Musikdoku

„Bunch of Kunst – A Film About Sleaford Mods“ im Kino

Gegen alle Kommerzregeln: „Bunch of Kunst – A Film About Sleaford Mods“ erkundet das Phänomen des Punk-Electro-Duos

Foto: Daniel Waldhecker / Bunch of Kunst

Die britische Popmusik hat in den letzten Jahren nur zwei relevante neue Stimmen hervorgebracht: Zum einen die von Kate Tempest mit ihrem intensiven Spoken Word-Flow, zum anderen die von Jason Williamson, Sänger des Nottinghamer Punk-Electro-Duo Sleaford Mods, mit seinen ungehobelten Schimpfgesang-Tiraden, unterlegt von den rumpelnden Beats seines Partners Andrew Fearn. Beide, Tempest und Williamson, artikulieren eine Wut, die den Nerv der Zeit trifft. Und beide verdanken ihren Erfolg einem von Herzen kommenden „Fuck off!“ gegenüber der Selbstgefälligkeit des Musikestablishments.

Was den Hype um die Sleaford Mods ausgelöst hat, und warum er gegen alle Regeln vermeintlicher Erfolgsstrategien im Musikbusiness zustande kam, zeigt eindrucksvoll der Dokumentarfilm „Bunch of Kunst – A Film About Sleaford Mods“ der Berlinerin Christine Franz. Ihr engagiertes ­Debüt besitzt eine Frische und Unbefangenheit, die ihn zu einem der besten Musikfilme seit langem macht.

So wie die Sleaford Mods kein großes Brimborium um sich selbst ­machen, gibt sich auch der Film. Er beobachtet dicht dran, präzise und pointiert, wie ein eigentlich nicht erklärbares Phänomen unbeirrt seinen Weg geht, von der Clubband mit Auftritten in ranzigen Klitschen über einen türenöffnenden Auftritt beim Glastonbury-Festival bis hinein in die großen Konzerthallen. Der Film hat das Momentum auf seiner Seite, ist immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber auch diese besonderen Momente muss man erst mal zu nutzen verstehen – und das ­gelingt vorzüglich. Für alle Sleaford-Mods-Fans ist „Bunch of Kunst“ schlicht ein Muss, und es werden hoffentlich durch diesen Film noch mehr. Im Kino bitte den Abspann komplett durchgucken, der eine wunderbare Schlusspointe als Zugabe liefert.

Bunch of Kunst – A Film about Sleaford Mods D 2017, 103 Min., R: Christine Franz, Start: 31.8.
Voraufführungen: 25.8., 19+22 Uhr, Kino in der Kulturbrauerei (Festival Pop-Kultur)
29.8., 20.30 Uhr, Freiluftkino Insel, Revaler Str. 99, mit Christine Franz