Musik & Party in Berlin

17 Hippies im Kesselhaus

Schluss mit Routine: Der Haustanz der 17 Hippies gehört zu den ungewöhnlichsten Veranstaltungen dieser Stadt.

17 Hippies

Früher war alles anders, auch beim Haustanz der 17 Hippies. Christopher Blenkinsop und Kiki Sauer erinnern sich noch daran, wie diese Konzertreihe Ende der Neunziger ablief. „Bei den ersten Veranstaltungen im Kesselhaus war alles umsonst. Wir haben den Strom bezahlt und Freunde von uns haben Bier aus Kisten verkauft. Es war sehr familiär und hatte Wohnzimmercharakter.“ Irgendwann mussten Türsteher engagiert und Tickets verkauft werden, weil der Andrang immer größer wurde. Die Betreiber des Kesselhauses verlangten plötzlich Miete und die GEMA meldete sich. Man musste Eintritt nehmen und professioneller denken, ohne den eigenen Charakter der Haustanz-Konzerte deshalb gleich in Frage zu stellen. Die Hippies betrachteten die Auftritte weiter als öffentliches Forum, an dem jeder mitwirken kann, der ein Instrument dabei hat. Wenn ihnen auf der Bühne spontan etwas Verrücktes einfiel, probierten sie es aus. Man hat sogar schon Lesungen abgehalten. Geht nicht gibt es bei dieser Band nicht, auch was die Besetzung betrifft. „Unser Posaunist hat an der Eisler-Musikhochschule Jazz studiert, unser Trompeter kam ursprünglich aus der Kirchenmusik und die Klarinettistin hat Klezmer-Erfahrung. Wenn die drei sich unterhalten, hat man das Gefühl, da sind Legastheniker am Werk“, erzählt Blenkinsop amüsiert.
Eine Zeit lang hat es den Haustanz nicht gegeben, weil sich das Hippie-Leben dann doch nicht mehr so anarchisch regeln ließ. Der große Einschnitt kam mit der Produktion von Studioalben ab 2004 und den vielen Konzerten in Deutschland und darüber hinaus. Die multikulturell ausgerichtete Band spielt viel im europäischen Ausland und in den USA, inzwischen aber auch in Israel, Jordanien oder Algerien. Vor einem Jahr verabredete man sich dann doch mal wieder zum Haustanz. Zu ihrem Erstaunen mussten Blenkinsop und Sauer feststellen, dass ihr Publikum ein anderes geworden ist. „Viele denken inzwischen, es sei ein ganz normales Konzert. Sie reagieren verwirrt, wenn wir zwischendurch die PA abschalten und zehn Minuten lang akustisch spielen. Sie glauben, es handele sich um einen Technikausfall.“ Trotzdem lassen sich die Hippies das Experimentieren nicht verbieten. Mit einem stilistischen Wendemanöver, womöglich in Richtung arabischer Musik, muss man immer rechnen. Und eine Harfenistin ist dieses Mal definitiv dabei.

Text: Thomas Weiland

17 Hippies – Haustanz, Kesselhaus, Di 28.12., 20.30 Uhr, VVK: 18 Euro

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