Berlin verstehen

12 ehemalige Brauereien in Berlin – so werden die Gebäude heute genutzt

Berlin ist eine Bierstadt oder war es zumindest mal. Davon zeugen die vielen Brauereien, die bis heute noch ganze Viertel prägen. Gebraut wird mittlerweile weniger der Spree, nur die große Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei in Lichtenberg produziert hier noch Bier in großen Mengen. Dazu kommen die neuen Craft-Bier-Brauerein, die meistens aber relativ klein sind. Die alte Tradition ist verschwunden, doch die Orte gibt es noch!

Wir haben 12 Brauereien in Berlin herausgesucht und geschaut, was in den teilweise riesigen Bauten jenseits von Hopfen und Malz passiert. In manchen wird Kunst ausgestellt oder musiziert, in anderen gewohnt und gearbeitet und andere stehen rum und verfallen.

Die goldene Ära der Brauereien gehört der Vergangenheit an. Die Architektur ist geblieben und lädt ein zu biergeschichtlichen Stadtspaziergängen. Prost!

Bärenquell Brauerei

Brauerei in Berlin: Ruine der ehemaligen Bärenquell Brauerei in Niederschöneweide.
Ruine der ehemaligen Bärenquell Brauerei in Niederschöneweide. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring

Wer über die 96a in Richtung Südosten aus der Stadt fährt, kommt auf der Höhe Schnellerstraße an der ehemaligen Bärenquell Brauerei vorbei. Wie im Dornrösschenschlaf stehen da die Ziegelbauten. Von Wildpflanzen überwachsen und mit Graffitis verziert, schlummert der Ende des 19. Jahrhunderts errichtete und gut 100 Jahre später wieder geschlossene Komplex. Noch.

So richtig wusste niemand, was mit den denkmalgeschützten Gebäuden geschehen soll und so verfiel die Brauerei langsam aber sicher. Erst Anfang 2020 tauchten erste Nachtrichten von dem israelischem Investor Ofer Hava in den Medien auf. Hava will mit gut 250 Millionen Euro das Gelände in Niederschöneweide in einen modernen Campus mit Büros, Gastronomie, Geschäften und einer Privat-Uni umwandeln.

  • Schnellerstraße 135, Niederschöneweide

Schneider Brauerei

Brauerei in Berlin: Schneider Brauerei in Prenzlauer Berg.
Schneider Brauerei in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Ein kleiner Weg führt von der Greifswalder Straße zum versteckt liegenden Grundstück, auf dem die ehemalige Schneider Brauerei steht. Halb Ruine, halb Industriepark, lässt der Bau an Berlin kurz nach der Wende denken, als Künstler und Musiker leerstehende Gebäude wie dieses kurzerhand in Kulturorte umfunktionierten.

In der 1892 errichteten Brauerei mit angeschlossenen Veranstaltungsräumen und einem Restaurant wurde nur bis 1914 Bier gebraut. Später nutzte man das Gebäude als Kino und Tanzhalle, und die Nazis hielten hier Propagandaveranstaltungen ab. In der DDR-Zeit fanden auf dem Grundstück „Am Schweizer Garten“, das die Schneider Brauerei umgibt, eine Kohlehandlung, Büros und ein Kindergarten Platz.

Nach der Wende entstanden dort Wohnhäuser. Die Brauereiruine wurde behutsam saniert und dient mittlerweile als Tonstudio und unter dem Namen „Musikbrauerei“ als Veranstaltungsort für experimentelle Musik. So ist sie etwa Heimat der anspruchsvoll kuratierten Konzertreihe Kiezsalon.

  • Greifswalder Straße 23A, Prenzlauer Berg

Berliner Bürgerbräu

Brauerei in Berlin: Ehemalige Berliner Bürgerbräu Brauerei in Köpenick, Blick auf die Spreeseite.
Ehemalige Berliner Bürgerbräu Brauerei in Köpenick, Blick auf die Spreeseite. Foto: Imago/POP-EYE/Christian Behring

Ab 1869 und bis 2010 braute man in Friedrichshagen Bier. Die Biergeschichte des Standortes reicht sogar weiter zurück. Friedrich II. höchstselbst hat das Gebiet erschließen und auf einem Landgut Bier brauen lassen.

Bockbier, Pils, Berliner Weiße und Bernauer Schwarzbier liefen hier vom Stapel. Bis nach Japan hat man exportiert und noch 2008 versuchte man den Niedergang der Brauerei mit der Produktion des 1. Berliner Bio Pils zu verhindern. Vergeblich.

Die Namensrechte gingen an die Radeberger Gruppe und in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex wurde ein Brauereimuseum eingerichtet. Dieses existiert nicht mehr. Was mit den Gebäuden passieren soll, ist derzeit nicht bekannt.

