Kommentar

3. Berliner Herbstsalon des Gorki Theaters – Ein Kommentar von Stefanie Dörre

Ausgerechnet ein Stadttheater zeigt, wie es geht. Und damit indirekt, wie wenig in den Berliner Museen und Kunstinstitutionen außerhalb der eigenen vier Wände läuft

Foto: Joschua White/ Courtesy the Artist/ Anton Kern Gallery, New York

Ich spreche vom „3. Berliner Herbstsalon“ des Gorki Theaters, organisiert von der Intendantin Shermin Langhoff mit fünf weiteren Kuratoren. Rund 100 bildende und darstellende Künstler und Künstlerinnen machen mit, darunter so berühmte wie Santiago Sierra, Alfred Jaar und Tobias Zielony. Und sie bespielen nicht nur das Gorki Theater und das Kronprinzenpalais, sondern auch den Stadtraum. Am spektakulärsten vor dem Brandenburger Tor, wo Manaf Halbouni mit drei hochkant aufgestellten Bussen an die Straßenbarrikaden in Aleppo erinnert, die Zivilisten dort 2015 zum Schutz vor Scharfschützen errichteten. Und der mit dieser Arbeit auch die Verbindung von den aktuellen Kriegen zu den europäischen Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts schlägt. Ein weiteres Beispiel, wie die Kunst eine Breitenwirkung jenseits der Museumswände erreicht, ist die Arbeit „The List“ der Künstlerin Banu Cennetoğlu, die der Ausgabe des „Tagesspiegel“ vom 9. November beilag, eine Liste, die mit 33.293 Namen und Todesursachen an die Schicksale von 33.293 Menschen erinnert, die auf ihrer Flucht nach Europa gestorben sind. Das ist schon sehr eindrücklich. Der Herbstsalon des Gorki läuft bis 26. November bei freiem Eintritt. Wer in der Zeit die wichtigste Kunstausstellung besuchen möchte, muss ins Stadttheater gehen.

Lesen Sie auch das Interview mit Shermin Langhoff, der Intendantin des Maxim Gorki Theaters

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