Stadt der Frauen

12 wichtige Berlinerinnen, die die Stadt prägen

Sie verändern die Stadt. Als Politikerinnen, Künstlerinnen, Unternehmerinnen, Aktivistinnen und in Spitzenpositionen hinter Projekten, Firmen und Institutionen. Berlin ist eine Stadt der Frauen. Hier stellen wir 12 wichtige Berlinerinnen vor, ohne die Berlin nicht so wäre wie es ist.

Seyran Ateş

Die Menschenrechtsaktivistin und Gründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe Moschee, Seyran Ates.
Die Menschenrechtsaktivistin und Gründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe Moschee, Seyran Ates. Foto: Imago/epd

Diese Frau ist zweifelsohne eine der mutigsten Berlinerinnen. In ihrer Arbeit als Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin hat Seyran Ateş zahlreiche Extreme erlebt: von Morddrohungen bis zu tatsächlichen Angriffen. Als Autorin setzt sich die Deutschtürkin mit dem Islam, multikulturellem Zusammenleben und ihrer eigenen Biografie auseinander. Große Aufmerksamkeit erhielt sie mit der Eröffnung der von ihr initiierten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit, in der Frauen und Männer zusammen beten. Dafür und für ihren Einsatz einer zeitgemäßen Auslegung des Islam  wurde sie erneut zur Zielscheibe für Anfeindungen und Drohungen. (Text: Ina Hildebrandt)


Maike Cruse

Gallery-Weekend-Chefin Maike Cruse.
Gallery-Weekend-Chefin Maike Cruse. Foto: Wolfgang Stahr

Maike Cruse war die Leiterin der Kunstmesse abc Berlin, später der Art Berlin, die Teil der Kölner Kunstmesse Art Cologne wurde. Dort wurde die Zusammenarbeit zwar beendet, aber Cruse mischt weiterhin die Berliner Kunstwelt als Chefin des Gallery Weekend auf. Angefangen hat die Kunstmanagerin mit dem Projekt „Forgotten Bar“, einem winzigen Kunstraum in Kreuzberg, der um 2008 herum Nachtleben, Barbetrieb und aufregende Kunst vereinte.


Jenny De la Torre

Jenny De la Torre ist Ärztin für Obdachlose im Gesundheitszentrum Mitte in Berlin.
Jenny De la Torre ist Ärztin für Obdachlose im Gesundheitszentrum Mitte in Berlin. Foto: Imago/Jakob Hoff

Die Ärztin Jenny De la Torre wollte schon immer Menschen helfen und zwar über die Grenzen hinaus, die das reguläre Gesundheitssystem in Deutschland zulässt. Sie richtete eine Stelle ein, die unbürokratisch Obdachlose medizinisch versorgt, daraus entstand eine die Jenny-De-la-Torre-Stiftung, die ein Gesundheitszentrum in der Pflugstraße 12 in Mitte betreibt. ”Mit der Stiftung möchte ich meiner sozialen Verantwortung als Ärztin gerecht werden”, sagt die Ärztin, die für ihr Engagement mit Verdienstpreisen und Auszeichnungen geehrt wurde.


Laura Gehlhaar

Die im Rollstuhl sitzende Sozialpädagogin, Bloggerin, Aktivistin und Autorin Laura Gehlhaar.
Die im Rollstuhl sitzende Sozialpädagogin, Bloggerin, Aktivistin und Autorin Laura Gehlhaar. Foto: Imago/Horst Galuschka

Die studierte Sozialpädagogin wurde 1983 in Düsseldorf geboren, als Kind wurde bei ihr eine Muskelerkrankung diagnostiziert. Mit 23 zwang sie die Krankheit permanent einen Rollstuhl zu nutzen. Gehlhaar ist Bloggerin und Aktivistin, die sich in ihren Texten und Projekten vor allem dem Thema Inklusion von Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Sie zog nach Berlin und ist aktiv in dem von Raul Krauthausen gegründetem Verein Sozialhelden. 2016 erschien ihr Buch „Kann man da noch was machen?: Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin“.


Gudrun Gut

Musikerin, Produzentin und Labelbetreiberin Gudrun Gut.
Musikerin, Produzentin und Labelbetreiberin Gudrun Gut. Foto: Imago/Charles Yunck

Blixa Bargeld und Frieder Butzmann nannten die Musikerin, deren Laufbahn in West-Berlin der späten 1970er-jahre begann, unabhängig voneinander, die „modernste Frau der Welt“. Gudrun Guts Einfluss ist nicht hoch genug einzuschätzen. Gut war Modedesignerin, betrieb die legendäre Boutique Eisengrau, war Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten und von DIN A Testbild. Mit ihren Bands Mania D. und vor allem Malaria! schrieb sie Musikgeschichte. Auch als Radiomacherin, Produzentin und Labelbetreiberin (Moabit, Monika Enterprise) prägt Gudrun Gut die Stadt bis heute.


Monika Herrmann

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (B90/Die Grünen).
Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (B90/Die Grünen). Foto: Imago/Jens Jeske

Interessanterweise waren die Eltern der 1964 in Neukölln geborenen Politikerin beide Berliner Abgeordnete, allerdings für die CDU. Monika Herrmann studierte an der FU Politikwissenschaften, engagierte sich schon früh politisch und leitete in den 1980er-Jahren das Frauenzentrum Begine.

Ab 1990 arbeitete sie beim Bezirksamt Kreuzberg, war u.a Stadträtin für Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung. Seit 2013 ist sie Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.


