener Stelle, an der sich einst das berühmte Hotel Berolina befand.

Nach Plänen des Bezirks soll das Rathaus den Standort in den nächsten Jahren räumen und auf das Areal am Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße umziehen, wo auch neue Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen sollen.

  • Karl-Marx-Allee 31, Mitte

Rathaus Neukölln

Berliner Rathäuser: Rathaus Neukölln
Rathaus Neukölln in der Karl-Marx-Straße. Foto: Imago/Joko

Die Gegend ums Rathaus Neukölln galt lange als anstrengend und unsympathisch. Die Karl-Marx-Straße lädt nicht immer zum Verweilen ein, und der etwas gesichtslose Rathausbau aus dem Jahr 1908, der sich architektonisch der deutschen Renaissance verpflichtet fühlt, strahlt mit dem hohen Turm bürokratische Kälte ab.

Wer konnte, verschwand in den Seitenstraßen, und steuerte Bars, Restaurants und Imbisse an. Mittlerweile ist aber auf dem Vorplatz und den Treppen etwas mehr urbane Stimmung zu spüren, was nicht zuletzt der internationalen Hipstergemeinde zuzuschreiben ist, die sich Neukölln als ihre neue Heimat auserkoren hat. Übrigens prangt auf dem 68 Meter hohen Turm die Glücksgöttin Fortuna. Glück für Neukölln!

Man sollte sich ruhig mal hineintrauen, allein wegen der Kantine (Mo-Fr 7.30-15 Uhr), die deftige Mittagsgerichte serviert, aber auch mit der Zeit geht und die Neu-Neuköllner mit vegetarischen Speisen versorgt.

  • Karl-Marx-Straße 83, Neukölln

Rathaus Pankow

Berliner Rathäuser: Rathaus Pankow
Rathaus Pankow, Breite Straße. Foto: Imago/Schöning

Neogotik, Neobarock, Jugendstil. In den Anfang des 20. Jahrhunderts errichten Bau floss so ziemlich alles ein, was gestandene Architekten damals so zu bieten hatten. Nach dem Krieg residierte in dem Gebäude die sowjetische Stadtkommandantur. Seit der Bezirksreform wird von hier aus über Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee gemeinsam regiert.

  • Breite Straße 24a-26, Pankow

Rathaus Reinickendorf

Rathaus Reinickendorf
Rathaus Reinickendorf. Foto: Imago/Andreas Gora

Friedrich Beyer hieß der Architekt, der das 1911 eingeweihte Gebäude im Stil des holländischen Barock bauen ließ. Sowohl der Sitzungssaal als auch das Trauungszimmer sind kleine Juwelen der Berliner Verwaltungsarchitektur. Weit über die Reinickendorfer Grenzen bekannt ist auch der Ernst-Reuter-Saal, in dem bis zu 700 Personen Platz finden und wo vor allem Konzerte klassischer Musik stattfinden.

Einst gab es in jedem Rathaus eine Gaststätte, heute haben oftmals Kantinen die kulinarische Verpflegung übernommen. Doch in Reinickendorf wird die Tradition gepflegt, jedoch mit weltoffener und zeitgemäßer Note. Im Ratskeller wird seit 2019 im Zhou’s Fine (täglich 12-22 Uhr, Fr bis 17 Uhr) die Küche Chinas serviert. Darunter auch der Klassiker: Peking Ente.

  • Eichborndamm 215, Reinickendorf

Rathaus Spandau

Rathaus Spandau
Rathaus Spandau, Carl-Schurz-Straße. Foto: Imago/Schöning

Mit der U7 bis Endstation fahren, aussteigen und man ist da: Rathaus Spandau. Der neobarocke Bau entstand 1911. Ein monumentales Bauwerk, das die Spandauer Altstadt überragt und mit dem hohen Turm bis heute zu den Wahrzeichen Spandaus gehört.

Das Rathaus wurde während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt und in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Die Eingangshalle zeugt aber von alter Pracht, vor allem wegen der Jugendstil-Elemente, die zur Einrichtung gehören. Eine englische Telefonzelle in traditionellem Rot erinnert zudem an die Briten, die in Spandau während der West-Berliner Ära stationiert waren.

Auch hier kann man in der Kantine werktags bis 15 Uhr ordentlich zugreifen.

  • Carl-Schurz-Straße 2–6, Spandau

Rathaus Steglitz

Berliner Rathäuser: Rathaus Steglitz
Rathaus Steglitz. Foto: Imago/Andreas Gora

Türmchen, Erker, Bogenfenster. Das Rathaus Steglitz gleicht einer kleinen Burg mitten in der wuseligen Schloßstraße, wo sich Geschäfte und Shopping-Center aneinanderreihen. Dafür musste das Gebäude 2005 umgebaut wurden, als die riesige Shopping-Mall „Das Schloss“ entstand. Das historische Rathaus schmolz in die Einkaufspassage hinein.

Wie Neukölln, Spandau und Reinickendorf, hat Steglitz einen eigenen Rathaus-U-Bahnhof und dominiert dadurch die Umgebung. Seit der Bezirksreform teilt sich Steglitz die Verwaltung mit Zehlendorf.

  • Ecke Schloß-/Grunewaldstraße, Steglitz

Rathaus Schöneberg

Rathaus Schöneberg
Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz. Foto: Imago/Joko

Das wohl berühmteste Rathaus in West-Berlin. Bis 1991 war das große Gebäude, vor dem John F. Kennedy seine berühmte Rede hielt und sich als Berliner zu erkennen gab, der Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin. Hier debattierte auch die Bezirksverordnetenversammlung. Der Platz vor dem Rathaus war von zentraler Bedeutung, hier fanden wichtige Kundgebungen und Demonstrationen statt. Das ist nun Vergangenheit, dafür kann man am Wochenende auf dem Flohmarkt trödeln.

Bürgermeister und BVV zogen nach Mitte und im Schöneberger Rathaus wird längst wieder über die Geschicke im Bezirk entschieden. Seit 2001 gemeinsam mit Tempelhof.

  • John-F.-Kennedy-Platz, Schöneberg

Rathaus Köpenick

Rathaus Köpenick.
Rathaus Köpenick. Foto: Imago/Christian Behring/POP-EYE

Idyllisch in der Köpenicker Altstadt gelegen, versprüht das Rathaus noch den Charme alter Zeiten. Ein Denkmal des Hauptmanns von Köpenick wacht am Eingang, im Keller wird deftig gegessen und getrunken, und drumherum läuft das Köpenicker Leben ab. Das Wasser plätschert, man kann im Schlosspark spazieren oder ein Eis essen. Schön ist es hier!

Eingeweiht wurde das Gebäude 1905, der Hauptmann kam genau ein Jahr später, verhaftete den Bürgermeister und entwendete die Kasse. Der Hochstapler Friedrich Wilhelm Voigt, wie der Hauptmann von Köpenick wirklich hieß, ging mit seinem kriminellen Streich in die Stadt- und Theatergeschichte ein.

  • Alt-Köpenick 21, Köpenick

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