  • Müggelseedamm 164-166, Friedrichshagen

Kindl Brauerei

Die alte Neuköllner Kindl Brauerei ist heute das Kindl Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Die alte Neuköllner Kindl Brauerei ist heute das Kindl Zentrum für zeitgenössische Kunst. Foto: Imago/Schöning

Das Sudhaus der Berliner Kindl-Brauerei wurde in den späten 1920er-Jahren erbaut. Hier wurde im Herzen Neuköllns bis ins Jahr 2005 Hektoliterweise Kindl-Bier gebraut.

Nach der Stilllegung verwandelten Mäzene und Künstlerinitiativen das architektonisch beeindruckende Gebäude in einen Kunstort. Heute befindet sich darin das Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst. Die Institution am Rollberg gehört damit zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen im Bezirk.

  • Am Sudhaus 3, Neukölln

Stone Brewing

Craft Bier Brauerei Stone Brewing in Mariendorf.
Craft Bier Brauerei Stone Brewing in Mariendorf. Foto: Imago/Schöning

Die Geschichte von Stone Brewing unterscheidet sich von den anderen Brauereien, die in der Kaiserzeit oder zumindest in der Weimarer Republik verwurzelt sind. In dem ehemaligen Gaswerk in Mariendorf richtete der amerikanische Unternehmer und Craft-Beer-Enthusiast Greg Koch erst 2016 seine modern-hippe Brauerei ein.

Hier produzierte er erlesene Bierspezialitäten und wollte von Mariendorf aus die deutsche Bierbranche aufmischen. Koch investierte 25 Millionen Euro und scheiterte doch nur drei Jahre später mit seinem Konzept. 2019 war Schluss mit Stone Brewing. Dann übernahm der schottische Craft-Beer-Gigant Brewdog das Unternehmen.

So kann man sich in dem 1901 errichtetem Gebäude weiterhin an der Craft-Braukunst erfreuen. Die Auswahl reicht von Pale Ale, Hazy Jane und dem Lost Lager bis zu einem Schwarzbier, das „Hallo ich bin Arthur“ heißt. Dazu wurden innenarchitektonisch aufwändige Schankräume eingerichtet sowie ein Bier-Museum und ein toller Biergarten.

  • Im Marienpark 23, Mariendorf, Webseite von Brewdog

Schultheiss Brauerei in Wedding

Brauerei in Berlin: Ehemalige Schultheiss Brauerei Schultheiss Bier in Wedding.
Ehemalige Schultheiss Brauerei in Wedding. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Der Berliner Braumeister Johann Christoph Groterjan hatte Ende des 19. Jahrhunderts einigen Erfolg mit seinem Malzbier. Er verlegte die Produktion von Prenzlauer Berg in die Prinzenalle in Wedding. In den späten 1920er-Jahren ließen Groterjans Nachfolger den Architekten Bruno Buch ein Verwaltungsgebäude direkt an die Brauerei bauen.

Dieses mit gelben und braunen Klinkersteinen verzierte fünfstöckige Haus steht bis heute vergessen in der Prinzenallee und wird von diversen Firmen benutzt. Das Malzbiergeschäft ging übrigens schon in den 1950er-Jahren zurück und 1961 übernahm die mächtige Schultheiss Brauerei den Komplex, ließ aber später viele Gebäude abreißen. Bis auf dieses eine. Nur das alte Schultheiss-Logo an der Brandmauer erinnerte noch an die Biergeschichte des Standorts.

  • Prinzenallee 75–79/80, Wedding

Schultheiss Brauerei in Kreuzberg

Alte Schultheiss Brauerei, heute das Viktoria-Quartier direkt am Viktoriapark in Kreuzberg.
Alte Schultheiss Brauerei, heute das Viktoria-Quartier direkt am Viktoriapark in Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

1829 wurde an dieser Stelle, direkt am Viktoriapark, ein Biergarten eröffnet. Man nannte sich ganz weltgewandt „Tivoli“ und weil die Sache gut anlief, kam ab 1862 eine Brauerei hinzu. Die Betreiber wollten ihren eigenen Gerstensaft vertreiben. Auch das funktionierte.

Doch 1891 übernahm die Schultheiss Brauerei die Tivoli-Konkurrenz und braute am Kreuzberg bis 1993 ihr Bier. Kurz nach der Wende verlegte man die Produktion lieber in den Osten der Stadt und aus der Brauerei wurde ein abgeschottetes Anwesen mit schicken Eigentumswohnungen.

Statt des markanten Brauerei-Geruchs legten sich nun Beschwerden der neuen Bewohner wegen nächtlicher Lärmbelästigung über den Kreuzbergpark. Was unter anderem dazu führte, dass das Denkmal auf der Kreuzbergspitze nach Sonnenuntergang von Sicherheitsleuten versperrt wird.

  • An der Methfesselstraße, Kreuzberg

Willner Brauerei

Brauerei in Berlin: Die Willner Brauerei in Pankow während der Zwischennutzung.
Die Willner Brauerei in Pankow während der Zwischennutzung. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Über 100 Jahre braute die Weißbierbrauerei Willner in Pankow ihr Bier. Von 1882 bis 1990. Zwei Weltkriege hat sie überstanden, die Wende wurde ihr zum Verhängnis. Dann wusste niemand so genau, was man mit dem denkmalgeschützten Bauwerk anstellen soll.

