Tanz im August 2025: Die Welt in Flammen
„Tanz im August“ findet 2025 vom 13. bis zum 30. August statt. Seit 37 Jahren steht der Sommer in Berlin für dieses Festival. Zwanzig Kompanien aus aller Welt sind für Berlin eine Herausforderung: für die Gastfreundschaft und fürs Publikum.

Ricardo Carmona leitet dieses Festival „Tanz im August“. Strenge Anzughose, weißes Hemd, eine farblich angemessen blasse Krawatte. Er verspricht: Es wird „relaxed performances“ geben. Frage, was er damit meint. Er antwortet, es gehe um die „Willkommensatmosphäre auch für ein Publikum aus dem autistischen Spektrum, mit Tourette oder chronischen Schmerzen.“ Für sie gibts Knautschsessel, die Türen bleiben offen, man darf Geräusche machen oder Bewegungen, die der strengen Theaterkonvention (Sitzen, Still sein, Zuhören) sonst nicht entsprechen.
Frage: Warum soll sich ausgerechnet der muntere Tanz den alten Konventionen der Theater-Kirchen unterwerfen, der engen Bestuhlung, dem kunstvollen Machtwort, dem Hausrecht der Theaterleitung? Vielleicht funktioniert Tanz eher wie ein Rockkonzert oder wie die Kunst, vor der es ja auch erlaubt ist, sich frei im Raum zu bewegen.
Anstatt dass das Theater sein Publikum bändigt, geht die Kunst des Tanzes in die Stadt. In diesem Jahr gibt es bei „Tanz im August“ eine Kooperation mit dem OutBox Movement, dem alternativen Battle aus Friedrichshain, das auf dem Tempelhofer Feld erlebbar wird. Und es gibt nora chipaumire, die ihren Namen in Kleinbuchstaben schreibt. Die in Simbabwe aufgewachsene Künstlerin verwandelt die Alte Münze am Molkenmarkt in eine simbabwische Shabini – eine informelle Bar, um gemeinsam Widerstand gegen die politische Macht zu proben. Großformatige Gemälde bilden eine verformbare Wand, durch die Klang, Licht und sogar Körper dringen. Es geht um tägliche Härten: das Ausweichen und Weglaufen vor einer Hunderasse, die von Weißen gezüchtet wurde, um Schwarze zu jagen. Es geht um den Ärger, den man hat. In ihrer Sprache heißt das „Dambudzo“. Und dennoch entsteht ein entspannter Raum, der nicht Kunst sagt, nicht Tanz sagt, nicht Sound sagt, sondern all dies auf einmal ist.
Viele Premieren bei „Tanz im August“ 2025
„Tanz im August“ gehorcht auch dem Gesetz des Risikos. Vieles, was Ricardo Carmona und die Produktionsleiterin Alina Lauer einladen, haben sie selbst nie gesehen. Entweder feiern diese Stücke ihre Premiere erst in diesen Tagen. Oder sie werden eigens für und von „Tanz im August“ als Premieren produziert. Letzteres ist Sitte unter den Festivals, die zu den führenden in der Welt zählen wollen.
„Tanz im August“ produziert eine Performance von Nguyễn + Transitory aus dem Nordosten Thailands mit kunstvollen Kupferplatten und -drähten, die bis Anfang Juli auch in der Kindl Brauerei als Soundinstallation zu sehen waren. Anlässlich des Festivals verdichten sie ihre Arbeit in den Sophiensälen zu einem Ereignis mit dem Titel „suân“.
Ligia Lewis, eben noch beim Festival „Dance“ in München, ist von dort nach Stockholm gereist, zu Cullberg, Schwedens zeitgenössischem Nationalballett ohne Ballett – einer nationalen Kompanie für zeitgenössischen Tanz. Dort erarbeitet sie für „Tanz im August“ eine choreografische Landschaft namens „Some Thing Folk“.

Xan Dye zielt unterdessen ab auf die Neurodivergenten unter uns, den Zappelphilipps und allen, denen Bewegung schwerfallen. Was hilft? Wiederholen. Was musikalisch als Minimalismus bezeichnet wird, ist hier eine körperliche Komposition aus gleichen, sich immer neu strukturierenden, oft schaukelnden Bewegungen: „I am rooted but I flow“.
„Tanz im August“: Die Highlights

Ein Festival ist natürlich nichts ohne eine ordentliche Eröffnung. Hamburgs Sommertheaterfestival und auch das Festival d’Avignon eröffnen mit Marlene Monteiro Freitas und ihrem brandneuen „Nôt“ („Wir“) – lauter sich aneinanderreihende Geschichten wie aus 1001 Nacht. Nach Berlin kommt sie auch.
Aber die Eröffnung inszeniert Némo Flouret: einen Tanz vor der Explosion. Final zünden Feuerwerkskörper.
Die Welt steht in Flammen: Ricardo Carmona aber bemüht als Festivalmetapher lieber Erdplatten, deren Verschiebung sie so unaufhaltsam verändert, wie es das Klima tut, und die Kriege, die Yara Boustany in Beirut überlebt. Ihre Erfahrung dort übersetzt sie in „The Valley of Sleeep“ in puren Surrealismus.
Grenzen werden verschoben und aufgelöst, wie in Lia Rodrigues‘ „Borda“ aus Brasilien. Kriege flammen auch dort auf, wo man sie nicht vermutet, im Land der Amazigh, den Berbern in der Westsahara, das von Marokko beansprucht wird. Davon erzählt Radouan Mriziga in „Magec / the Desert“.
Schlechte Nachrichten? Dank Doomscrolling kann man nach ihnen süchtig sein. Moritz Ostruschnjak gibt mit der Kompanie von tanzmainz Einblick in diese Unsitte.

Und noch eine Unsitte wird mit viel Spaß enttarnt, dank der Isländerin Lovísa Ósk Gunnarsdóttir. Wenn Frauen zu Damen werden, dann in ihrer „sozialen Menopause“. Im Alter schwindet ihre Attraktivität für den Arbeitsmarkt. Also tanzen Berlinerinnen über vierzig bei „When the Bleeding Stops“: wütend, wild und gewaltig.
- Tanz im August Verschiedene Orte, 13.–30.8., Programm und Tickets hier
Nicht verpassen: Event-Highlights in Berlin im August 2025. Lieber nichts ausgeben? Gratis in Berlin im August 2025 – 12 Tipps. Was tut sich in der Kunst? Aktuelle Ausstellungen in Berlin im Überblick. Noch bis Mitte September läuft die 13. Berlin Biennale. Während „Tanz im August“ läuft, ist bei vielen Spielzeitpause. In unserer Rubrik für Theater und Bühne findet ihr aber immer heraus, was wann gespielt wird.
Gleich zwei große Berliner Institutionen, das Festival Tanz im August und die Akademie der Künste, feiern die alten Avantgarden ganz groß. Getanzt wird die amerikanische Freiheitsbewegung des letzten Jahrhunderts. Woher kommt die Nostalgie?

Ein Foto geistert um die Welt. Es zeigt eine gewisse Lady Florence Norman, die auf einem der ersten motorisierten Roller der Welt in den Straßen von London zu sehen ist. Die Aufnahme stammt von 1916, aber ihr Roller steht genauso aufgebockt auf dem Pflaster wie heute all die Leihroller auf den Gehwegen von Berlin. Das ist mehr als hundert Jahre her und könnte längst vergessen sein, denn diese Erfindung rief einst genau dieselben sauertöpfischen Bedenkenträger auf den Plan wie heute. Aber das Gesetz der Serie besagt: Alles, was wiederkehrt, schreibt Geschichte. Was nicht wiederkehrt, bleibt bloßes Ereignis.
Unser Medienzeitalter liebt die Wiederkehr – so auch die der motorisierten Scooter. Was macht die Kunst also? Sie wiederholt sich, sie kehrt wieder und wieder als Evergreen, um irgendwann in den Kanon der Geschichte einzugehen, wie Beethoven und Mozart oder, im Tanz, Pina Bausch und Merce Cunningham.
Letzterer, ein Meister der Choreografie, der 1919 im Bundesstaat Washington geboren wurde, wäre heute 100 Jahre alt. Merce Cunningham ist vor zehn Jahren gestorben, seine Tänze aber leben noch. Denn sie werden wiederholt, wie jetzt zum Festival „Tanz im August“, das vom 9. bis zum 31. August stattfinden wird. Das Ballet de Lorraine aus Nancy, ansässig an der deutsch-französischen Grenze, stellt seine komplexen Werke „Rainforest“ (1968) und „Sounddance“ (1975) erneut auf die Bühne.
Die Tänzer erinnern damit an jenen Aufstand der Gelassenen, den man gewöhnlich in das Jahr 1968 verlegt. Diese wahrhaft gelassenen Studentenunruhen der 68er, die mit Marihuana gegen den Muff der Alten prostestierten, waren wirklich frech und durchaus auch alert. Die Alt-68er aber, sie stilisieren ihre Revolte heute noch genauso, als wären sie alle selber so cool gewesen wie Cunningham: Dieser noch im hohen Alter jugendlich wirkende Hüpfer, der sich mit Lust gegen die Tradition erhob – zu einer vormals unglaublich neuen, nämlich batteriebetriebenen Musik von David Tudor, auf die er munter gegen jeden Strich tanzte.
„Modern“ sein, das ist heute, muss man sagen, eher etwas für das gesetztere Alter. Auch das Berliner Ensemble „Dance On“ verehrt die in die Tage gekommene Moderne, die mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts anbrach. Alle Tänzer des Ensembles sind über 40 und repräsentieren so die gefühlte Mehrheit unserer alternden Republik. Diese Truppe um ihren derzeitigen Chef, den Amerikaner Ty Boomershine, gräbt für „Tanz im August“ ebenfalls einen Cunningham aus, ein Stück namens „Story“. Das kam 1963 garantiert ohne Story aus. Dafür unterstellte es der Welt mit zufälligen Fundstücken und auf Zufall basierenden Arrangements aus Tanz und Musik, dass alles Planen und Gestalten sinnlos ist. Nur der Moment zählt, will das Stück sagen: Genießt den Tag und das zufällige Ereignis – und bloß nicht die Wiederkehr des Immerso und Ewiggrün.
Der Aufstand der Alten
Dass besagte Lady Florence Norman auf ihrem antiken Roller in den Sozialen Medien heute tausendfach geteilt und geliked wird, quasi als Prophetin; und dass Merce Cunningham, der Tanzmeister, der die ewige Jugend der Moderne verkörpert hat, weiter so vehement verehrt wird: Beides hat mit Sehnsucht zu tun. Einer Sehnsucht nach Geschichte, die deshalb so en vogue ist, weil gerade Ältere glauben, all die Errungenschaften der Moderne würden derzeit ausradiert durch Politiker wie Donald Trump oder durch Künstler, die nichts mehr mit den Studentenprotesten von einst, der Selbstbefreiung der Schwulen und Lesben, der Black Power oder der Mitbestimmung zu tun haben wollen. Künstler, die also das Band der Geschichte kappen würden.
Denn wahr ist leider: Wer heute in der Kunst nicht genau hierzu Stellung bezieht, sondern künstlerische Fragen verfolgt, die keine historischen Wurzeln haben, die lieber eine Kunst von Morgen imaginieren, die sich mit Avataren, Neurophysik oder Science Fiction beschäftigen – solche angeblichen Spinner haben deutlich weniger Chancen als all die, die ihre Visionen wenigstens mit so altem Zeug wie Schamanismus, Drogen oder dem letzten Weltkrieg in Verbindung bringen. Wer heute im Theater und im Tanz Erfolg und finanzielle Förderung haben will, sollte also dringend an die Fäden der Vergangenheit anknüpfen. Und damit an die Jugenderinnerungen der Geldgeber.