Annerose Koschinski

Annerose Koschinski in ihrem Laden in Pankow.
Annerose Koschinski in ihrem Laden in Pankow. Foto: Jonas Kühlberg

Kurz nach der Wende, 1991, brachten Annerose Koschinski und ihr Ehemann Rudi den Sex in den tiefsten Osten Berlins. Aus ihrer Gartenlaube in Mahlsdorf machten sie einen kleinen Sexshop: „Röschens Intimvitrine“, in dem Koschinski den Verkauf übernahm. Zunächst war nur die wirtschaftliche Motivation da und für die junge Frau galt es, persönliche Schamgrenzen zu überwinden. Das ist ihr gelungen und die mittlerweile 71-Jährige widmet sich nach wie vor mit viel Verständnis und Herzlichkeit den Wünschen ihrer Kund*innen. (Text: Ina Hildebrandt)


Clara Mayer

Klimaaktivistin Clara Mayer bei Fridays for Future.
Klimaaktivistin Clara Mayer bei Fridays for Future. Foto: Imago/F. Boillot/Snapshot

Neben Luisa Neubauer ist Clara Mayer die bekannteste Umweltaktivistin ihrer Generation. Sie engagiert sich in zahlreichen Projekten und ist Pressesprecherin von „Friedas for Future“. Auch wenn sie nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommt wie Greta Thunberg, verschafft sich die 2001 geborene Berlinerin immer wieder Gehör.

Berühmt wurde sie mit einer Rede vor der Aktionärshauptversammlung von Volkswagen im Mai 2019, in der sie den Lenkern der deutschen Automobilwirtschaft attestierte, das Klimaproblem nicht einmal ansatzweise verstanden zu haben. Mayer kritisiert das gängige Konsumverhalten und die Werbebranche, woraufhin die „Süddeutsche Zeitung“ sie 2019 in die „Liste der Aufsteiger der Wirtschaft“ wählte.


Kathrin Passig

Die Autorin Kathrin Passig bei der Frankfurter Buchmesse.
Die Autorin Kathrin Passig bei der Frankfurter Buchmesse. Foto: Imago/Hoffmann

Kathrin Passig war so etwas wie das Covergirl der digitalen Boheme Anfang der 2000er in Berlin. Als Mitbegründerin der sogenannten Zentralen Intelligenz Agentur war sie maßgeblich an der Entwicklung der deutschen Internetkultur beteiligt. Als Autorin und Journalistin erklärte sie das Web 2.0., als es für viele von uns noch tatsächlich Neuland war. Zudem schrieb Passig über Sadomasochismus, gründete mit anderen den Berliner BDSM Verein. Gute Geschichten ausdenken kann sie auch noch – 2006 erhielt sie dafür den Ingeborg Bachmann Preis. (Text: Ina Hildebrandt)


Sophie Rois

Schauspielerin Sophie Rois bei der Fotoprobe zum Stück "Sophie Rois fährt gegen die Wand" im Deutschen Theater.
Schauspielerin Sophie Rois bei der Fotoprobe zum Stück „Sophie Rois fährt gegen die Wand“ im Deutschen Theater. Foto: Imago/Bildgehege

1961 in Linz geboren und seit 1987 in Berlin. Sophie Rois ist sehr wahrscheinlich die eindrucksvollste Theaterschauspielerin ihrer Generation. Ihre Karriere begann am Schiller- und Renaissancetheater, doch schon 1993 fand sie ihren Weg zur Volksbühne, an der gerade ein gewisser Frank Castorf begann, Theatergeschichte zu schreiben.

Spröde, intensiv und direkt spielte sie ihre Rollen, den Figuren verlieh sie aparte Eleganz, Witz und Intensität. Die vielfach ausgezeichnete Rois, unter anderem als Schauspielerin des Jahres, tritt neben dem Theater auch regelmäßig in Fernsehen- und Kinoproduktionen auf. Zuletzt etwa in Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“.


Bafta Sarbo

Bafta Sarbo gehört zum Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland.
Bafta Sarbo gehört zum Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Foto: Imago/Uwe Steinert

Bafta Sarbo wuchs in Frankfurt am Main auf. Sie studiert in Berlin Sozialwissenschaften und arbeitet zum Verhältnis von Marxismus und Antirassismus. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung leitet sie Lesekurse zu Marx‘ „Kapital“. Sarbo ist politisch unter anderem aktiv im Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und beschäftigt sich dort mit Themen wie Racial Profiling und Migrationspolitik.


Daniela Seel

Verlegerin Daniela Seel in der Akademie der Künste.
Verlegerin Daniela Seel in der Akademie der Künste. Foto: Imago/gezett

2003 gründete Daniela Seel den auf zeitgenössische Lyrik und Prosa spezialisierten Verlag Kookbooks, der aus dem Künstlernetzwerk KOOK (Berlin–New York) hervorgegangen ist. Zu den Autoren des Verlags gehören bzw. gehörten u.a. Jan Böttcher, Uljana Wolf, Ron Winkler, Monika Rinck und Gerhard Falkner.


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Unbedingt den Podcast Clever Girls anhören – rebellisch, feministisch, wegweisend. In Berlin wird es wieder eine gibt es eine Frauenbuchhandlung geben. Schaut doch mal vorbei, um Autorinnen und queere Literatur zu unterstützen. Oder habt ihr Lust auf weitere, spannende Podcasts? Empfehlenswerte haben wir hier für euch zusammengestellt. 

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