Kino & Film in Berlin

15 Jahre Slowboat Films – Maverick Cinema since 1999

Seit 15 Jahren dreht der Filmemacher M.A. Littler Independent-Filme, wie sie unabhängiger gar nicht sein könnten.

Kingdom Of Survival

Ein Leben ohne Film? Für Marc Alexander Littler ist das unvorstellbar. Regisseure wie Werner Herzog, Hal Hartley, Sam Peckinpah sind nur einige, deren Werke dazu beitrugen, dass aus M. A. Littler ein Überlebenskünstler und Filmemacher aus Passion wurde. Der Mann ist Jahrgang 1979 und überrascht enorm. Denn er sucht nach etwas, das heute viele wenig interessiert: geistiges Wachstum und kompromisslose Unabhängigkeit. 2000 hat er in Vancouver eine Filmschule absolviert, sich danach in unzähligen Jobs verdingt, um sich dann sicher zu sein: Dafür bin ich nicht gemacht!   
Musik ist die Inspirationsquelle des gebürtigen Frankfurters. Der schräge Behauptungswille jener, die besessen sind von Klang, Rhythmus und ihrer eigenen Performance – egal ob Blues, Punk, Jazz oder Rock’n’Roll. Musiker wie Reverend Beat-Man aus Bern, der die wildesten Bands auf seinem Label Voodoo Rhythm Records versammelt – um ihn dreht sich alles in Littlers erster Dokumentation „Voodoo Rhythm“ (2005). Ein Jahr später begegnet M. A. Littler dem nächsten Maniac, der sich als Wesensverwandter entpuppen sollte: Miron Zownir, Fotograf, Autor für Hardboild Crime und Filmemacher. Einer, der sich ohne Scheu vor dem Scheitern oder schwierigen Konfrontationen ausprobiert. Seine Fotos zeigen Junkies, Homosexuelle, Prostituierte, Borderliner, Tote und manche, die kurz davor sind. Littler hatte sie erstmals in einer Berliner Galerie gesehen. „Miron Zownir – Radical Man“ entsteht 2006, eine fesselnde Hommage in Schwarz-Weiß.
M. A. Littler ist gut vernetzt. Mit seiner strikten Independent-Haltung dauert es jedoch, bis das Geld für seine Projekte steht; von der eigenen Selbstausbeutung und der seiner Mitstreiter wie Kameramann Philip Koepsell soll gar nicht erst die Rede sein. Mit nur 15?000 Euro ließ sich „The Kingdom Of Survival“ (2011) realisieren. Das eigenwillige Roadmovie führt quer durch die USA zu Außenseitern und Kapitalismuskritikern wie Linguistik-Professor Noam Chomsky vom  Massachusetts Institute of Technology und Architekt Mike Oehler, der in den Sechzigerjahren unterirdische Häuser baute. Der Anschlussfilm „Lost Coast“ (2013) ist eine logische Konsequenz. Weiterhin nach Alternativen und Wahrhaftigkeit spähend, pilgert M. A. Littler durch die gewaltige Naturkulisse Kaliforniens – ohne Worte in Schwarz-Weiß.
Sympathisch ist, wie M. A. Littler weder Genres noch Themen scheut, sofern er dafür brennen und unabhängig bleiben kann. Seit 15 Jahren hält seine Firma Slowboat Films strikt diesen Kurs. Gründe genug, die besten Werke neu zu sichten. Vom 14. bis 21. Mai zeigen das Hackesche Höfe Kino und das Eiszeit Kino acht Filme, feiert „Hard Soil“, die jüngste Doku über amerikanische Roots Music, Premiere. Dazu gibt es jede Menge Live-Musik und Gelegenheit zu Gesprächen mit  M. A. Littler. Eine Horizonterweiterung für jeden regen Geist.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: snakey fingers Sue / alive.n.kicking-Photo

15 Jahre Slowboat Films – Maverick Cinema since 1999 – Von und mit M. A. Littler

?Retrospektive vom 15.5 bis 21.5. im Hackesche Höfe Kino und Eiszeit Kino
Eröffnung am 14.5. im Hackesche Höfe Kino mit „The Road to Nod“ und einem Konzert von Delaney Davidson

Kommentiere diesen Beitrag