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12 Konzerte in Berlin, die uns schon jetzt Laune auf 2021 machen

Es gibt keinen Grund, 2020 in Sachen Konzerte schon in den Wind zu blasen: Es kommen noch jede Menge tolle Acts, von Austra bis Thundercat. Und dennoch: Einige Namen, die sich für 2021 in Berlin angekündigt haben, steigern schon jetzt die Vorfreude aufs neue Jahr. Wer es sich leisten kann, sollte vielleicht jetzt schon in Tickets investieren – nicht nur weil nach der Corona-Zwangspause der Run riesig sein wird, sondern auch weil die Konzertveranstalter gerade eine besonders harte Zeit durchmachen und Support gebrauchen können.

Destroyer im Columbia Theater

Losgehen kann das Berliner Konzertjahr mit kanadischem Art-Rock aus Vancouver, British Columbia. Passenderweise im Columbia Theater in Berlin. Destroyer-Mastermind Dan Bejar hatte beim aktuellen Album „Have We Met“ versprochen, seine Inspirationsquellen seien diesmal Björk, der späte Leonard Cohen, koreanische Horrorfilme und der Minimalismus von Hip Hop aus den 1980ern. Macht neugierig. Am Ende muss Dan Bejar aber wohl zugeben, dass das Ergebnis viel eingängiger klingt als dieses leicht schräge Klangkonzept.

23.1.21, Columbia Theater


Adam Green im Columbia Theater

Der Typ hat schon einen Aladdin-Film mit selbstgebastelten Pappmaché-Kulissen realisiert und dafür sogar seinen besten Kumpel Macaulay Culkin („Kevin allein zu Haus“) engagiert. Adam Green tritt einigermaßen regelmäßig in Berlin auf, aber es lohnt sich immer: Wer hingeht, erlebt mit einem der sympathischsten Weirdos unserer Zeit, der zufällig der Urenkel der Kafka-Verlobten Felice Bauer ist, einen berauschenden Trip – und kann sich dabei sogar das Geld für Drogen und das Down danach sparen.

23.2.21, Columbia Theater


Caribou in der Columbiahalle

Er ist einfach einer der größten Klangbastler unserer Zeit. Aber sehr zugänglich auch für viele Menschen, die es nicht zu minimalistisch und nicht zu düster mögen, sondern melodisch, aber auf die psychedelische Tour. Das aktuelle Album „Suddenly“ sollte auch Fans von James Blake und Tame Impala noch abholen können.

27.4.21, Columbiahalle


Alexandra Savior im Privatclub

Portland, Oregon, gilt oft als die Stadt in den USA, die Berlin am ähnlichsten ist – zwar viel kleiner, aber rebellisch und mit großer alternativer Kunst- und eben auch Musik-Szene. Dort kommt jedenfalls auch Alexandra Savior her, deren cinematischer Melancholie-Folk-Pop durchaus an den Sound erinnert, an den sich auch Lana Del Rey seit ihrem „Ultraviolence“-Album von 2014 heranschmiegt. Für Alexandra Savior muss man aber noch nicht in die Arena gehen, sondern kann sie (fast) auf Augenhöhe im Clubkonzert erleben.

2.5.21, Privatclub


Nick Cave & The Bad Seeds in der Mercedes-Benz-Arena

Er musste das durchmachen, was man keinen Eltern wünschen kann: Nick Caves Sohn starb 2015 mit nur 15 Jahren. An diesen unsagbaren Schmerzen arbeitet sich Nick Cave, unterstützt von den Bad Seeds, auf seinen letzten beiden Alben „Skeleton Tree“ (2016) und „Ghosteen“ (2019) ab. Und auch wenn das schrecklich traurig ist, kann einem Nick Cave Mut machen: Er macht weiter, auch nach der größtmöglichen persönlichen Katastrophe. Wer sich vorm Konzert ein wenig auf Spurensuche begeben will – diese zwölf Dinge sollte man über Nick Caves Zeit in Berlin wissen.

28.5.21, Mercedes-Benz-Arena


Brian Wilson im Admiralspalast

Bis heute scheiden sich die Geister daran, ob nun „Pet Sounds“ von den Beach Boys oder das weiße Album der Beatles die größte Platte des letzten Jahrtausends ist. Wenn man sich die Harmonien von Beach-Boys-Songs wie „God Only Knows“ anhört und -schaut, muss man aber sagen: Brian Wilson ist ein Pop-Musik-Genie, das Lennon/McCartney in nichts nachsteht. Böse Zungen behaupten, Brian Wilsons Stimme sei nicht mehr auf der Höhe, aber diese späte Chance, den mittlerweile 78-Jährigen noch mal in Berlin zu erleben, sollte man sich wohl nicht entgehen lassen.

