Berliner Kieze

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Schöne Aussichten, Geschichte – und viel Grün

Wenn der Name Marzahn-Hellersdorf fällt, denken viele nur an einen Randbezirk, der außer Plattenbauten, gesichtslosen Einkaufszentren und sozialen Problemen nicht viel zu bieten hat. Aber sie liegen falsch: Marzahn beeindruckt mit außergewöhnlichen Aussichten, geschichtsträchtigen Orten, einer ganz besonderen Ästhetik und Parks, in denen man so viel Ruhe und Entspannung findet, wie es in einem Innenstadtbezirk kaum möglich wäre. Wir haben 12 interessante und tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf zusammengestellt.


Schloss Biesdorf

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Bonbonrosa und elegant: das Schloss Biesdorf.
Bonbonrosa und elegant: das Schloss Biesdorf. Foto: imago images/Schöning

Bonbonrosa steht das Schloss Biesdorf im weitläufigen Park, in dem mächtige Eichen und Buchen ihre Kronen wiegen und das Gras saftig grün ist. Den Park hat der Lenné-Schüler und Berliner Tiergartendirektor Eduard Neide im 19. Jahrhundert entworfen. Nach 1889 legte noch einmal der königliche Gartenbaudirektor Albert Brodersen Hand an und der Park wuchs auf nunmehr fast 15 Hektar an, inklusive Sportanlagen. Wo sich früher der Adel entspannte, tummeln sich heute Bürgerliche. Das neoklassizistische Schloss ist ein Stadtteilzentrum mit sozialer Beratung, Kursen, aber auch kulturellen Veranstaltungen wie Konzerten und Ausstellungen. Außerdem gibt es Führungen durch Schloss und Park.

  • Schloss Biesdorf Alt-Biesdorf 55, Biesdorf, Tel. 516 56 77 90, Mo, Mi, Do, Sa+So 10-18 Uhr, Fr 12-21 Uhr, Di geschlossen, www.schlossbiesdorf.de

Hochhäuser am Helene-Weigel-Platz

So viele Balkone an einem Haus findet man in Berlin nur am Helene-Weigel-Platz. Foto: imago images/Schöning

Der Helene-Weigel-Platz wirkt wie ein sozialistisches Metropolis. Riesige Plattenbauten rahmen den Platz ein, eines ragt 76 Meter in den Himmel. Zwischen zwei der Hochhäuser steht das ehemalige Rathaus von Marzahn und blickt auf den Platz. Ein DDR-Architekturbüro hat das Gebäude mit den dunkelroten Fliesen und großen Fenstern entworfen und 1988 fertiggestellt. Davor plätschert Wasser durch den „Brunnen der Generationen“, ein Treppenbrunnen, in dessen Mitte eine kleine Familie aus Stahl Tag und Nacht sitzt und auf den Platz schaut. Für manche mag der Helene-Weigel-Platz steingewordener Albtraum sein. Doch die Ästhetik der Hochhäuser mit den tausenden Balkonen, von denen jeder einzelne irgendwie einzigartig ist, hat ihren ganz eigenen Charme. Übrigens genau wie andere berühmte (oder berüchtigte) Großsiedlungen in Berlin.

Helene-Weigel-Platz Marzahn


Alt-Marzahn

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Mittelalterlicher Dorfkern mitten in Marzahn.
Mittelalterlicher Dorfkern mitten in Marzahn. Foto: imago images/Ulli Winkler

Kontrastreiches Marzahn! Die 20-stöckigen Plattenbauten umringen einen putzigen historischen Dorfkern – nicht nur für  Besucher eine ungewöhnliche Szenerie. In Alt-Marzahn hat die Vergangenheit der Zukunft die Zähne gezeigt. Das Dorf steht seit 1977 unter Denkmalschutz und wurde in den 1980er Jahren aufwendig rekonstruiert. Zudem wurde 1994 eine Bockwindmühle nach historischem Vorbild eingeweiht. Schöngeister und Hedonisten, denen die Platte aufs Gemüt schlägt, erholen und amüsieren sich in Cafés, Restaurants und Museen im dörflichen Kern der Trabantenstadt.


