Literaturstadt Berlin

15 Berliner Verlage, die man kennen sollte

Der Herbst ist die Zeit des Jahres, in der man wieder öfter zum Buch greift. Statt konkreter Literaturtipps stellen wir hier Berliner Verlagshäuser vor, auf die man achten sollte. Geheimtipps und alte Bekannte sind dabei. Ob Neuerscheinungen oder Backlist, ein Blick auf die Programme genügt und man kommt sofort in Leselaune.

Der Aufbau-Verlag am Moritzplatz. Foto: imago images / PEMAX

Aufbau Verlag

Ohne den Aufbau-Verlag hätte sich die Literatur in der DDR anders entwickelt. 1945 gegründet, wurde Aufbau zum wichtigsten belletristischen Verlag. Ein besonderer Schwerpunkt galt anfangs während der Nazizeit verfolgten Autoren, insbesondere auch jüdischer Herkunft, aber auch dem Nachdruck von Klassikern. Seit der Wende gehört der Verlag zu den ersten literarischen Adressen der Stadt. Gerade ist bei Aufbau „Wie alles anders bleibt“, das neue Buch von Jana Hensel erschienen, Lene Albrechts „Wir, im Fenster“ und Theresa Lachners „Lvstprinzip“

www.aufbau-verlag.de


Berlin Verlag

Zu den Autoren gehören der Berliner Lyriker Jan Wagner, Nobelpreisträgerin Gordimer Elfriede Jelinek und Akademie-der-Künste-Mitglied Ingo Schulze. Seit 1994 existiert der Verlag, der zwischenzeitlich zu der Bertelsmann-Gruppe gehörte und nun bei Piper gelandet ist. Neben deutscher und internationaler Belletristik erscheinen beim Berlin Verlag auch Sachbücher renommierter Autoren, etwa die Orientierungshilfe für Abiturienten „Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?“ von Ulrike Bartholomäus.

www.piper.de/verlag/unsere-verlage/berlin-verlag


Edition Tiamat

Verleger Klaus Bittermann gehört zum Stadtbild dazu. Künstlerschal, schicker Anzug und Sonnenbrille, ein Dandy unter den Büchermachern dieser Stadt. Nicht weniger exzentrisch sind seine Autoren. Desperados, Outsider, bissige Satiriker, störrische Intellektuelle. Franz Dobler, Funny van Dannen, Wiglaf Droste und Wolfgang Pohrt gehören zum Stall, ebenso wie US-Legenden. Etwa der Musikkritiker Lester Bangs, Gonzo-Journalist Bill Cardoso und der jüdische Cowboy Kinky Friedman.

www.edition-tiamat.de


Galiani

Zwei Lektoren des Eichborn-Verlages gründeten 2009 den ebenso feinen wie erfolgreichen Galiani Verlag. Neben Gegenwartsliteratur, etwa den Romanen von Karen Duve, Sven Regener und Larissa Boehning, konzentriert sich der Verlag auf Neuübersetzungen von verschollenen Meisterwerken legendärer Autoren wie Michail Bulgakow und Daniil Charms. Ein weiterer Fokus sind aufwendig illustrierte und handwerklich perfekt gestaltete Bücher. So veröffentlicht die Berliner Grafikerin Kat Menschik bei Galiani regelmäßig eigne bzw. von ihr illustrierte Titel.

www.galiani.de


Jaron Verlag

„Berlin ist geil“- der Slogan, unter dem 1996 Dr. Norbert Jaron  das erste Buchprogramm eröffnete. Heute dehnt sich der Marktführer des Berliner Buchbereichs auf die anderen ostdeutschen Bundesländer aus.

Von Bildbänden, Reiseführern, Sachbüchern und Romanen über Berlin ist für jeden Leser etwas zu finden. Namen wie Horst Bosetzky und Heinz Knobloch prägen die Autorengeschichte. Auch stößt man nicht selten auf Literatur wie „Ost-Berlin“ von Harald Hauswald und Lutz Rathenow oder „Street Art in Berlin“ von Kai Jakob.

www.jaron-verlag.de


Jovis Verlag

Architektur und Stadtplanung sind für den Jovis Verlag nicht wegzudenken. Seit 1995 finden sich bei Jovis Themen aus der zeitgenössischen Kunst, Fotografie, Design und Architektur. Bücher mit inhaltlicher Relevanz und ansprechender Gestaltung werden vor allem von Architekten und Künstlern wie Le Corbusier und Eckard Gerber vertreten. De Gruyter erwarb den Verlag von dessen Gründer und Verleger Jochen Visscher erst in diesem Jahr. Nun veröffentlicht der Jovis Verlag gemeinsam mit Birkhäuser Schwerpunkte aus der Architektur, Landschaft und Urbanistik.

www.jovis.de


Daniela Seel, Foto: Axel Kahrs

Kookbooks

Gründer Daniela Seel und Andreas Töpfer sehen in „Kook“ nicht nur den Slangausdruck für ‚Spinner‘, sondern vielmehr einen jungen, innovativen Literaturverlag. „Labor für Poesie als Lebensform“ lautet seit 2003 das Selbstverständnis des Independent-Verlags.