Die gehören – im Bund, bei den Ländern und in den Kommunen – meist solchen Damen und Herren, die mit Trauer und Entsetzen auf eine Welt schauen, die ihre Hippie-Vergangenheit so gerade noch durch die vorsichtige Legalisierung von Cannabis bestätigt finden. Damen und Herren, die in der aktuellen Feier der Queerness eine Weiterentwicklung der weiblichen Emanzipation erkennen und die Alternativbewegungen ihrer Studentenzeit mit dem Wiedererwachen einer klimaschonenden, puritanisch-regionalistischen Landlust fortgesetzt sehen.
Anders lässt sich kaum verstehen, dass auch die Amerikanerin Deborah Hay, eine Choreografin, die über Merce Cunningham zum Tanz kam, beim Festival „Tanz im August“ mit einer derart gründlichen Retrospektive ihrer in den 1960er-Jahren begonnenen Tanzarbeit geehrt wird. Deborah Hay ist eine kleine, resolute Frau, die es einst in New York mit den sogenannten postmodernen Freigeistern der Judson-Community aufnahm, einer revolutionären Bewegung, die den Tanz radikal aus dem Korsett der Traditionen befreien wollte. Hay lief nie einfach nur mit in dieser Strömung. Sie nahm das Projekt der Moderne sehr ernst: Hierarchien abschaffen, Tanz auch als eine Bewegung in einem sehr weiten Sinn begreifen und den Körper bis in seine Zellen hinein verstehen.
Die 1941 in Brooklyn Geborene zitiert bei ihren Versuchen, dem Tanz neue Perspektiven zu geben, gern einen recht spirituell klingenden Satz: „Wie sehr wir uns danach sehnen, das zu werden, was wir kaum zu sein glauben.“ Er ist das Credo ihres lebenslangen Projekts. Sie trachtet danach, dass der Künstler mehr sei als nur eine Erfolgsfigur auf dem Markt der bekannten Namen. Unter dem Titel „RE-Perspective“ widmet Virve Sutinen, die Leiterin des Festivals „Tanz im August“, der heute 78-Jährigen ein Symposion und ganze fünf Wiederaufnahmen ihrer alten Stücke. Darunter „The Match“ für Hays derzeitige Arbeitgeberin, deie ebenfalls alte, 1967 gegründete Kompanie Cullberg in Stockholm. Diese schwedische Tanztruppe will sich gerade radikal verjüngen, und bestellte dazu Hay als ihre Mitdirektorin, weil sie Tanzbewegungen mit scheinbarer Leichtigkeit auf die Bühne tupfen lässt.
Der Abstand des Alters
Das tut gut inmitten des heutigen Lebensgefühls, in der sich die Welt immerzu um E-Scooter und die Vermeidung von Plastikmüll dreht und dabei noch verlangt, sich moralisch korrekt in einer immerwährenden Angst- und Schamspirale aus lauter Ausrufezeichen zu drehen – „Ich muss! besser!, fleißiger, gebildeter, schöner etc. werden.“ Dagegen hilft scheinbar die, wenn auch nur rückwärts betrachtet, freigeistige Emanzipation der Altvorderen. Als erste in ihrer Reihe stand eine Tänzerin, gleich alt wie Lady Florence Norman auf ihrem E-Roller: Isadora Duncan hieß sie, Jahrgang 1877, auch sie eine Amerikanerin, die nun von einem der erfolgreichsten Querdenker im zeitgenössischen Tanz, dem Franzosen Jérôme Bel, aus ihrer Gruft gezerrt wird.
Bei Bel tanzt nicht etwa irgendeine Wiedergängerin der legendären Isadora Duncan, die man in antikem Gewand und barfuß auf den Spuren der Antike zu erinnern glaubt, sondern es tritt die bedeutendste Kennerin dieses nie in Gänze überlieferten Werks auf: Elizabeth Schwartz hat mehr als vierzig Jahre lang alle hinterlassenen Spuren der Duncan studiert und gab ihr rares Wissen bislang nur in kleinen Zirkeln und Workshops weiter.
Auch sie hat bei Cunningham getanzt, auch sie ist eine Amerikanerin, die nach Paris zog, wie Isadora Duncan, die damalige Lebensgefährtin des deutschen Nähmaschinen-Erben Paris Singer. Sie gilt heute als Inbegriff der weiblichen Emanzipation, eine durch zahlreiche Schicksalsschläge gezeichnete Künstlerin: Ihre zwei Kinder verlor sie durch einen Autounfall und starb selbst, als ein Schal sich im Rad ihres Sportwagens verfing und sie 1927 in Nizza erdrosselte. Jérôme Bel setzt ihr bei „Tanz im August“ nun ein Denkmal in Form einer Uraufführung, die durch die so kenntnisreiche Elizabeth Schwartz zu Immergrün werden soll. Eine große Premiere, die uns da bevorsteht.
Geschichte wird gemacht
Um solche Vergangenheit in die Gegenwart zu retten, hängt man dem Vergangenen gern einen schützenden Mantel um. Ihn bezahlen Institutionen wie die 2002 entstandene Kulturstiftung des Bundes und die 1950 in der DDR, vier Jahre später auch in der Bundesrepublik gegründete Akademie der Künste. Beide Betriebe veranstalten nun gemeinsam ebenfalls ein Tanzfestival. Es trägt den wunderbaren Titel „Was der Körper erinnert“. Ermöglicht hat es der „Tanzfonds Erbe“. Acht Jahre lang wurde dieses Projekt der Kulturstiftung des Bundes von der Berliner Tanzlobbyistin Madeline Ritter betreut, die auch die eben genannte Kompanie „Dance On“ für Tänzer über 40 gegründet hat.
Moderiert wird der tanzgeschichtliche Großeinsatz von Johannes Odenthal, dem Programmdirektor der Akademie der Künste. Hier geht es, nur wenige Tage nach der Tanzvergangenheitsfeier bei „Tanz im August“, nicht nur um ein Bewahren der Tänze der Moderne, sondern auch darum, wie heutigen Tanzschaffenden eine möglichst persönliche Aneignung ihrer eigenen Geschichte gelingen könne. Odenthal meint nämlich zu beobachten, wie sehr sich heutige „Choreografen und Choreografinnen mit der Frage von Erinnerung, von kulturellem Gedächtnis und Identität auseinandersetzen“. Allerdings lockte auch viel Geld vom Bund. Zudem gibt es das Archiv der Akademie als eins von fünf deutschen Tanzarchiven, die einen recht breiten Fundus von Inspirationsquellen bereithalten. Sie wurden genutzt und das Ergebnis ist eine Auswahl aus insgesamt sechzig geförderten Projekten, die vom 24. August bis zum 2. September am Berliner Hanseatenweg zelebriert wird. Wieder spannt sich der Bogen von Isadora Duncan diesmal zu der großen Berliner Choreografin der Kriegs- und Nachkriegszeit, Mary Wigman. Gesucht wurden historische Tanzpersönlichkeiten wie Valeska Gert, Kurt Jooss und Jean Weidt, „die für utopische Aufbrüche, Befreiung aus Geschlechterrollen und Widerstand gegen politische Vereinnahmung stehen.“

