Dokumentarfilm

„6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage“ im Kino

Kampf um Gerechtigkeit: Sobo Swobodnik setzt sich für die Opfer des NSU ein

Foto: Partisan

Seit vier Jahren bemüht sich ein Gericht in ­München, in dem sogenannten NSU-Prozess die Hintergründe einer Mordserie zu erhellen, die Deutschland von 2000 bis 2006 beschäftigte – das Stichwort „Dönermorde“ gilt heute als Beleg für Vorurteile, von denen nicht nur die Ermittler (die in einer Gruppe „Bosporus“ zusammenarbeiteten), sondern auch die mediale Öffentlichkeit geprägt waren. Der Prozess soll ein rassistisches Verbrechen aufarbeiten, die beiden Haupttäter sind tot, und die Rolle von Beate Zschäpe liegt einerseits auf der Hand, ist andererseits aber Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen.
Der Dokumentarfilm von Sobo Swobodnik setzt sich nicht in Konkurrenz zu dem Prozessgeschehen, sondern hat offensichtlich eine andere ­Absicht: Er will den Opfern nachträglich eine andere Form von Gerechtigkeit verschaffen, indem er Raum gibt, sie zu betrauern, und indem er die ­Fälle noch einmal in Erinnerung ruft. Swobodnik, ­bekannt geworden unter anderem mit „Der Papst ist kein Jeansboy“ (über Hermes Phettberg), filmt in elegischem Schwarzweiß die Tatorte und lässt dabei aus dem Off eine Collage mit Stellungnahmen zu den Geschehnissen vernehmen. Am stärksten wirken naturgemäß die Zitate von den Angehörigen der Opfer. Der Film macht es sich aber mit seiner souveränen Bescheidwisser-­Perspektive auch ein bisschen zu leicht: Swobodnik springt allzu locker zwischen den Vorurteilen von damals und dem Wissen von heute hin und her.

6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage. Die Morde des NSU D 2017, 76 Min., R: Sobo Swobodnik, Start: 18.5.

 

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