Erst 2012 bekam eine Intiative die Zusage für eine Zwischennutzung. Kunst, Veranstaltungen und Gastronomie belebten den charmanten Ort für einige Jahre. Im Klub der Republik und in Emils Biergarten gab es Performances, Ausstellungen, Partys, Konzerte und mehr. 2017 war damit Schluss.

Anschließend entwickelte der neue Eigentümer Shaul Shani das Gelände zu einem modernen Bürokomplex.

  • Berliner Straße 80, Pankow

Flaschenturm der Brauerei Engelhardt

Flaschenturm der Brauerei Engelhardt in Friedrichshain.
Flaschenturm der Brauerei Engelhardt in Friedrichshain. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Bruno Buch gehörte zu den bedeutendsten Industriearchitekten der Weimarer Republik. Ende der 1920er-Jahre entwarf er eine Flaschenabfüllanlage für die Engelhardt-Brauerei im Friedrichshainer Ortsteil Stralau. Bis 1990 wurde das einzigartige Bauwerk genutzt und diente zudem als Ausbildungsbrauerei. Interessanter Weise ist hier auch das so genannte „Autofahrerbieres“ erstmals gebraut worden. Heute sagt man wohl „alkoholfrei“.

In den 1990er-Jahren entstand die Idee, die Räumlichkeiten an Ladengeschäfte zu vermieten. Es fanden sich aber keine Interessenten. Schließlich ließ ein Investor das denkmalgeschützte Gebäude um 2012 sanieren und baute es zu einem Wohnhaus um.

  • Krachtstraße 9/10, Stralau

Kulturbrauerei

Auch in Prenzlauer Berg braute Schultheiss sein Bier. Heute hat die Kulturbrauerei hier ihre Heimat.
Auch in Prenzlauer Berg braute Schultheiss sein Bier. Heute hat die Kulturbrauerei hier ihre Heimat. Foto: Imago/Schöning

Von allen Brauereien in Berlin vielleicht die berühmteste. Auch im Kollwitzkiez braute Schultheiss sein Bier. Das große Areal steht seit 1974 unter Denkmalschutz, errichtet wurden die verschiedenen Gebäude ab 1871. Der Brauereibetrieb endete nach knapp 100 Jahren 1967, die Technik und der Zustand der Anlage hielten den Anforderungen einfach nicht mehr stand.

In der DDR wurden die Bauten teilweise als Möbelgroßmarkt und Sportkasino genutzt. Nach der Wende übernahm die Treuhand den maroden Komplex. Die Idee einer vorwiegend kulturellen Nutzung setzte sich schließlich durch und so entstand die Kulturbrauerei.

Auf dem Gelände befinden sich heute Clubs, Theater, Konzertsäle, Ateliers, Büroräume von Kulturinstitutionen und ein Kino. Darunter der Frannz Club, Kesselhaus, Maschinenhaus, Alte Kantine, Soda und viele mehr.

  • Zwischen Schönhauser Allee und Danziger Straße, Prenzlauer Berg. Webseite der Kulturbrauerei.

Malzfabrik Pankow

Ehemalige Malzfabrik in Pankow.
Ehemalige Malzfabrik in Pankow. Foto: Imago/Sven Lambert

In der Mälzerei Pankow produzierte die Schultheiss-Brauerei bis 1945 Malz für die Bierherstellung. Später diente das Gebäude als Lager. Ab 1990 war die Nutzung ungewiss, erst 2007 kaufte ein Investor den Gebäudekomplex und ließ ihn unter Beachtung der Denkmalschutzauflagen sanieren. So entstanden bis 2011 insgesamt 150 Eigentumswohnungen in der Malzfabrik Pankow.

  • Mühlenstraße 9 bis 11, Pankow

Bötzow Brauerei

Brauerei in Berlin: Ehemalige Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg.
Ehemalige Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Schöning

Die größte Berliner Privatbrauerei existierte von 1864 bis 1945 an der Prenzlauer Allee. In der DDR-Zeit dienten die Gebäude als Lagerstätten für Lebensmittelproduzenten. Nach der Wende wechselten die neuen Eigentümer alle paar Jahre. Es gab diverse Pläne für den sanierungsbedürftigen Komplex, die aber alle nicht umgesetzt wurden.

Schließlich kaufte der Unternehmer und Kunstsammler Hans Georg Näder das Areal. Der Architekt David Chipperfield entwarf für Näder einen Bebauungsplan, der u.a. neue Wohnhäuser, einen Biergarten, ein öffentliches Schwimmbad und ein Kunsthaus vorsah.

Die Bauarbeiten dauern an. Bislang finden gelegentlich Kunst-Events, darunter Einzelausstellungen von Neo Rauch, Andreas Gursky und Norbert Bisky, und andere Veranstaltungen „Auf Bötzow“ statt.

  • Prenzlauer Allee 242, Prenzlauer Berg

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