Um sie ging es auch schon 1970, als an der Akademie der Künste das kluge Gespann Nele Hertling und Dirk Scheper den Anschluss der Westberliner Szene an die internationale Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes suchte. Die beiden wurden vor allem in den USA fündig, eben bei Merce Cunningham und bei Deborah Hay. Letztere wird auch die zweite Runde dieser Berliner Tanzgeschichtsfestivitäten eröffnen. Großen Einfluss auf Berlin hatte damals auch der New Yorker Steve Paxton auf die Entstehung der Berliner Tanzfabrik. Anna Halprin aus Kalifornien hatte den ihren auf die Entwicklung der Berliner TanzTangente. Beide bilden den Abschluss dieser Reihe, in deren Mitte Rekonstruktionen des bedeutenden deutschen Choreografen Gerhard Bohner und der Grande Dame des belgischen Tanzes, Anne Teresa De Keersmaeker, stehen. Alles, was fehlt, ist der Tanz um die Queerness, der in Berlin gerade ganz obenan steht, ausgelöst von den Einflüssen des Voguing in Harlem und repräsentiert vom New Yorker Choreografen Trajal Harrell.
Geschichte wird geteilt
Lady Florence Norman steht derweil immer noch ernst auf ihrem Roller. Den motorisierten Scooter, auf dem sie da etwas steif balanciert, gibt es heute so wenig wie die Tänze von einst. Was aus den Sphären des exklusiven Besitzes, und das war dieser Autoped damals, längst ins Feld der öffentlichen Teilhabe übersetzt wurde – Sharing genannt –, ist auch den Tänzen der Vergangenheit widerfahren. Sie wurden zur Open Source für eine ganze Künstlergeneration, die sich zwischen Ehrfurcht und Nachahmung auf das Werk ihrer Vorfahren stürzt und die Vergangenheit für ihr eigenes Fortkommen nutzt. All diese Choreografinnen und Choreografen haben wohl schätzen gelernt, wie sehr die Geschichte als Common Ground unter ihren eigenen Füßen sich wie Allgemeingut behandeln ließ. Das ist okay. Warten wir nun darauf, wie es mit dem Tanz, nach dieser Kapriole in die Vergangenheit, weitergeht. Nach der Moderne.
Tanz im August
Das größte jährliche Tanzfestival Deutschlands mit Aufführungen, Talks, Filmvorführungen und Partys. Dabei sind in diesem Jahr Werke von u.a. Deborah Hay, Jérôme Bel, Compagnie par Terre, Latifa Laâbissi, Oona Doherty, Albert Quesada, Ambiguous Dance Company, Kaori Seki, Claire Vivianne Sobottke, Alan Lucien Øyen und James Batchelor and Collaborators. Verschiedene Spielorte, 9.–31.8., Programm siehe Tagesprogramm oder unter tanzimaugust.de
Ab 3
Ein Theaterstück mit Figuren für das Verständnis, dass wir Teil der Natur sind, dass es nicht um ein Rennen nach dem Mehr geht, sondern ein Leben im Hier und Jetzt.
Im Winter ist es kalt und dunkel. Die Natur ruht und sammelt Kräfte für den Neubeginn. Jan ruht auch. Er weiß, wann das Jahr neu beginnt, die Pflanzen ihre erste Knospen hervorbringen. Er beobachtet, wie die Insekten von der Blüte angezogen werden, ihre Arbeit verrichten, Früchte reifen. Bis der Herbst und das Ende der Ernten alles wieder zur Ruhe kommen lässt. Ein Reigen!
Jan tanzt ihn freudig mit.
Doch dann tritt Auguste auf. Sie findet den Winter zu dunkel und kalt und vieles dauert zu lange. Sie braucht mehr Wärme und mehr Platz für Ideen und Projekte, die ihr Leben angenehm machen. Sie will nicht so lange warten!
Wie lange können Jan und die Natur mit ihrem Rausch mithalten?
Ein Plädoyer für Achtsamkeit und etwas Ruhe. Kinder wissen das intuitiv und müssen darin bestärkt werden.
Im Winter ist es kalt und dunkel. Die Natur ruht und sammelt Kräfte für den Neubeginn. Jan ruht auch. Er weiß, wann das Jahr neu beginnt, die Pflanzen ihre erste Knospe hervorbringt. Er beobachtet, wie die Insekten von der Blüte angezogen werden, ihre Arbeit verrichten, Früchte reifen. Bis der Herbst und das Ende der Ernten alles wieder zur Ruhe kommen lässt. Ein Reigen! Jan tanzt ihn freudig mit.
Auguste tritt auf. Sie findet den Winter zu dunkel und kalt und vieles dauert zu lange. Sie braucht mehr Wärme und mehr Platz für Ideen und Projekte, die ihr Leben angenehm machen. Sie will nicht so lange warten! Wie lange können Jan und die Natur ihren Rausch mittanzen?
Ein Stück für das Verständnis, dass wir Teil der Natur sind. Ein Plädoyer für Achtsamkeit und etwas Ruhe. Kinder wissen das intuitiv und müssen nur darin bestärkt werden.
An Silvester legen Berlins Clubs so richtig los: Ob ihr mit treibendem Trance ins neue Jahr gleiten oder mit kräftigen Bässen feiern wollt – es ist für jeden Sound etwas dabei. Wir haben für euch eine Auswahl der spannendsten Silvester-Events in Berliner Clubs und Party-Locations zusammengestellt. Von BCCO x Polyamor im Zenner bis Gegen x Prncptl im Revier Südost – hier rutscht ihr richtig gut rein.
BCCO x Polyamor 46 Hours

Die erste Polyamor-Party fand 2023 im Lokschuppen statt. Danach zog das Kollektiv mit seiner Partyreihe ab und an in den Club Ost. Der Sound der Party variiert zwischen Trance, Eurodance, Groove, Hardgroove, Hardhouse und Techno. Zu Silvester findet die Polyamor Party im Zenner in Alt-Treptow statt. Ganze 46 Stunden lang wird mit DJs wie Cleopard 2000, Mika Heggemann, Prada 2000, Clara Elizabeth, Benabou und Fenrick das neue Jahr gefeiert.
- Zenner Alt Treptow 15, Treptow, Di 30.12., 22 Uhr – Fr 2.1., 8 Uhr, ab 23 €, online
Silvesterpartys in Berlin: Heisss x Home Again

Mit einem Sound, der sich zwischen Techno, House und progressive House bewegt, veranstaltet das Kollektiv Heisss mittlerweile auch in München, Hamburg, sogar Asien. An Silvester geht es aber noch Berlin. Und in der Hauptstadt startet Heisss traditionsgemäß mit einem starken Line-up ins neue Jahr: mit DJs wie Alarico, Daria Kolosova, Egotot, Jennifer Loveless, Maruwa und Thabo wird mit viel Techno getanzt.
- Muenze Molkenmarkt 2, Mitte, Mi 31.12., 23 Uhr – Fr 2.1., 6 Uhr, ab 49 €, online
Gegen x Prncptl im Revier Südost

Hier wird es definitiv heiß: An Silvester schließen sich mit Pornceptual und Gegen zwei der größten queeren, sexpositiven Partys zum Rave-Marathon im Revier Südost zusammen. Der Dresscode sieht dabei entsprechend Latex und Leder vor – Streetwear bleibt draußen. Auflegen werden DJs wie 131bpm, Dasha Rush, softchaos, Spacer Woman, Sparkly Pony oder VINVAR.
- Revier Südost Schnellerstr. 137, Schöneweide, Mi 31.12. 23.59 Uhr – Fr 2.1. 10 Uhr, 59 €, online
Lokschuppen Nye pres. Goatball x Formula90

2024 wurde der ehemalige Suicide Club in Lokschuppen umbenannt, da es immer wieder zu Missverständnissen und Vorurteilen kam. Seit jeher ist der Club an der Warschauer Straße eine feste Größe in der Berliner Technoszene und ist bekannt für seine offene Gestaltung für Inklusion und Gemeinschaft. Am Silvesterabend legen das Trance-Kollektiv Formula90 und Goatball auf. Mit dabei sind die DJs Kling und Klang, Amøn, Blayde, Cobb Douglas, DJ Henk oder DJ Räucherlaks.
- Lokschuppen Warschauer Brücke, Friedrichshain, Mi 31.12., 23–12 Uhr, 35 €, online
Silvesterpartys in Berlin: Renate 86H NYE

Der Club Renate ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 über die Grenzen Friedrichshains hinaus bekannt und geschätzt. Im August 2024 gaben die Betreibenden der Renate bekannt, dass der Club Ende 2025 schließen muss, doch in letzter Sekunde hat sich eine Lösung abgezeichnet: Die Renate kann weitermachen. Zum großen Rave an Silvester geht es wild zu: Ganze 86 Stunden wird bei der „The End“-Party zu einem bunten Mix aus Techno, House und Disco auf sechs Floors getanzt. Mit dabei sind die DJs Ben Sims, Lewis Fautzi, Felicie, Stephanie Sykes und Beau Didier. Danach ist trotzdem vorläufig Schluss, der Club muss sich erst einmal überlegen, wie es weitergeht.
- Renate Alt Stralau 70, Friedrichshain, Mi 31.12. 22 Uhr – So 4.1. 10 Uhr, ab 22 €, online
OST New Years Eve 2025/2026

Mit seiner guten Anlage, dem großen Außenbereich und den Floors auf verschiedenen Etagen ist der Club Ost in Friedrichshain längst fester Bestandteil der Berliner Techno-Kultur. Zur großen Silvester-Party lädt der Club ins historische Alt-Stralauer Fabrikgebäude Ost Hafen zum Neujahrs-Rave. Mit verschiedenen Trance und Techno DJs wird weit bis in den nächsten Tag getanzt. Wem es während der Party zu heiß wird: einfach kurz raus, am Wasser entlang, Spree und Treptower Hafen genießen – und weiter geht’s.
- OST Alt-Stralau 1–2, Friedrichshain, Mi 31.12. 22–12 Uhr, 40 €, online
Rauf & Rüber im Klunkerkranich

Wie jedes Jahr verabschiedet sich der Klunkerkranich mit einer großen Party in die Winterpause. Über den Dächern Neuköllns wird zu Silvester ganze 13 Stunden am Stück gefeiert. Mit dazu gibt es einen tollen Ausblick über Berlin. Auf drei Floors leiten unter anderem die DJs Siaah, TraumaMia, Lotte Ahoi und francesca das neue Jahr 2026 ein.
- Klunkerkranich Karl-Marx-Straße 66, Neukölln, Mi 31.12. 19–7 Uhr, 50 €, online
Hippie New Year im Ritter Butzke

Der, die, das Ritter Butzke? Alles ist möglich. Die Location selbst besteht aus vielen Floors und Räumen, die alle aufwändig und völlig unterschiedlich gestaltet sind. Zum Jahresende meldet sich der Club auch 2025 mit einer legendären Party. Freuen darf man sich auf mehrere Acts: Musik von Oliver Koletzki, Super Flu oder Sylvie Miles erklingt auf den Tanzflächen. Live-Acts, Drag-Shows und ein Open-Air Lichtspektakel wird es auch geben.
- Ritter Butzke Ritterstr. 26, Kreuzberg, Mi 31.12., 22–10 Uhr, 35 €, online
Silvesterpartys in Berlin: Blank Washing (NYE)

Das About Blank am Ostkreuz liegt auf einem heruntergekommenen Gewerbegebiet in Friedrichshain abseits der inzwischen arg glatt gebürsteten Szenequartiere der Berliner Innenstadt. Der Club ist ausdrücklich inklusiv, vor allem viele queere Menschen feiern hier. Zum Jahreswechsel wird auf mehreren Floors mit Techno und House gefeiert. DJs wie Joel Mull, Lena Brumby oder Sohrab sind für den spaßigen Silvesterabend geplant.
- About Blank Markgrafendamm 24c, Friedrichshain, Mi 31.12., 23 Uhr – Fr 2.1., 6 Uhr, ab 28 €, online
Silvester Bäng Intoxikation X Goanautika