Bockwindmühle

Etwa 150 Tage im Jahr treibt der Wind die Marzahner Bockwindmühle an. Foto: imago images/Schöning

Inmitten der Plattenbauten Marzahns steht der Mühlenberg mit der Bockwindmühle. Etwa 150 Tage im Jahr treibt der Wind die Mühle an, sie läuft aber auch mit Strom, wenn es sein muss. Eigentlich hatte Marzahn mal mehrere Mühlen und eine Windturbine, doch alle (bis auf die eine) wurden abgerissen. Sie liefert noch heute tausende Tonnen von Vollkornmehl an die Bäckerei der ufaFabrik, außerdem mahlt die Mühle Grieß, Backschrot und auf Anforderung Roggenprodukte. Seit 1912 verbesserte eine Windturbine die Arbeitsweise der Mühle und in den 1940er Jahren ergänzte Müllermeister Richard Triller sie um eine patentierte Windkraftanlage, die die Mühle noch effizienter machte. In den 1970er Jahren verkannten die Verantwortlichen den historischen Wert der Mühle jedoch, und ließen sie abreißen. Vier Jahre später wurde man sich des Fehlers bewusst und ließ eine neue Mühle errichten. Die wurde 1993 fertiggestellt und mahlt noch heute.

  • Bockwindmühle Berlin Marzahn Alt-Marzahn 63, Marzahn, Tel. 0179 49 10 828, Mo-Fr Besichtigung und Führung nur nach Anmeldung, jeden zweiten Sonntag in Apr.-Juni und Sept.+Okt. 15-17 Uhr geöffnet, www.marzahner-muehle.de

Konditorei Natalja

Unsere Hochzeitstorte wa ein Traum wir schämen immer noch davon und unsere Hochzeit war in August 2018 .Wir wurden in…

Posted by Constanze Kilian on Sunday, March 1, 2020

Natalja backt für alle: für frisch Vermählte und Verlobte, für Kinder, Mütter, Großmütter, Vereine und Firmen. Zu ihren Kunden zählen Unternehmen wie audible, H&M oder Vox, die sich ihre Logos und Sprüche auf kunstvolle Torten malen lassen, mal mehrstöckig, mal einstöckig. Für kleine Kinder platziert Natalja auch mal eine Arielle-Puppe neben Unterwasserpflanzen aus Zuckerguss und den Namen der kleinen Glückspilze. Bei Erwachsenen wachsen oft silberne Blumen auf den Torten, die allesamt an russischen Chic erinnern. Manche finden’s kitschig, andere wunderschön. Vor allem aber sind Nataljas Torten eines: filigran, ungewöhnlich und kreativ.

  • Konditorei Natalja Jan-Petersen-Straße 20, Marzahn, Mo-Fr 10-17 Uhr, Sa 9-14 Uhr, Tel. 48 81 56 48, www.torten.wordpress.com

Gärten der Welt

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Der koreanische Garten.
Der koreanische Garten. Foto: imago images/Bernd Friedel

Hinter der Plattenbausiedlung wartet das Paradies: Im Themenpark mit chinesischem, japanischem, orientalischem, koreanischem, christlichem und balinesischem Garten betören üppige Stauden und plätschern Bäche. Pflanzen aus aller Welt verströmen ihre Düfte und spenden den Besucher*innen Schatten. Die lernen nebenbei über die Bedeutung von Gärten in anderen Kulturen. Im chinesischen Teehaus werden Teezeremonien zelebriert, und im Bali-Treibhaus berauschen Orchideen. Und wer seinen Orientierungssinn schulen möchte, begibt sich auf einen Spaziergang durch Labyrinth und Irrgarten.

