Überwindungskünstler

5. Berlin Circus Festival auf dem Tempelhofer Feld


Dass der Neue Circus kein Zirkus, ­sondern ­eine ­zeitgenössische Kunstform ist, führt das 5. Berlin Circus Festival auf dem Tempelhofer Feld vor

Cirk la Putyka – ADHD

Seit sich auch die Berliner Festspiele dem zeitgenössischen Circus in einer eigenen ­Programmschiene widmen, ist der Kunst­hybrid, der Performance, Tanz und Akrobatik auf Augenhöhe zusammenbringt, gewissermaßen in der Hochkultur angekommen. Doch auch dieser Neue Circus findet gern mal im Zelt statt. So zeigt das Berlin Circus Festival in seiner fünften Ausgabe 14 internationale Produktionen des zeitgenössischen Circus in zwei Zelten und auf einer Außenbühne.

Den Auftakt am 23. August macht der durch ­seine Chamäleon-Theater-Produktionen auch in Berlin bekannte Prager Cirk La Putyka mit „ADHD“, einer überaus bildstarken Auseinandersetzung mit der als Krankheit umstrittenen Hyperaktivitätsstörung – die im klassischen Zirkus wohl eher kein Thema wäre. Ein Highlight, aber auch sonst haben die Kuratoren Johannes Hilliger und Josa Kölbel zum fünften Geburtstag des Berlin Circus Festival ein hochkarätiges Programm zusammengestellt.

Frankreich, das Erfinderland des Cirque Nouveau, ist mit der Compagnie Defracto und „Flaque“ vertreten, einem Jonglage-Theater um Suchen und Finden, und mit der Compagnie Mpta, die in „santa madera“ eine Geschichte über Freundschaft und Gemeinschaft erzählt.

Aus Finnland kommt die rein weiblich besetzte Circuspopshowtruppe Sisus Sirkus mit dem wild-humo­rigen „Mosh Split“. Noch mehr Frauenpower zeigt das feministische Berliner Circus-Kollektiv Still Hungry. Die Performerinnen kehren mit „Raven“, einer rebellischen Verteidigung der Rabenmütter, frisch vom Edin­burgh Festival Fringe zurück nach Berlin.

Aus dem rebellischem Katalanien kommt der „zweitkleinste Circus der Welt“ der Brunette Bros., das Clownstheater kommt dann noch am ehesten dem nahe, was man im herkömmlichen Zirkus erwartet, schließlich ist die Zirkusmanege seit dem 19. Jahrhundert die Heimat des Clowns. Weitere Produktionen aus Spanien, Belgien und auch Deutschland sowie Konzerten an den Wochenenden runden ein volles Programm zwischen Spaß und Avantgarde ab. Hereinspaziert.

Tempelhofer Feld Tempelhofer Damm 104, ­Tempelhof, Fr 23.8.– So 1.9., ab 17 Uhr, Kombiticket (2 Shows) 32, erm. 24 bzw. 15 €, www.berlin-circus-festival.de