Das M-Bia befindet sich direkt am Alexanderplatz. In den dunklen Räumen, in denen sich zwei Dancefloors befinden, wurde die Ausstattung bewusst industriell gehalten. Die alten Gemäuer erinnern an den Undergroundcharakter der 90er Jahre. Zu Silvester wird im M-Bia ein Mix aus Hard Techno, Dirty Prog und Psytrance geboten – Raver-Herzen dürften also höher schlagen.
- M-Bia Club Dircksenstr. 123, Mitte, Mi 31.12., 22–10 Uhr, 20–35 €, online
Tresor: New Year’s Eve ’25/’26

Wer zum ersten Mal im neuen Tresor feiert, kann leicht den Überblick im Erdgeschoss verlieren, so verwinkelt ist das. Der Techno hier ist oft düster, hart und wenig melodisch. In neue Jahr 2026 wird in den dunklen, verschwitzen Hallen ordentlich zu den Bässen von Handmade, Shira Kela, Function und Miss Italia bis weit in den nächsten Tag gefeiert.
- Tresor Köpenicker Str. 70, Mitte, Mi 31.12. 21–15 Uhr, 40–60 €, online
Forever 25 – NYE Edition

Einst war es die legendäre Bar25, dann kam Kater Holzig und nun ist es der Kater Blau, der jedes Wochenende Techno-Fans an die Spree zieht. Die Kater-Stimmung darf natürlich auch an Silvester nicht fehlen: Auf den Floors kann bei guter Atmosphäre zu den Techno-Sounds von Bodyshift, Just Emma, Mira und Raxon getanzt werden.
- Kater Blau Holzmarktstr. 25, Friedrichshain, Mi 31.12., 22 Uhr – So 4.1., 10 Uhr, 35–40 €, online
Silvesterpartys in Berlin: Im Ava Club

Die Silvester-Party im kleinen AVA-Club an der Warschauer Straße spielt Techno und House und zielt auf eine glamouröse Atmosphäre. Dresscode: bequem, aber schick, gerne Glitzer – so macht die Lightshow noch mehr Spaß.
- Ava Club Warschauer Platz 18, Friedrichshain, Mi 31.12., 23–12 Uhr, ab 15 €, online
Power Koffäin – NYE
In der Location eines ehemaligen Schwimmbades ist der Prince Charles Club unweit des Moritzplatz ansässig. Auf einem Floor wird hier regelmäßig zu den verschiedensten Musikgenres getanzt. So auch an Silvester. Gemeinsam mit dem Club Coco Boule lädt das Prince Charles zu einer großen NYE Party: Aufgelegt wird House und Disco von Ana Molina, Greta Spark, Menki, Tom Kutsche und vielen mehr.
- Prince Charles Prinzenstr. 85, Kreuzberg, Mi 31.12., 22–9 Uhr, 35 €, online
The Art of NYE – Silvesterparty an der Greifswalder Straß
Wer auf ein reiches Gesamtpaket an besonderer Location Wert legt, mag hier richtig sein: The Art of NYE verlegt die Party in Fabrikhallen und einen Bunker. Zwei Tanzflächen, Visual Art Lounge, dazu Live-Piano und ein guter Blick auf die Knallerei um Mitternacht. Getränke und Appetizer sind im Preis enthalten.
- Fabrikhalle Greifswalder Str. 23a, Prenzlauer Berg, Mi 31.12., 21.30–6 Uhr, 90–107 €, online
Power Dance Club NYD 2026 26Hours
Startet das neue Jahr dort, wo Berlin am längsten tanzt: im Kreuzwerk! Der industrielle Clubspot mitten in Kreuzberg öffnet für ganze 26 Stunden seine Türen und verwandelt sich in ein energiegeladenes Labyrinth mit endlosen Dancefloor-Momenten. Auf mehreren Floors sorgen zu Silvester ausgewählte House- & Techno-DJs für treibende Sets.
- Kreuzwerk Lobeckstr. 30–35, Kreuzberg, Do 1.1., ab 12 Uhr, 28 €, online
Silvesterpartys in Berlin: HIVE NYE 2026
Im April 2025 hatte der Veranstalter des Hive-Festivals den Anomalie Club übernommen und ihn in DSTRKT umbenannt. Klassisch zum Hive-Festival wird hier mit ordentlichem Bass gefeiert: In „Boiler-Room-Atmosphäre“ findet zu Silvester in der rohen Location ein viertägiger Rave statt. Mit dabei sind unter anderem die DJs In Verruf, Charlie Sparks, Alex Friday und Carla Schmitt. Die Party startet sogar schon am 30. Dezember.
- DSTRKT Club Storkower Str. 123, Prenzlauer Berg, Di 30.12., 22 Uhr – Fr 2.1., 8 Uhr, 40 €, online
Primal Instinct NYE 30H Party
Mit seinem Standort an der Spree bietet das Haus der Visionäre vielfältige Räume für Veranstaltungen aller Art: Von Kunstausstellungen über Performances und Clubnächten. Zu Silvester findet hier auf zwei Dancefloors eine Party statt, die sowohl Techno als auch House DJs listet. Mit dabei sind unter anderem Amaliah, DJ Aya, Pablo Bozzi, The Chronics und Ian Pooley B2B Tafkamp.
- Haus der Visionäre Eichenstr. 4a, Treptow, Mi 31.12., 23.59–6 Uhr, 45 €, online
OXI NYE – 38 Hours
Das OXI, für seinen Industrial-Look bekannt, ließ vergangenes Silvester auf seinen zwei Dancefloors eine Mischung aus Techno, Trance und House auflegen. Auch dieses Jahr sind satte 38 Stunden Party geplant – man darf sich auf mehrere Headliner:innen freuen.
- OXI Wiesenweg 1–4, Friedrichshain, Mi 31.12., 22 Uhr – Fr 2.1., 12 Uhr, ab 27,50 €, online
Demo an der Siegessäule mit Techno-Trucks
An Silvester doch nicht in den Club? Ein breites Bündnis hat eine Demo angemeldet, die zunächst am Brandenburger Tor stattfinden sollte, nach viel Hin und Her dann aber doch ein bisschen umgezogen ist. Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor sind 100 DJs, 16 Parade-Trucks und viel Bass angekündigt. Die „Yeah 26“-Party am Brandenburger Tor selbst ist allerdings schon ausgebucht.
- Straße des 17. Juni Mi 31.12, 18–6 Uhr, zur Website des Bündnisses
Keine Lust auf Techno bei eurer Silvesterparty?
Hier ist die Übersicht mit Silvesterpartys, die ganz andere musikalische Richtungen einschlagen. Guten Rutsch!
Ihr habt Lust zu feiern? In unserer Club-Rubrik findet ihr immer aktuelle Partys. Regelmäßig neu: tipBerlin Newsletter – hier anmelden. Mehr Lust auf Kultur? Alle wichtigen aktuellen Ausstellungen findet ihr hier. Ihr wisst noch nicht, was ihr unternehmen wollt? Hier sind unsere Konzerte der Woche in Berlin.
Der Potsdamer Platz ist einer der berühmtesten Orte in Berlin – und hat sich in seiner Geschichte mehrmals vollständig verändert. Zunächst wurde er zum vornehmen Ort im Herzen der Stadt. Dann zum turbulenten Verkehrsknotenpunkt. Nach dem Krieg war er eine Trümmerwüste, eine Einöde mitten in der Großstadt. Und nach der Wende Europas größte Baustelle, auf der die berühmtesten Architekten der Welt ein neues Zentrum aus dem Nichts entstehen ließen. Der Potsdamer Platz im Wandel der Zeit: Wir nehmen euch mit auf eine Zeitreise in Bildern und Fotos.
Der Potsdamer Platz: Berlins Herzstück

Das alte Potsdamer Tor wurde um 1734 etwa an der Stelle errichtet, wo sich heute der Potsdamer Platz befindet. Im 18. Jahrhundert begann dort die Potsdamer Chaussee, die zu den wichtigsten Verbindungsachsen der preußischen Metropole gehörte. Ab 1831 bekam der bis dato „Platz vor dem Potsdamer Thor“ genannte Platz seinen heutigen Namen.
Anfänglich lag der Platz am Stadtrand, rückte aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau des Potsdamer Bahnhofs immer weiter ins Zentrum der Stadt und gehörte seit der Reichsgründung 1871 zu den zentralen Verkehrsknotenpunkten Berlins.
Die pulsierende Stadt

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich immer mehr Büro- und Geschäftshäuser, Restaurants und Hotels am Potsdamer Platz an. Von besonderer Strahlkraft auf Besucher wie Einwohner gleichermaßen, war das Kaufhaus Wertheim.
Ab 1902 hielt zudem die erste U-Bahn-Linie an dem Platz, man konnte zum Zoologischen Garten oder bis nach Friedrichshain fahren. Das Tempo der Stadt beschleunigte sich, die Auswirkungen des rasenden Fortschritts machten sich hier früher als anderswo in der Stadt bemerkbar.
Potsdamer Zeit im Wandel: Tanz auf dem Vulkan

Nach dem Ersten Weltkrieg verwandelte sich der Potsdamer Platz in einen urbanen Moloch. Die Busse und Straßenbahnen, Fußgänger, der zunehmende Autoverkehr. Die Leute stiegen hier um, gingen einkaufen oder amüsierten sich in den Gaststätten und Varietés.
Ernst Ludwig Kirchner widmete dem Platz eines seiner berühmtesten Gemälde. Prostitution war allgegenwärtig, genauso wie die Kriminalität. Die Künstler trafen sich im Café Josty, das Aschinger-Großrestaurant bot Platz für 4000 Gäste, und der Architekt Erich Mendelsohn baute 1932 das moderne Columbushaus an den Platz.
Verkehr, Verkehr, Verkehr

Nach 1933 und der „Machtübernahme“ veränderte sich der Alltag, auch am Potsdamer Platz. Manche Künstler mussten ins Exil oder durften nicht mehr auftreten. Doch auch die Nazis hatten ein Interesse an einer funktionierenden Infrastruktur und setzten die Baupläne für einen unterirdischen S-Bahnhof fort, der 1939 eröffnet wurde. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der Platz einer der belebtesten Orte der Stadt.
Der Potsdamer Platz nach der Schlacht um Berlin