  • Gärten der Welt Haupteingang: Blumberger Damm, Seilbahn: Eingang Kienbergpark, Eingang Nord: Eisenacher Straße, ganzjährig von 9 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit, Tagesticket Erwachsene: 7 Euro, Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren: 3 Euro, ermäßigt: 3 Euro, www.gaertenderwelt.de

Seilbahn

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Um Seilbahn zu fahren, muss man nicht in die Alpen reisen.
Um Seilbahn zu fahren, muss man nicht in die Alpen reisen. Foto: imago images/Bernd Friedel

Seilbahn-Fahren kann man nur in den Bergen? Wer das glaubt, war noch nicht in den Gärten der Welt. Denn Berlin hat zwar keine richtigen Berge, weiß aber die wenigen Erhebungen der Stadt clever zu nutzen. Mit den Plattenbauten Marzahns auf der einen und den vielen Bäumen der Gärten der Welt auf der anderen Seite im Blick kann man auch in Berlin Seilbahn-Fahren. Zwar ist der Kienberg lange nicht so steil wie die Gipfel der Alpen, doch das leichte Schaukeln der Seilbahn und die Geräusche, die die Drahtseile bei den tragenden Pfeilern machen, können einen schon mal zurück in den Ski- oder Wanderurlaub versetzen. Sommerrodeln kann man am Kienberg mit der Natur-Bobbahn übrigens auch.

  • Seilbahn am Kienberg Hellersdorfer Straße 149, Marzahn, Tel. 0152 01 46 97 28, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa+So 10-19 Uhr, Berliner Sommerferien tgl. 10-19 Uhr, www.seilbahn.berlin/de

Wolkenhain

120 Meter über dem Meeresspiegel befindet sich der Wolkenhain. imago images/imagebroker

Der spektakuläre Skywalk an der Marzahner Promenade ist leider wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Dort kommen normalerweise sogar manch hartgesottene Höhenexpert*innen an ihre Grenzen, wenn sie über die freischwebende Treppe auf die Aussichtsplattform im 21. Stock eines Hochhauses steigen. Durch das Gitter der Treppe sieht man nämlich, wie tief es unter den eigenen Füßen runter geht. Aber Marzahn bietet zum Glück noch eine weitere spektakuläre Aussichtsplattform: den Wolkenhain. Die Plattform befindet sich 120 Meter über dem Meeresspiegel, bei gutem Wetter guckt man 50 Kilometer weit und kann auch den 12 Kilometer entfernten Fernsehturm leicht sehen. Für Menschen mit Höhenangst ist der Wolkenhain besser geeignet als der Skywalk, weil der Boden blickdicht ist. Außerdem erscheint der Wolkenhain in der Dämmerung fast magisch, wenn seine durchscheinende Membran illuminiert wird und er sich auf besondere Weise in die Landschaft einpasst.

  • Wolkenhain Kienberg, Hellersdorfer Straße 159, Marzahn

Chinesisches Teehaus

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Tee trinken wird im chinesischen Teehaus zu einer ganz besonderen Erfahrung.
Tee trinken wird im chinesischen Teehaus zu einer ganz besonderen Erfahrung. Foto: imago images/Schöning

Stilechter kann man Tee kaum trinken: Mitten im chinesischen Garten im Erholungspark Marzahn liegt das „Berghaus zum Osmanthussaft“, in dem aus mehr als 30 Sorten chinesischen Tees gewählt werden kann. Nach Vereinbarung und wenn mindestens sechs Teilnehmer zusammenkommen, finden besondere Vorführungen zur Teekunst, so genannte Teezeremonien, statt (Teilnahmegebühr 18 Euro).

