Jubiläum

150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V.

Gebildete Pinsel: Der älteste Berliner Künstlerinnenverein VdBK 1867 feiert sein 150-jähriges Bestehen mit einer vierteiligen Ausstellungsreihe – und richtet sich wieder neu aus

Angela Hampel Minotaurus, 2006 Mischtechnik auf Leinwand, 110 x 150 cm © Angela Hampel

Wer in diesen Tagen über das knarzige Parkett durch die Ausstellungsräume der Camaro Stiftung in der Potsdamer Straße 98A schreitet, kann geradezu die Luft der Aufbruchsstimmung schnuppern. In einer Zeit, in der Frauen angefacht durch die Ideen der Französischen Revolution aufbegehrten, gingen energische junge Damen in diesem Gründerzeitgebäude einem Gewerbe nach, das um 1900 als äußerst unanständig galt – sie schwangen Pinsel und mischten Farben, wobei so manche darüber vielleicht die Sorge um Mann, Kinder und Kochtöpfe vergessen haben. Hier hängen nun nach über hundert Jahren die Bilder von Kunstpionierinnen wie Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz, Lotte Laserstein, Jeanne Mammen und vielen Vertreterinnen ­moderner Kunstströmungen des 19. Jahrhunderts, deren Namen in der Geschichtsschreibung zu Unrecht untergegangen sind.

Im Januar 1867 gründeten 29 beherzte Künstlerinnen und Förderinnen einen Verein, der noch heute als Verein der Berliner Künstlerinnen, VdBK 1867 e.V., besteht, und ließen zehn Jahre später das Atelier- und Schulungshaus in der Potsdamer Straße 98A errichten. Dahinter stand die damals äußerst fortschrittliche Erkenntnis, dass Vernetzung und gegenseitige Unterstützung unter Künstlerinnen der erste Schritt ist, um sich durchzusetzen. Der Verein sollte mittellosen Talenten finanziell unter die Arme greifen, Ausstellungen organisieren und mit Malklassen für die professionelle künstlerische Ausbildung von Frauen sorgen. Bis 1919, als mit der Weimarer Verfassung die Gleichstellung von Frau und Mann festgelegt wurde, hatten Frauen keinen Zugang zu den staatlichen Kunstakademien.

Dass Künstlerinnen noch heute nicht die gleiche Anerkennung genießen wie ihre männlichen Kollegen, hat die 2016 erschienene Studie des Deutschen Kulturrats über „Frauen in Kultur und Medien“ bestätigt. Obwohl sie inzwischen in Kunsthochschulen und Meisterklassen die Mehrheit bilden, sind Künstlerinnen in Museumssammlungen und Ausstellungen unterrepräsentiert und erzielen mit ihren Werken auf dem Kunstmarkt nicht so hohe Preise wie ihre Kollegen.

Vereine und Institutionen, die sich ausschließlich um die För­derung von Künstlerinnen kümmern, ­haben durchaus noch ihre Berechtigung. Aber der VdBK als Ausrichter des Marianne-Werefkin-Preises und Begründer einer umfangreichen Materialsammlung zur Kunst von Frauen, die sich inzwischen im Archiv der Akademie der Künste befindet, muss mit seinen heute nur noch wenigen Mitgliedern wieder eine zeitgemäße Bestimmung finden. Austausch und Vernetzung mit vergleichbaren Organisationen und zwischen den Generationen sind ein Anfang. Neben der Präsentation von Pionierinnen zeigt der Künstlerinnenverein in einer dreiteiligen Ausstellungsreihe die Arbeiten gegenwärtiger Mitglieder mit gestandenen Künstlerinnenpersönlichkeiten und jüngeren Kolleginnen.

150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. 1: „Fortsetzung folgt“, Camaro Stiftung, Potsdamer Str. 98A, Tiergarten, bis 24.3., Di–Sa 13–17 Uhr, Mi 13–20 Uhr  2: „Fortsetzung jetzt!“, Kommunale Galerie, Hohenzollerndamm 176, Wilmersdorf, bis 30.4., Di–Fr 10–17 Uhr, Mi 10–19 Uhr,
So 11–17 Uhr

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