Nach den Luftangriffen und der finalen Schlacht um Berlin lag der Potsdamer Platz im Frühling 1945 in Trümmern. Nichts mehr erinnerte an das geschäftige Treiben. Nach der Teilung der Stadt lag der Platz wieder einmal am Rand, zwischen dem amerikanischen, englischen und sowjetischen Sektor.
Der Wiederaufbau erfolgte hier nur notdürftig, es wurde improvisiert und man konzentrierte sich vorerst auf andere Teile der Stadt. Die meisten Gebäude, die vom Krieg verschon wurden, standen leer. Kein Investor oder Bauherr, weder in Ost- noch in West-Berlin, interessierte sich für den einst prächtigen Standort.
Die Teilung der Stadt

Nach dem Mauerbau im August 1961 wurde der Potsdamer Platz von den Stadtverwaltungen aufgegeben. Die noch existierenden Gebäude wurden größtenteils abgerissen, selbst das legendäre Vox-Haus, das noch völlig intakt war, wurde 1971 gesprengt, weil sich keine Mieter dafür fanden. Die Mauer teilte den Platz, der bis zur Wende zu einem Unort wurde.
Der Potsdamer Platz als urbane Einöde

In West-Berlin war der Potsdamer Platzt eine urbane Einöde, von Pfützen und Schlamm durchsetztes Ackerland, auf denen in den 1980er-Jahren am Wochenende ein Flohmarkt stattfand, der übrigens erst in den Wendejahren „Polenmarkt“ genannt wurde.
Wim Wenders hielt die unwirkliche Stimmung des historischen Ortes in „Der Himmel über Berlin“, seinem vielleicht berühmtesten Film, fest. Zwar versuchte man auf der West-Seite mit der Wiedereröffnung des Martin-Gropius-Baus und der Errichtung der M-Bahn, den Platz etwas wiederzubeleben, aber ein neuer Wind wehte erst nach dem Mauerfall. Eine Musiklegende ließ sich von der Stimmung inspirieren: Wir blicken zurück auf David Bowies Zeit in Berlin.
Die Mauer fällt

Die berühmten Bilder vom Tag des Mauerfalls sind nicht am Potsdamer Platz entstanden, sondern einige hundert Meter weiter am Brandenburger Tor. Doch wenige Tage später wurde auch ein Grenzübergang am Potsdamer Platzt eingerichtet. Die Mauersegmente hat man kurzerhand rausgenommen, und auch auf der großen Brache begann die Stadt zusammenzuwachsen.
Roger Waters singt am Potsdamer Platz

1990 wusste noch niemand, was mit dem geschichtsträchtigen Platz passieren wird, auch wenn man es sich vielleicht hätte denken können, dass finanzkräftige Investoren den alten Standort im Herzen der Stadt wiederentdecken werden. Doch vorerst bat die Brache Platz für spektakuläre Shows.
Im Juli 1990 kam der englische Musiker und Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters (mittlerweile vor allem für sein Engagement für die antiisraelische BDS-Bewegung und weniger für seine Musik bekannt) nach Berlin und veranstaltete ein bombastisches Rockkonzert, das sich inhaltlich und musikalisch an dem Pink-Floyd-Album „The Wall“ (1979) orientierte und den Fall der Mauer und das Ende des Kalten Krieges feierte.
Der Potsdamer Platz als Europas größte Baustelle

Sehr schnell wurde klar, dass die Brache keine bleiben wird: Es begann ein Run auf die innerstädtischen Grundstücke. Potente Unternehmen wie Sony, Daimler und die Deutsche Bahn planten hier ihre Standorte, ein Casino, Luxus-Hotels und Filmpaläste sollten entstehen, daneben ein großes Einkaufszentrum, ein Filmmuseum und Gastronomie.
Die berühmtesten Architekten der Welt wurden beauftragt, den Platz „kritisch zu rekonstruieren“. Darunter Renzo Piano, Rem Koolhaas, Hans Kollhoff und Helmut Jahn. Das hat nur bedingt gut funktioniert, der Potsdamer Platz wurde nie zu dem lebendigen Ort, der er mal war. Die Architektur wirkte deplatziert, steril und zugleich kleinstädtisch und verängstigt, was zum Teil auch an den strikten Bauverordnungen des Berliner Senats lag.
Der Erbauer des Jüdischen Museums in Berlin, Daniel Libeskind, sagte einmal: „Der Potsdamer Platz ist ein Exempel dafür, dass man die besten Architekten der Welt engagieren kann und trotzdem nicht automatisch etwas Großartiges herauskommen muss“.
Die Berlinale zieht an den Potsdamer Platz

Eine Sache hat sich aber verändert, und obwohl der Platz wie ein UFO betrachtet wurde und man sich als Berliner höchstens mal in den Einkaufstempel „Potsdamer Arkaden“ verirrte, wurde der Potsdamer Platz die neue Heimat der Berlinale, und zumindest für zwei Wochen im Februar nahm und nimmt er wieder eine international gewichtige Rolle ein.
Nach Jahrzehnten am Ku’damm und den umliegenden Kinos im Westen der Stadt verlagerte das Filmfestival sein Epizentrum in das Theater am Potsdamer Platz, und mit den 75. Berliner Filmfestspielen kommen in der Nähe Spielstätten hinzu. Wir erinnern uns an besondere Momente der Berlinale im Wandel der Zeit. Und zur Festivalzeit lest ihr in unserer Berlinale-Rubrik alles Wichtige.
Was bringt die Zukunft?

Der Potsdamer Platz wurde weder ein atemberaubendes Stelldichein der modernen Architektur noch ein Berliner Manhattan mit Wolkenkratzern und dem Gefühl, man würde sich im Zentrum der Welt befinden. Irgendwie blieb alles etwas beschaulicher und langsamer als ursprünglich angenommen.
Ein Verkehrsknotenpunkt ist er wieder geworden, das schon, aber wie so oft in Berlin ist alles im Fluss. Die Potsdamer Arkaden sind zurück, heißen mittlerweile The Playce, und das Sony Center ist vorerst seinen offiziellen Namen los und heißt nur noch „Center am Potsdamer Platz“. Wie es unter dem doch recht spektakulären Dach in Zukunft weitergehen wird, sehen wir dann.
Mehr Berlin entdecken
Auch der Alexanderplatz ist berühmt: Eine fotografische Zeitreise ins turbulente Zentrum der Stadt. Hier widmen wir uns der Geschichte der Friedrichstraße sowie der Müllerstraße in Wedding und haben uns die historische Sonnenallee angeschaut. Außerdem haben wir die berühmteste Straße in Kreuzberg porträtiert: Viele Veränderungen hat die Oranienstraße erlebt – die Geschichte einer Straße. Immer spannende Texte über Berlins Vergangenheit lest ihr in unserer Geschichts-Rubrik.
Rapperin Zsá Zsá ist eine von 20 Künstlerinnen, die beim She Camp zum Schreiben und Netzwerken zusammenkamen. Männer hatten dort keinen Zutritt. Wir waren beim von Warner Chappell Music organisierten Writing Camp dabei.

Manchmal fühlt es sich für Dilla uns Zsá Zsá so an als wäre für Girls weniger Platz
Vom 3. bis 5. September hat Warner Music zum dritten Mal das She Camp veranstaltet, ein Songwriting-Camp ausschließlich für Rapperinnen, Produzentinnen und Songwriterinnen. Zum ersten Mal mit dabei war auch die Bad-Bunnies-Sängerin Zsá Zsá: „Ich fand’s mega nice, mal ein Camp nur mit Frauen zu machen, weil Musikproduktion sonst einfach sehr männerdominiert ist.“ Ihre erste Session absolvierte sie mit Produzentin und Künstlerin Dilla in den Kreuzberger Red Bull Studios. Auch Dilla kennt die Hürden in einer männlich geprägten Branche: „Manchmal fühlt es sich so an, als wäre für Girls weniger Platz.“
Zsá Zsá nickt: „Besonders bei Frauen im Rap gehen viele direkt davon aus, dass wir nichts draufhaben, und dann kommt sofort die Frage, wer eigentlich die Texte schreibt – oder bei Female Producers der Gedanke: ‚Ein Girl kann das eh nicht.‘ Frauen wird ständig abgesprochen, was sie können.“
Drei Tage Safe Space für Songwriterinnen beim SHE-Camp
Dass dieser Safe Space im Studio so entscheidend ist, betont auch Natascha Augustin, Gründerin des Camps und Managing Director des Verlags Warner Chappell Music, eine der wenigen Frauen in den Führungsetagen der großen Musikunternehmen: „Ich habe beim ersten Mal einfach gemerkt, was für einen Unterschied es macht, wenn dann nicht an irgendeiner Stelle ein Mann reinkommt und sagt: ‚Ich zeige dir mal, wie man das macht.‘ Und so läuft es halt in der Regel. Frauen lassen das oft auch zu, weil man es irgendwie auch so ein bisschen gelernt hat. Aber wir haben so viele Producerinnen hier – die können das alleine. Und das ist ganz wichtig, dass sie es dann auch alleine machen.“

Die Atmosphäre verändere sich sofort, wenn Männer außen vor bleiben, so Augustin: „Ist nicht schlechter, nicht besser, aber es ist einfach ein anderer Mindset. Niemand muss zum Beispiel den Bauch einziehen. Und das verändert auch die Texte.“
Das gelte nicht nur für den kreativen Prozess, sondern auch für die ganze Branche. „Also von allen Musikverlagen hier in Deutschland kenne ich nur mich und noch eine Frau, die Geschäftsführerinnen sind, alle anderen sind Männer. Und das ist bei Labels ja im Grunde genauso. Also das ist quasi repräsentativ, nicht nur für Rap, sondern natürlich für die ganze Branche.“ Camps begleite sie regelmäßig: „Es sind halt ungefähr 70 Prozent All-Male-Camps. Da ist nicht eine Frau.“
Den Zusammenhalt gibt es nicht nur im Studio: Rapperin Ikkimel lud kurzerhand alle Teilnehmerinnen des Camps zu ihrem Konzert ein. Auch wenn sie selbst nicht dabei sein konnte, war das Signal klar: Support statt Konkurrenz.
Männlich dominierte Festival-Line-ups: „Dass keine Frau dabei ist, fällt oft nicht mal auf“, sagt Rike van Kleef, die die erste Studie zur Repräsentanz auf deutschen Festivalbühnen durchgeführt hat und mittlerweile auch als tipBerlin-Redakteurin arbeitet. Deshalb jetzt hier nochmal: 12 wichtige Berliner Rapperinnen. Bock auf Konzerte? Hier gibt’s unsere Konzerthighlights für den September. Oder lieber direkt rein ins Nachtleben? In unserer Club-Rubrik findet ihr Partys in Berlin. Jede Woche neu: Hier meldet ihr euch für den tipBerlin-Newsletter an.
Wir zeigen euch 12 Gratis-Tipps im August: Ob DJ-Set im Museum, Workshop im Bundestag, Tanzdemo oder Freiluftkino – Berlin kennt kein Sommerloch. Und: Berlin muss nicht immer teuer sein.