  • Eisenacher Straße 99, im Erholungspark Marzahn, Marzahn, Tel. 0179-394 55 64, in der Saison tgl. 10.30–18 Uhr , www.china-teehaus.de

Alte Börse

Früher verkauften Kaufleute von der Alten Börse aus Vieh an Berliner Bäuer*innen. Foto: Wikimedia Commons/Singlespeedfahrer/CCO

Eine Tagungslocation, wo es nur veganes Essen gibt, aber keine vietnamesischen und indischen Gerichte oder moderne Fusion-Küche, sondern deftiges bodenständiges Essen wie Maultaschen oder Saitangulasch mit Sauerkraut und Kartoffelstampf? Diese ungewöhnlichen Kombinationen findet man in der Alten Börse in Marzahn. Außerdem ist die Alte Börse ein Gebäude mit Geschichte. Um 1900 gründeten Kaufleute das Handelszentrum und verkauften von hier aus Kühe, Schweine, Gänse und Schafe an Bäuer*innen aus Berlin. Es besaß einen eigenen Bahnhof, ein Postamt und einen Gasthof. Seit 2014 ist wieder Leben in die Alte Börse als Tagungslocation eingekehrt.


Bezirksmuseum

12 tolle Orte in Marzahn-Hellersdorf: Nirgendwo sonst lernt man so viel über die Geschichte von Marzahn und Hellersdorf wie im Bezirksmuseum.
Nirgendwo sonst lernt man so viel über die Geschichte von Marzahn und Hellersdorf wie im Bezirksmuseum. Foto: Wikimedia Commons/Singlespeedfahrer/CCO

Wenn man einen Berliner Bezirk bestimmen müsste, der in den letzten Jahrhunderten am meisten Veränderungen erfahren hat, dann wäre es wohl Marzahn-Hellersdorf. Zwar siedeln Menschen seit Jahrtausenden in dem Gebiet, die ersten Dörfer entstanden aber erst im späten Mittelalter. Im 20. Jahrhundert veränderte sich die Landschaft am östlichen Berliner Stadtrand rasant: Die DDR errichtete im Zuge ihres Wohnungsbauprogramms einen ganzen Bezirk um den Marzahner Dorfkern herum. Die Geschichte des Bezirks erzählt die Dauerausstellung in Haus 2 des Bezirksmuseums. In Haus 1 befinden sich wechselnde Sonderausstellungen, außerdem können Interessierte das regionalgeschichtliche Archiv nutzen.


Berliner Balkon

Der Berliner Balkon entstand in der letzten Eiszeit. Foto: Wikimedia Commons/Andreas Steinhoff

Nördlich der schönen Kaulsdorfer Seen, an der Kreuzung Kressenweg / Lindenstraße, beginnt ein sorgfältig angelegter Spazierweg durch eine Wiese, der an Holzstelen vorbei hinaufführt zum Berliner Balkon. Dies ist eine ebenfalls mit Holzstelen versehene Aussichtssichtsplattform. Ein Holzkunstwerk oben auf 57 Metern Höhe über N.N. erinnert an eine Bockwindmühle, die hier bis 1936 gestanden hat. Hier sollte man die Aussicht genießen, die bei gutem Wetter bis zu den Müggelbergen reicht. An dieser Stelle lässt sich gut der Höhenunterschied der sogenannten „Barnimhochfläche“ zum Berliner Urstromtal nachvollziehen. Das Tal bildete sich vor rund 18.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit heraus, als das Inlandeis schmolz und in die Nord- und Ostsee abfloss. Der Weg führt dann weiter zum Gutshaus Mahlsdorf mit seinem von Charlotte von Mahlsdorf erschaffenen Gründerzeitmuseum.

  • Berliner Balkon Kressenweg/ Lindenstraße, Hellersdorf

Berlin erleben leicht gemacht – mit unseren umfassenden Ausflugstipps für alle Vorlieben. Ihr wollt euch auch in anderen Bezirken umschauen? Dann haben wir die richtigen Empfehlungen für euch. Wir haben auch 12 coole Orte im Wedding gesammelt, sowie 12 tolle Orte in Spandau und 12 Tipps für den Szenebezirk Neukölln.

Mehr über Cookies erfahren