Jubiläum

25 Jahre Literaturwerkstatt

Das Kraftwerkshaus: Mit einem Hoffest benennt sich die Literaturwerkstatt Berlin zum 25. Geburtstag in „Haus der Poesie“ um. Für ihren Leiter ist es ein Fanal

Oswald Egger
Foto: gezett.de

Haus für Poesie – diesen ebenso klangvollen wie vielversprechenden Namen wird die Literaturwerkstatt Berlin künftig tragen. Sie führt damit die Kunst im Namen, für die sie sich seit Jahren einsetzt.
Mit Ausnahme des Open Mike, des traditionsreichen Nachwuchswettbewerbs für Prosa und Lyrik sind alle Formate des Hauses ausschließlich der Dichtkunst gewidmet. Etwa das Poesiefestival Berlin mit dem Jahr für Jahr tausende Interessierte an die Vielfalt der Poesie herangeführt werden. Das Zebra Poetry Film Festival hat sich zum international größten Poesiefilmfest gemausert und die Website www.lyrikline.org zur weltweit reichhaltigsten Online-Plattform für zeitgenössische Poesie. Dazu kommen Nachwuchsprogramme wie die Lyrikwerkstatt „Open Poems“.
Gefeiert wird die Umbenennung des Hauses mit einem Hoffest und der ersten „Berliner Rede zur Poesie“, die der renommierte Lyriker Oswald Egger halten wird. Er soll über das Finden der richtigen Worte am Anfang des Schreibens sprechen. Man darf gespannt sein, ob er nicht grundsätzlicher wird. Auf Nachfrage sagt Egger nur, es sei „nicht immer das Erwartete, das an die Tür klopft“ und er wolle „keine Türen einrennen, die schon offen sind“.
Türen öffnen ist die Mission von Thomas Wohlfahrt, dem Leiter der Literaturwerkstatt. Er hofft, dass die Umbenennung zum „Fanal“ dafür wird, „nicht nachzulassen in den Bemühungen, sich zur Kunst der Dichtung nicht nur in Sonntagsreden zu bekennen, sondern tatsächlich durch Auf- und Ausbau von Strukturen ihrer Wertschätzung“. Dass die Lyrik seit der Auszeichnung von Jan Wagners Gedichtband „Regentonnenvariationen“ mit dem Leipziger Buchpreis mehr Aufmerksamkeit bekommt, sei erfreulich. Er will aber mehr und wirbt für eine strukturelle Stärkung der Poesie, etwa durch spezielle Förderprogramme, einen eigenständigen Poesie-Preis oder ein Deutsches Zentrum für Poesie.
Was kann Lyrik in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen beitragen? Wohlfahrts Antwort ist unmissverständlich: „Gedichte sind kleine Kraftwerke, und Dichtkunst ist Ausdruck hoher Sprachkultur und Sprachkunst vom Feinsten. Jede darüber ins Gespräch gebrachte Kritik an vorgefundener Sprache ist immer auch Kritik an gesellschaftlichen Verwerfungen und damit ein erster Schritt zur Veränderung.“
Was das heißt, kann man beim Hoffest zum Jubiläum erfahren. Da werden unter anderem die Ergebnisse einer Übersetzungswerkstatt mit Berliner Lyrikern und geflüchteten Dichtern aus Syrien, Jemen und dem Iran vorgestellt.

Hoffest zur Poesie Kulturbrauerei, Knaackstr. 97, Prenzlauer Berg, u.a. mit Elke Erb, Julian Heun, Monika Rinck, Sa 17.9., 14 Uhr

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