- Durchlüften Festival (bis 1.+2., 7.–9.8.) Musik auf der Museumsinsel: An den ersten beiden Augustwochenenden spielen auf dem Innenhof des Humboldt Forums Bands, bevor abends DJs auflegen. Mehr Infos gibt’s hier.
- Freier Eintritt im DHM (1.8.) Zum Jahrestag des Warschauer Aufstandes lädt das Deutsche Historische Museum zum kostenlosen Besuch in den Pei-Bau ein. Außerdem erwarten euch Themenführungen durch Ausstellungen zu Wendepunkten deutscher Geschichte und zu Europa unter nationalsozialistischer Besetzung. Mehr Infos gibt’s hier.
- „The Quiet Space“ im Kraftwerk (1.-17.8.) Empfehlung für „The Brutalist”-Fans: Das Innere des riesigen Industriegebäudes wird zum frei zugänglichen Rückzugsort. Kein Telefonieren, kein Essen, kein Reden, sonst gibt es keine Regeln. Besucher:innen können die Ruhe genießen und – ganz im Sinne des ehemaligen Kraftwerkes – Energie auftanken. Mehr Infos gibt’s hier.
- ZKU Plant Stories (viele Programmpunkte im August, bis 4.10.) Das renovierte ZK/U in Moabit glänzt nicht nur mit seiner neuen Dachterrasse: Die interaktive Veranstaltungsreihe „Plant Stories” umfasst Workshops zu postkolonialen Perspektiven auf Botanik, Pflanzen-Druckkunst und Performances. Alles dreht sich um die Dynamik zwischen Mensch und Pflanze, viele Veranstaltungen sind kostenlos. Mehr Info gibt’s hier.
- Kompostkino im Prinzengarten (2.8.) Versteckt im dritten Hinterhof: Das improvisierte Freiluftkino zeigt „Mit der Faust in die Welt schlagen”, einen der diesjähriger Berlinale-Favoriten. Mehr Infos gibt’s hier.
- Berlin Beats im Hamburger Bahnhof (7.8.+14.8.+21.8.+28.8.) Eigentlich Museum, aber zur Zeit Berlins wohl beliebtester Open-Air Club – spätestens nach dem Auftritt der Berliner Techno-Legende Ellen Allien am 31.7. Donnerstags legen DJs im Garten des Museums auf, früh kommen lohnt sich. Mehr Infos gibt’s hier.
- Queeres Parkfest (9.8.) Das ehemalige LesBiSchwule Parkfest wurde umbenannt und findet beim Freiluftkino Friedrichshain statt. Queere Vereine und Initiativen sind mit Ständen vertreten, dazu gibt es Bühnenprogramm und Musik. Mehr Infos gibt’s hier.
- Kindl Filmscreening (20.8.) Gratis Freiluftkino auf dem Gelände des Kindl-Zentrums für zeitgenössische Kunst: Vier internationale (Kurz-)Filme drehen sich um Sehnsucht und Enttäuschung – bei Regen werden sie im Kesselhaus gezeigt. Mehr Infos gibt’s hier.
- Tag der offenen Tür der Bundesregierung (23.+24.8.) Wissensquiz zur EU, eine „blinde Auktion”, wo ihr Gastgeschenke aus aller Welt ersteigern könnt, oder eine Gesprächsrunde zur Russlandpolitik: Zwei Tage lang geben Ausstellungen, Führungen und Talks einen Einblick in die Arbeit der Bundesregierung. Mehr Infos gibt’s hier.
- Führungen im Schwerbelastungskörper (26.8.) Das 12.000 Tonnen schwere Betonbauwerk ist ein Relikt des nationalsozialistischen Größenwahns: Ende August bieten Historiker:innen Führungen zur verstörenden Geschichte des Geländes an. Mehr Infos gibt’s hier.
- Zug der Liebe (30.8.) Zehnjähriges: Unter dem Motto „10 Jahre Liebe – Gemeinsam für eine gerechtere Zukunft” startet die Tanzdemo am Mauerpark und setzt ein Zeichen für Gleichberechtigung und Nächstenliebe. Alles Wichtige über den Zug der Liebe 2025 lest ihr hier bei uns.
- radioeins Parkfest (30.8.–7.9.) Fuffifufzich, Betterov und Alli Neumann gehören zu den Highlights: Beim Gleisdreieck-Park erwarten euch neben Gratis-Konzerten auch Lesungen, Yogakurse und Comedy. Das Programm und mehr Info gibt’s hier.
- Nicht gratis, aber unverzichtbar: 12 Highlights im August in Berlin, die ihr nicht verpassen solltet
tipBerlin im August
Am Stadtrand wartet in Berlin sehr viel mehr Urlaub als in den meisten anderen Städten der Welt. Wir haben Seen, Wälder und Naturschutzgebiete. Wir haben Berge (zumindest so genannte), Dünen, Wasserbüffel, Fledermäuse, chinesische Gärten und sogar Mini-Versionen von Venedig. Und all diese Ziele können wir easy an einem Nachmittag bereisen, Hin- und Rückfahrt mit der S- oder U-Bahn inklusive. Mehr Feriengefühl in kürzerer Zeit geht nicht. Das schafft man trotz des wunderbaren Schlendrians, der im August in Berlin einzieht, wenn der Schulpflicht-Wecker nicht um 6.45 Uhr klingelt und die lauen Nächte lang sind. Machen wir uns also einen Bunten zwischen Wannsee und Müggelsee, bevor Berlin im September wieder richtig loslegt mit Veranstaltungen, die wir auf keinen Fall verpassen wollen. Schönen Urlaub!

Lust auf ein Konzert? Unsere Konzerttipps findet ihr hier. Öfter ins Museum: Museen und Ausstellungen in Berlin. Davon ist eine nur für kurze Zeit begehbar: Kunstausstellung in einer geheimen Tiefgarage am Ku’damm. Was Berlin täglich zu bieten hat, zeigen unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Jede Woche neu: Den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren.
Was ist los in Berlin im August 2025? Wir zeigen euch die Highlights des Monats, denn von Sommerloch ist keine Spur. Euch erwarten Performances bei Tanz im August, experimentelle Sounds bei Atonal, dazu Nachwuchsorchester, noch mehr gute Konzerte und die Lange Nacht der Museen.

- Vanya (1.–31.8.) Ex-„Tatort“-Kommissar Oliver Mommsen ist nun mit „Vanya“ – von Simon Stephens nach Tschechow – zu sehen. Die Produktion der Komödie am Kurfürstendamm macht den ganzen August über Station im Berliner Ensemble. Tickets gibt’s hier.
- TV Noir (1., 2., 8., 9., 14.–16.8.) Tex Drieschner, Gründer und Moderator der Singer-Songwriter-Show „TV Noir“, findet: „Berlin ist wie ein Butterbrot mit Käse. Also so normaler Emmentaler. Aber wenn man ganz viel Hunger hat.“ Im August ist er sieben Mal im Admiralspalast zu sehen, jeweils mit anderen Gästen, zum Beispiel Betterov am 8.8. Tickets gibt’s hier.
- Young Euro Classic (1.–17.8.) Das Festival mit Nachwuchsorchestern aus Europa und der Welt ist jedes Jahr im August ein Highlight im Konzerthaus Berlin. Den Abschluss empfiehlt Festival-Co-Leiter Alban Gerhardt besonders: „Die Musik des Afghan Youth Orchestra ist in ihrem Land verboten. Die Musiker mussten 2021 fliehen und fanden, nachdem die Musikschulen geschlossen und die Instrumente zerstört wurden, in Portugal Asyl.“ Mehr Infos gibt’s hier.
- Tanz im August (13.–30.8.) Ein Sommer-Kulturprogramm ohne dieses Festival ist gar nicht denkbar. Seit 37 Jahren versammelt „Tanz im August“ spannende Performances auf Berliner Bühnen – darunter viele Premieren. Karten könnt ihr hier bestellen. Mehr über die 2025er-Ausgabe von „Tanz im August“ lest ihr hier.
- Tokio Hotel (15.8.) Im März haben Tokio Hotel bereits in der Uber Eats Music Hall Halt gemacht, nun treten sie in der Wuhlheide auf. Motto des Konzerts in der Parkbühne: „20 Jahre durch den Monsun – The Big Anniversary Show“. Wer Glück hat, ergattert Restkarten, hier gibt’s mehr Infos.
- tipBerlin Sommerfest im Mühlenhof in Wedding (15.–17.8.) Feiert mit uns und dem Kiez! Im Innenhof der Müllerstraße 12 erwarten euch Food-Stände, Musik, Tango-Kurse und Freiluftkinoprogramm. Hier erfahrt ihr mehr über das Sommerfest im Mühlenhof.
- Pop-Kultur Festival (25.–30.8.) In Wedding und in der Kulturbrauerei präsentiert das Pop-Kultur Festival vom 25. bis 30. August den Stand der lokalen und internationalen Pop-Produktion. Neben Konzerten von Apsilon, Eli Preiss und Die Nerven gehören Talks, Auftragsarbeiten und interaktive Performances in der Çaystube zum Programm. Hier geht’s zur Website.
- Ufa Filmnächte (27.–29.8.) Drei Klassiker aus der Ära der Stummfilme sind auf der Museumsinsel zu sehen – und zwar mit musikalischer Live-Untermalung. Tickets gibt’s hier. Und wenn ihr noch mehr Filme unter freiem Himmel wollt: Hier ist das Freiluftkinoprogramm für Berlin.
- Atonal (27.–31.8.) Das Festival im Kraftwerk beginnt mit einer Formation, die auf New Yorker Avantgarde-Traditionen verweist: Ein Trio bringt Sonic Youths legendären Mitbegründer Lee Ranaldo mit Yonatan Gat und Peder Mannerfelt zusammen. Unvorhersehbar und improvisiert, elektronisch, experimentell, Beat-lastig und abenteuerlustig geht es auch an den folgenden Tagen weiter: Hier erfahrt ihr mehr.
- Scooter (29.8.) In der Waldbühne spielen die Berliner Philharmoniker traditionell zum Saisonabschluss die „Berliner Luft“ aus Paul Linckes Operette „Frau Luna“. Einen gleichnamigen Song haben jetzt auch Scooter im Gepäck – deren Waldbühnenkonzert dürfte unterhaltsam werden. Hier gibt es Tickets.
- Off Days (29.+30.8.) In der Zitadelle Spandau erwarten euch im August zwei Tage Musik unter freiem Himmel. Mit dabei sind Nelly Furtado, 070 Shake und Saint Levant. Mehr zu den Off Days lest ihr hier. Das Konzertwochenende findet ihm Rahmen des Citadel Music Festivals statt.
- Lange Nacht der Museen (30.8.) Mit einem einzigen Ticket könnt ihr so viele Museen, Ausstellungsorte und Gedenkstätten besuchen, wie in einer Nacht eben möglich sind: von A wie Alte Nationalgalerie bis Z wie Zeiss-Großplanetarium. Hier erfahrt ihr mehr über die Lange Nacht der Museen und bekommt Tipps für Highlights.
- Auch mal gar nichts ausgeben: 12 kostenlose Tipps für den August in Berlin gibt’s hier
tipBerlin im August
Am Stadtrand wartet in Berlin sehr viel mehr Urlaub als in den meisten anderen Städten der Welt. Wir haben Seen, Wälder und Naturschutzgebiete. Wir haben Berge (zumindest so genannte), Dünen, Wasserbüffel, Fledermäuse, chinesische Gärten und sogar Mini-Versionen von Venedig. Und all diese Ziele können wir easy an einem Nachmittag bereisen, Hin- und Rückfahrt mit der S- oder U-Bahn inklusive. Mehr Feriengefühl in kürzerer Zeit geht nicht. Das schafft man trotz des wunderbaren Schlendrians, der im August in Berlin einzieht, wenn der Schulpflicht-Wecker nicht um 6.45 Uhr klingelt und die lauen Nächte lang sind. Machen wir uns also einen Bunten zwischen Wannsee und Müggelsee, bevor Berlin im September wieder richtig loslegt mit Veranstaltungen, die wir auf keinen Fall verpassen wollen. Schönen Urlaub!

