Kultur & Freizeit in Berlin

20 Jahre Backjumps

Berlins wichtigste Plattform für Street und Urban Art feiert im Kunstraum Kreuzberg ein rundes Jubiläum.

20 Jahre Backjumps

Von der Ansage der Pariser BBCrew war Adrian Nabi (Foto) damals selbst überrascht. „Die Franzosen wollten Ausstellungen machen und haben mich in diese Richtung gepusht. Ich hatte ja gar keine Ahnung von Kunst …  aber ich dachte mir: Kunst ist gut, wir sind geil, das wird schon irgendwie gehen.“ Das war zu Beginn der 1990er-Jahre. Und Nabi, damals Anfang 20 und als Manager für Auftragsarbeiten der Writer aktiv, war maßgeblich da­ran beteiligt, dass die relativ autarke Writer-Szene der Vorwende-Insel West-Berlin zu dieser Zeit bereits gute Kontakte nach Paris und New York hatte.
Internationale Writer und Artists kamen regelmäßig: Jayone, Ash und Skki, T-Kid, Jonone und Futura. Nabi organisierte „Style­battles“ und „Study-of-Style“-Ausstellungen. 1994 startete er das erste Backjumps-Format – ein Magazin für Aerosol-Kultur mit 16 Ausgaben und der Idee, dass es beim Writing nicht nur ums fertige Ergebnis geht, sondern auch um den Schaffensprozess, die Aktion selbst.
Um 2000 explodierte dann die Diversität der Stile, was Anlass für eine erste Neujustierung gab. Backjumps wurde ein zweisprachiges Magazin, nicht nur für Writer, sondern auch für Designer, Architektur-Interessierte und Urban-Art-Enthusiasten. 2003 folgte die Übersetzung des Magazins in ein völlig neues Ausstellungsformat: die erste Live-Issue im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, von der eine riesige Energie und Publikumswirkung ausgingen. Die insgesamt drei Live-Issues brachten aufstrebende Künstler wie Banksy, Swoon, Blu, Os Gemeos und Obey, die heute Ikonen sind, nach Berlin. Und weil Backjumps immer die internationale Kunst in den lokalen Kontext integrieren wollte, kommunizierten die Live-Issues mit dem Außenraum. So wurden Brandwände gestaltet, die Kreuzberg bis heute prägen. Die Stadt war Spielraum, künstlerische Ideen wurden in Filmen, Spaziergängen, Installationen und Talks ausbuchstabiert. Das alles war zu der damaligen Zeit Next-Level.
Aber das Aufspüren von neuen Impulsen in der urbanen Kommunikation ist inzwischen andersgeworden: Street-Art ist im Kunstmarkt angelangt, die Praktiken der Urban Art sind längst zu Werbestrategien und subversive Potenziale zu Marktpotenzialen geworden. Brandwände will Backjumps deshalb vorerst nicht mehr gestalten – und bricht damit bewusst mit der eigenen Tradition.
2015 wird Backjumps im Sinne zeitgemäßer Auseinandersetzungen also erneut transformiert. Es gibt wieder ein Magazin, doch mit neuer Ausrichtung: „Texte zur Kunst, aber mit unseren Inhalten“, so Nabi. Er hat sich mit Melina Gerstemann Verstärkung für diese Neupositionierung geholt. Gemeinsam organisieren sie die Jubiläumsausgabe „20+1 – urbane Kommunikation und Ästhetik“ im Kunstraum. Dort werden drei Perspektiven gezeigt: die der Vergangenheit – das Backjumps Archiv; die der Gegenwart – eine Ausstellung mit wegweisenden künstlerischen Positionen, und die der Zukunft – das JUNIOR LABmit Summer Camp und Workshops als langfristig ausgerichtetes Projekt. „Für Backjumps geht es um eine neue Selbstdefinition, die gerade im Prozess ist“, sagt Gerstemann.       

Text:
Bianca Ludewig

Foto:
Just aka Boris Niehaus

Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Mariannenplatz 2, Kreuzberg, 23.5.–2.8., tgl. 12–19 Uhr, www.backjumps.info; Eintritt frei

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