10.6.21, Admiralspalast


Pet Shop Boys in der Mercedes-Benz-Arena

Mit ihrem aktuellen Album “Hotspot” (2019), aufgenommen in den Hansa Studios, unweit vom Potsdamer Platz, hat das angequeerte britische Electro-Pop-Duo der Stadt Berlin und ihrem Nachtleben ein Denkmal gesetzt. Schon der Opener spielt in der Partylinie, wie die Pet Shop Boys sagen: in der U1. Wer sich in die nur oberflächlich simplen Texte der Pet Shop Boys zur Konzertvorbereitung reinfuchsen will, dem sei das Buch „Factually“ von Jan-Niklas Jäger empfohlen, das die gesellschaftspolitischen Bezüge der PSB-Songs scharf, aber unterhaltsam analysiert.

12.6.21, Mercedes-Benz-Arena


Patti Smith in der Zitadelle Spandau

Welcher Song würde besser das Lebensgefühl des Berliner Nachtlebens mit seinen (wenn nicht gerade Corona ist) berauschenden Sexpartys beschreiben als „Because the Night“, den Patti Smith gemeinsam mit Bruce Springsteen geschrieben hat? Ein flammendes Plädoyer zum Liebemachen ist das. Carpe noctem. Sicherlich einer der Höhepunkte auf dem Citadel Music Festival 2021 in der lauschigen Zitadelle, hinter dem romantischen Burggraben.

13.6.21, Zitadelle Spandau


Philip Glass & Friends in der Philharmonie

Neben Steve Reich und Terry Riley ist Philip Glass einer der großen Wegbereiter der Minimal Music, die exzessiv auf Repetition und leichte Variation setzt. In den 1960ern hat Philip Glass somit, bewundert von Brian Eno und David Bowie, Pionierarbeit geleistet, die letztlich auch den Techno möglich gemacht hat in Berlin. Der gerade erst aus Berlin weggezogene junge Piano-Weltstar Víkingur Ólafsson hat die Piano-Etüden von Philip Glass in den letzten Jahren vielen Leuten wieder auf den Schirm gebracht. Nun aber noch mal den Meister selbst zu hören, wird sicher nicht minder phantastisch.

15.6.21, Philharmonie


Björk in der Waldbühne

Zweifelsohne: Die Isländerin ist eine der spannendsten Künstlerinnen unserer Zeit. Das hat sogar das Museum of Modern Art mit einer Ausstellung gewürdigt. Die Visuals von Björk suchen ihresgleichen und natürlich auch die raffinierten Orchester-Arrangements. Auf die kommt es auch bei dieser Tour besonders an, wenn Björk gemeinsam mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester performt, dirigiert von Christiane Silber. Nachdem uns in Berlin Björk zuletzt bei der grandiosen Cornucopia-Tour ausgelassen hat, ist es umso schöner, dass sie uns diesmal so etwas wie ein Greatest Hits spielen wird – obwohl Björk freilich viel zu sophisticated ist, um das jemals Greatest Hits zu nennen. Vor ihrem letzten Konzert in Berlin in der Zitadelle haben wir mit Björk gesprochen.

18.6.21, Waldbühne


Bright Eyes im Tempodrom

Viel Musik aus der Zeit von 2005 klingt heute schon sehr angestaubt und in die Jahre gekommen. Natürlich nicht alles: Das Album „I’m Wide Awake, It’s Morning“ der Bright Eyes mit seinem unpoliert-gitarrigen Americana-Folk klingt so frisch wie das 2016er Solo-Album „Ruminations“ des Bright-Eyes-Sängers Conor Oberst. Bis zum August 2021 ist dann auch das neue Album ziemlich genau ein Jahr draußen, das demnächst erscheint. Gut Zeit also, um die Texte auswendig zu lernen. Aber auch gute Chancen, dass es sich in einem Jahr noch sehr frisch anhört.

20.8.21, Tempodrom


The Weeknd in der Mercedes-Benz-Arena

Wen diese samtige Schmusestimme unberührt lässt, der sollte sicherheitshalber testen lassen, ob er nicht ein Zombie ist. Das aktuelle Album „After Hours“ ist tatsächlich was für die späten Stunden auf dem Tanzboden der Melancholie. Und The Weeknd hat auch direkt den besten Ratschlag auf der Zunge: „Save Your Tears For Another Day“. So lange wir tanzen, muss aller Tage Abend warten, sorry, not sorry.

11.11.21, Mercedes-Benz-Arena


Für ein paar Konzerte haben wir auch 2020 noch Hoffnungen. Den Veranstalter*innen geht es schlecht. Gerade kleine Clubs stehen vor Schuldenbergen, weil sie Konzerte und Partys absagen müssen. Seit einigen Wochen gibt es nun den Trend Auto-Kultur – den wir aber etwas kritisch betrachten. Schöner ist es da im Museum – jede Woche haben wir die 12 wichtigsten Ausstellungen für euch.

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