Lust auf ein Konzert? Alle unsere Konzerttipps findet ihr hier. Kulturhauptstadt Berlin erleben mit den Kulturtipps: Museen, Ausstellungen und Theater. Was Berlin täglich zu bieten hat, erzählen euch unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Jede Woche neu: Den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren.
FAYIM versteht seine Stimme nicht nur als Werkzeug, sondern als zentrales Instrument. Der 29-jährige Hamburger, der inzwischen in Berlin lebt, verbindet Pop mit Einflüssen aus Soul, R’n’B und Jazz – und bringt damit einen ganz eigenen Sound in die deutschsprachige Musiklandschaft. Gerade stand er mit der deutschen Soul-Queen Joy Denalane auf der Bühne, nun veröffentlicht er seine neue EP „Fokus“. Im Gespräch mit tipBerlin spricht FAYIM über seine musikalischen Wurzeln und erklärt, warum es ihm gerade als Schwarzer, queerer Künstler so wichtig ist, über Liebe zu schreiben.

FAYIM: Soul und R’n’B mit deutschen Texten
tipBerlin: FAYIM, wie hat deine musikalische Reise angefangen?
FAYIM: Musik war irgendwie schon immer da. Als Kind habe ich bei Studioproduktionen mitgemacht, meine erste war mit etwa neun Jahren für Die Sendung mit der Maus. Mit 16, 17 habe ich angefangen, als Backgroundsänger für andere Künstler:innen zu arbeiten – von Deutschrap bis Pop, sogar mal Schlager (lacht). Das hat meine gesanglichen Fähigkeiten geschärft und mir geholfen, herauszufinden, was ich für meine eigene Solokarriere will. Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt. Dafür steht auch mein neuer Song „Fokus“.
tipBerlin: Welche Künstler:innen oder Genres haben dich besonders geprägt?
FAYIM: Mariah Carey – besonders ihre Backgroundvocals und Vocal-Arrangements. Beyoncé natürlich auch. Viele weibliche Künstlerinnen haben meinen Sound beeinflusst. Klar, auch Joy Denalane, die deutschsprachige Soulmusik so krass nach vorne gebracht. Ich liebe auch die Clark Sisters, eine legendäre Gospelgruppe, und Take 6, ein Jazz-A-Cappella-Sextett – ihre Harmoniearbeit ist einfach next level. Ein Schlüsselmoment für mich persönlich war die Zusammenarbeit mit dem Rapper Camufingo. Vorher hatte ich wenig Bezug zu deutschsprachiger Musik, aber durch ihn habe ich gemerkt: Das funktioniert auch auf Deutsch – und richtig gut.
tipBerlin: Du schreibst nun selbst deine eigenen Songs auf Deutsch. Hast du auch mal überlegt, auf Englisch selbst zu schreiben?
FAYIM: Meine ersten Songs waren auf Englisch. Aber Deutsch ist meine erste Sprache – auch wenn mein Englisch sehr gut ist, berührt mich Deutsch einfach auf einer anderen Ebene. Deswegen habe ich dann für mich entschieden: Wenn ich schon authentisch sein will – und das ist mir wichtig – dann muss ich meine Geschichten auch auf Deutsch erzählen.
Auch queere Liebe darf leicht sein
tipBerlin: Das kann ich mir vorstellen, deine Songs sind ja oft ziemlich emotional. In deinem Song „Du fehlst“ verarbeitest du den Tod deines Vaters. Welche Themen beschäftigen dich besonders?
FAYIM: Ich bin gerade super verliebt – deshalb geht’s viel um Liebe. Mir ist wichtig, nicht nur über queere Traumata zu sprechen, sondern auch über Liebe, die sich leicht und schön anfühlt. Gleichzeitig spielt auch Trauer eine große Rolle. Ich habe mehrere Songs für meine Eltern geschrieben – das war fast heilend. Zu merken, dass andere sich darin wiederfinden, war unglaublich kraftvoll und hat mir gezeigt, dass in der eigenen Verletzlichkeit auch Stärke liegen kann. Gerade, weil ich früher oft das Gefühl hatte, mich klein machen zu müssen – obwohl ich 1,85 groß bin, was das nicht so leicht macht (lacht).
tipBerlin: Denkst du beim Schreiben darüber nach, wie ein Song bei der Außenwelt ankommen wird?
FAYIM: Es ist beides: Ich mache Musik, um meine Geschichten zu erzählen und Dinge zu verarbeiten. Natürlich frage ich mich manchmal: „Kann ich das wirklich sagen?“ Aber am Ende geht es um Ehrlichkeit – und die braucht Mut.
Die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen werden oft automatisch politisiert – egal, ob wir das wollen oder nicht. Allein durch das Erzählen unserer Geschichten entsteht schon etwas Politisches.
FAYIM
tipBerlin: Apropos Mut. In Zeiten eines spürbaren Rechtsrucks steht die queere Community unter Druck. Wie erlebst du es, als Schwarzer, queerer Künstler öffentlich sichtbar zu sein?
FAYIM: Das merkt man gerade sehr. Ich spiele am Samstag im Studio Я, ein paar hundert Meter vom Bundestag entfernt – dort wurde gerade beschlossen, dass zum CSD keine Regenbogenflagge mehr gehisst werden sollen. Rechtskonservative Kräfte gewinnen an Einfluss, und es wird versucht, rassistische und queerfeindliche Narrative wieder gesellschaftsfähig zu machen. Man sieht ja auch, dass Gewalt drastisch zunimmt, etwa Bedrohungen und Übergriffe durch Rechte gegen CSDs. Und dann wird gleichzeitig behauptet: „Die Hasskriminalität kommt von außen, von Migranten“ – Hä? Schaut euch doch mal an, was im Bundestag beschlossen wird. Das kommt von innen, aus der Mitte der Gesellschaft. In meiner Bubble ist das Feedback, das ich bekomme, sehr liebevoll. Aber sobald ich außerhalb dieser Community sichtbar werde, zum Beispiel auf YouTube, fällt direkt auf: mehr Dislikes, mehr ablehnende Kommentare. Man spürt schon, wie unterschiedlich die Reaktionen sind, je nachdem, wo man sich bewegt. Ich habe keine Lust, irgendwo aufzutreten und da stehen plötzlich Nazis im Publikum. Aber ich lasse mich von diesen Gedanken nicht einschüchtern. Es ist wichtig, dass wir sichtbar bleiben, dass wir laut bleiben.
Eine Hommage an May Ayim
tipBerlin: Woher kommt dein Künstlername?
FAYIM: Das F steht für meinen Nachnamen, und der Name ist angelehnt an May Ayim – eine afrodeutsche Dichterin und Aktivistin, die mich sehr geprägt hat. Bei ihr habe ich viele Parallelen zu meiner eigenen Geschichte entdeckt – sie hatte auch einen ghanaischen Vater, hat zeitweise in Hamburg gelebt, und es ging in ihren Texten um Identität, Sprache, Zugehörigkeit. Diese Kontinuität von Schwarzen Menschen in Deutschland, die ihre Geschichte durch Kunst und Sprache erzählen – das wollte ich mit meinem Namen aufgreifen. FAYIM ist also nicht nur ein Künstlername, sondern auch eine Hommage an die, die vor mir kamen und Geschichten, die weitergetragen werden sollen.
[Anm. d. Red. May Ayim, geboren 1960 in Hamburg, war eine Pionierin der afrodeutschen Bewegung. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände, darunter „blues in schwarz weiss“ (1995), in dem sie Themen wie Rassismus, Identität, Liebe und Zugehörigkeit poetisch verarbeitete. 1996 starb sie in Berlin durch Suizid. 2010 wurde das May-Ayim-Ufer in Kreuzberg ihr zu Ehren umbenannt.]
tipBerlin: Ist es dir wichtig, etwas Aktivistisches in deine Kunst reinzubringen – auch wenn es vordergründig um eher persönliche Themen geht?
FAYIM: Ja, irgendwie schon. Die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen werden oft automatisch politisiert – egal, ob wir das wollen oder nicht. Allein durch das Erzählen unserer Geschichten entsteht schon etwas Politisches. Deshalb würde ich sagen: Ja, meine Musik hat auf jeden Fall auch eine politische Ebene, auch wenn ich über sehr persönliche Themen schreibe.
tipBerlin: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
FAYIM: Dieses Jahr möchte ich noch mindestens eine EP veröffentlichen und nächstes Jahr auf Support-Tour gehen. Langfristig will ich ein eigenes Album machen und damit live spielen. Außerdem würde ich gern einen Ort mitgestalten, wo sich Schwarze, queere Jugendliche austauschen können – einen Raum für die Community, in dem Wissen und Ressourcen geteilt werden können. Und ja, ein Duett mit Mariah Carey wäre natürlich ein Traum. (lacht)
„Es gibt eine Community von Menschen da draußen, die dich feiern will“
tipBerlin: Welche Botschaft würdest du jungen Schwarzen Menschen mitgeben, die gerade anfangen, sich kreativ auszuleben?
FAYIM: Ich würde sagen: Die meisten Neins, die du hörst, sagen nichts über dich, deinen Wert oder dein Talent aus. Sie kommen aus Strukturen, die dich nicht wirklich sehen – oder nicht sehen wollen. Also: Lass dich nicht entmutigen. Es gibt eine Community von Menschen da draußen, die dich hören, sehen und feiern will – auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als wäre das nicht so. Und auch wenn die Bestätigung vielleicht nicht sofort kommt: Sie kommt. Und sie kommt oft aus Richtungen, mit denen du gar nicht gerechnet hast.
tipBerlin: Gibt es bald nochmal eine Gelegenheit, dich live zu sehen?
FAYIM: Am 27. August spiele ich beim Pop-Kultur Festival – ich eröffne sogar das Festival, was natürlich super aufregend ist. Ich trete mit einer vierköpfigen Band auf und thematisch geht es bei der Show um Trauerverarbeitung. Ich freue mich besonders darauf, musikalische Einflüsse meines Vaters mitzubringen: Er war selbst Musiker, das ist ebenso ein wichtiger Teil meines musikalischen Backgrounds. Seine Musik in die Performance einzubinden, ist für mich eine Art, ihn weiterleben zu lassen – auch auf der Bühne.
tipBerlin: Das klingt super schön und emotional.
FAYIM: Ja, das Ganze hat etwas sehr Persönliches. Ich habe während der Corona-Zeit 2020 angefangen, alte VHS-Kassetten zu digitalisieren. Da war ein Video dabei, in dem ich mit zwei Jahren einen seiner Songs gesungen habe. Das hat mich sehr berührt, und daraus hat sich die Idee entwickelt, das in die Show einfließen zu lassen. Es wird also eine sehr emotionale Performance. Und über die Beyoncé-Kollaboration erzähle ich euch dann beim nächsten Mal. (lacht)
- „Fokus“ EP Release-Show Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte, Sa. 28.6., 21 Uhr, Tickets hier
Mehr Musik
Wilde Hühner, böse Hasen – Zsá Zsá geht mit „bad bunnies“ viral. Herzlichen Glückwunsch: Berlins coolstes Underground-Pop-Label Mansions and Millions feiert Geburtstag. Sie hingegen feiert die lesbische Liebe: Die Berliner Rapperin Ebow im Porträt. Männlich dominierte Festival-Line-ups: „Dass keine Frau dabei ist, fällt oft nicht mal auf“, sagt Rike van Kleef, die die erste Studie zur Repräsentanz auf deutschen Festivalbühnen durchgeführt hat. Die mächtigste Frau in der deutschsprachigen Musikbranche ist Berlinerin: Wir haben Spotify-Chefin Conny Zhang zum Interview getroffen. „Das Album ist eine Liebeserklärung an Berlin, vielleicht noch mehr als das erste“, sagt Paula Hartmann. Wir trafen sie kurz vor der Veröffentlichung von „kleine Feuer“ zum Interview. Bloß nicht verpassen: Unsere Konzerte der Woche und die schönsten Festivals in und um Berlin.
Der Eingangs- und Außenbereich vom Club Renate ist ausgebrannt – und doch lässt sich der Club nicht kleinkriegen. Trotz Brandschäden geht die Renate dieses Wochenende, auch rund um die Fête de la Musique, wieder mit Partys an den Start. Alle Infos hier.