Dass Kookbooks bereits drei Jahre nach seiner Gründung mit dem Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung ausgezeichnet wurde hat einen Grund. Zeitgenössische Lyrik, Prosa aber auch Essays und Übersetzungen werden von formalästhetischer Qualität und Originalität gezeichnet. Das zweisprachige Gedicht von Eugene Ostashevsky „Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt“ pflegt die Sparte der fremdsprachigen Literatur des Verlags.

www.kookbooks.de


Korbinian Verlag

Zu den Verlegern gehören Katharina Holzmann, Sascha Ehlert und David Rabolt. Seit 2015 existiert der Korbinian Verlag und publiziert Literatur, die unterhält, aneckt und im Zweifel kompromisslos sein möchte. „Taxi“ von Cemile Sahin und „Immortal – Dead Soon III, Maniac 1.000.000 Eigenfikkung“ von Kevin Kemter sind die neusten Publikationen. Die Bücher lassen sich der Richtung „Underground“ zuordnen. Korbinians Literatur möchte Individualität und Kreativität Zuspruch verleihen.

www.korbinian-verlag.de


Martin Schmitz

Von der Galerie zum Verlag. Martin Schmitz bietet seit 1989 nicht nur ein Forum für Autoren, Musik, Film, Text und Design. Ungeachtet aktueller Trends und Moden steht für den Verlag vor allem die Veröffentlichung von Werken mit einzigartigen, unvergleichlichen Qualitäten an erster Stelle. So sind Werke aus der Popliteratur wie „Autobigophonie“ von Françoise Cactus oder „Das Armloch“ von Rosa von Praunheim keine Seltenheit.

www.martin-schmitz-verlag.de


Matthes & Seitz

Deutscher Buchpreisträger „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ von Frank Witzel, Französische Gegenwartsautoren so z.B. Éric Vuillard und russische Schriftsteller*innen wie Olga Slawnikow, bilden das Fundament des literarischen Programms. Die Wurzeln des 1977 gegründeten Verlags von Axel Matthes und Claus Seitz liegen in München, seit 2004 ist er auch in Berlin vertreten. Jährlich gibt es ca. 80 Neuerscheinungen aus den Bereichen Literatur und Sachbuch. Wichtige Programmreihen sind Naturkunden, Fröhliche Wissenschaft, Batterien und französische Bibliothek.

www.matthes-seitz-berlin.de


Reprodukt

Ohne den Reprodukt Verlag würde es eine solche Independent-Szene nicht geben. Die Zeichner*innen weichen von den klassischen Comicthemen ab. Der Verlag wurde 1991 von den Brüdern Gilbert und Jaime Hermandez in Koproduktion mit dem Schweizer Verlag Edition Moderne gegründet. Autobiografische Bezüge und Fiktion findet man bei Reprodukt seit 1994 englischer und deutschsprachiger Ausgabe. Seit 2004 erscheinen Alben von Zeichnern, die im frankobelgischen Mainstream beheimatet sind. Etwa Lewis Trondheims „Kaput & Zösky“ und Manu Larcenets „Der alltägliche Kampf“.

www.reprodukt.com


Suhrkamp

Die literarische und wissenschaftlichen Gesamtphysiognomie ist das verlegerische Prinzip des Verlags. Suhrkamp verlegt keine Bücher, sondern Autoren.Auf Anregung Hermann Hesses gründete Peter Suhrkamp 1950 den Verlag. Ein Jahr später wurde die Bibliothek Suhrkamp ins Leben gerufen. Klassiker wie Hermann Hesse, Bernard Shaw und Bertolt Brecht stehen bei Suhrkamp an der Tagesordnung. Darüber hinaus findet man Schwerpunkte aus der Lyrik, der dramatischen Literatur, den Briefwechseln, Biographien, Essays und Werkausgaben. Die längste Zeit residierte Suhrkamp in Frankfurt/Main, der Umzug nach berlin erfolgte nach dem Tod des legendären Verlegers Siegfried Unseld, nun wurde das neue Haupthaus am Rosenthaler Platz bezogen.

www.suhrkamp.de


Tropen

Zwischenzeitlich bei Aufbau gewesen, jetzt in den Startlöchern von Tropen. Verleger Tom Müller bringt frischen Wind von Stuttgart nach Berlin. Seit Anfang des Jahres findet sich gemeinsam mit Sarah Lewandowski in der Belletristik und Julia Matthias im Sachbuch deutschsprachiges Programm, dass kiezorientiert ist: weg von den Lesebühnen, hin zu mehr Literatur und Talkformaten. Weniger Meetings, sondern mehr Zeit draußen verbringen, wo Geschichten entstehen und Leute sind, die sie aufschreiben können.

www.tropen-verlag.de


Verbrecher Verlag

Verbrecherisch ist auch Tom Comobs neuster Roman „inneres Lind.“ Oder Lisa Kränzlers Neuerscheinung „Coming of Karlo.“ Der unabhängige Verlag existiert seit 1995 unter der Leitung von Werner Labisch und Jörg Sundermeier. 2016 holte Sundermeier Kristine Listau ins Boot. Belletristik, Debütromane, Sachbücher, Politik, Kunstbücher, Comics und Filmliteratur. Nach dem Motto „Verbrecher Verlag – gute Bücher!“ wurden bereits über 200 Bücher herausgegeben.

www.verbrecherverlag.de


Bücher im Archiv des Berliner Wagenbachverlags. Foto: imago/Christian Schroth

Klaus Wagenbach

1964 von Klaus Wagenbach gegründet, seit 2002 von Susanne Schüssler fortgeführt. Der Verlag veröffentlicht Bücher aus Überzeugung und Vergnügungen. Von unbekannten Autoren bis hin zu Klassikern. Neben Literatur, Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte darf bei Wagenbach auch Politik in Fremdsprache nicht fehlen. Zuletzt ist „All unsere Jahre“ von Kathy Page und „Prendiluna“ von Stefano Benni erschienen.

www.wagenbach.de