Brand im Club Renate: Teile vom Eingangs- und Außenbereich zerstört
Ein Schock für die Berliner Clubszene: In der Nacht vom 18. auf den 19. Juni stand der Eingangs- und Außenbereich vom Club Renate in Friedrichshain in Flammen. Wie eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel mitteilte, sollen Passanten gegen 2.14 Uhr den Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert haben. Auch von einem Knallgeräusch, das Anwohner:innen vernahmen, ist die Rede. Mehr als 50 Einsatzkräfte eilten nach Alt-Stralau. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes keine Personen im Gebäude, auch ein Übergreifen der Flammen auf den Innenbereich konnte verhindert werden. Niemand wurde verletzt.

Wie es zu dem Brand kam, ist bisher noch unklar. Das Brandkommissariat des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen aufgenommen. Videos in den sozialen Medien dokumentieren die Größe des Brandes. Dort ist unter anderem zu sehen, wie die Feuerwehr mit Blaulicht anfährt, während Teile des Vordergartens des Clubgeländes in Flammen steht. Mehrere Stunden waren die Einsatzkräfte vor Ort. Bis ca. 5 Uhr morgens musste die Straße rund um den Club Renate gesperrt werden, wie eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel berichtet.
Als um 8.30 Uhr alle Löscharbeiten beendet wurden, ist erstmals das gesamte Ausmaß des Schadens zu sehen: Der Außenzaun ist genauso wie die Hütte im Außenbereich, dem „Renate Garten“, komplett abgebrannt. Die an den Garten angrenzende Hausfassade ist verrußt. Der Einlass wird ab sofort zum Gartentor an den Markgrafendamm verlegt. DJ-Pult, Bar und Technik sind unversehrt. Das Gebäude selbst, in dem der eigentliche Club betrieben wird, kam ebenso glimpflich davon. „Wir sind schockiert. Dieser Vorfall trifft uns direkt vor einem unserer größten Wochenenden im Jahr“, sagt Caitlin, Pressesprecherin vom Club Renate in einer Mitteilung.
Club Renate feiert trotz Schäden am Wochenende weiter
Doch obwohl die ersten Bilder zum Brand beunruhigend wirkten, kann erstmal aufgeatmet werden: „Wir sind erleichtert sagen zu können, dass die Lage weniger dramatisch ist, als es zunächst schien“, so Caitlin weiter. Nach Schadensbegutachtung und Rücksprache mit den Behörden öffnete der Friedrichshainer Club bereits am Abend des 19. Juni wieder. Auch am Wochenende wird die Renate Clubnacht mit den Acts Bella, Big Wett, Niki K., Síofra, Leon Licht und weiteren wie gewohnt fortgesetzt. Zum jährlichen Kultur-Highlight der Fête de la Musique (21. Juni) findet sowohl auf den Floors im Außen- als auch im Innenbereich ein Programm statt, bei dem unter anderem die Bierbabes, 365 fe*male MCs, Anna Logic, DJ Eivissa, Magdalena May und viele weitere Musik machen. „Wir möchten unser Glück feiern, dass wir entgegen aller Widrigkeiten wieder öffnen können“, so Caitlin weiter.

Die Renate (früher Wilde Renate) befindet sich in einem ehemaligen Wohnhaus an der Elsenbrücke und ist seit 2007 ein fester Bestandteil im Nachtleben der Hauptstadt. Die Dancefloors des Clubs verteilen sich auf verwinkelten Etagen, in einzelnen Zimmern kann zwischen Sofas und Lampen getanzt werden und im Außenbereich werden im Sommer Partys gefeiert. Die Venue an der Spree ist in Berlin eine wahre Techno-Institution. Doch im vergangenen August verkündete der Club Renate sein Aus, nachdem der Mietvertrag mit dem Immobilienriesen Gijora Padovicz nicht verlängert wurde. Ein weiterer Verlust für die Szene, die ohnehin schon wegen Gentrifizierung, Inflation und unkontrollierbarer Mietpreise vor schwierigen Zeiten steht. Auch das Watergate hatte vergangenes Jahr wegen diverser Gründe schließen müssen. So lange die Renate jedoch noch da ist, wird sie auch kämpfen.
- Club Renate Alt-Stralau 70, Friedrichshain, mehr Infos hier
Neuer Open-Air-Club: Die Re:mise eröffnet in neuer Location. TXL öffnet das Gate: Auf dem ehemaligen Flughafengelände wird im Sommer wieder getanzt. Feiern gehen? Wir zeigen euch die besten Techno-Clubs der Stadt. Auf der Suche nach neuen Outfits? Diese Rave-Wear-Läden in Berlin statten euch mit Mode für Clubnächte aus. DJ-Legende, Clubbetreiber, Techno-Papst: Sven Väths Bildband zeigt vier Jahrzehnte Technokultur. Hier könnt ihr unter freiem Himmel tanzen: Die besten Clubs mit Außenbereich. Lust, am Wochenende auszugehen? Hier sind unsere Tipps für Clubs und Partys am Wochenende. Berghain Vibes in Wuppertal? Der Technoclub Open Ground zeigt wie es geht.
Das erste Open-Air im Mai war bereits ein Erfolg, nun gehen die Watergate-Exil-Raves im Sage Beach in die nächste Runde. An insgesamt vier Terminen finden die Veranstaltungen an der Köpenicker Straße statt. Ein starkes Lebenszeichen einer Club-Institution, die selbst nach der Schließung ihres legendären Standortes an der Oberbaumbrücke nicht bereit ist, das Kapitel im Berliner Nachtleben zu beenden. Die nächste Party steigt am Samstag, den 14. Juni. Alle Infos hier.

Das Watergate kehrt mit einer Open-Air Reihe an den Sage Beach zurück
Die letzte Träne vom Watergate Closing vergangenes Jahr ist noch nicht getrocknet, da kehrt das Team hinter dem geschlossenen Club mit einer Eventreihe zurück. Unter dem Motto „Don’t Stop The Dance” hostet das Watergate-Team vier Partys im Mai, Juni, Juli und August im Sage Beach. Für viele ist das mehr als nur ein Open-Air Rave: Das Comeback ist ein starkes Lebenszeichen einer Club-Institution, die selbst nach der Schließung ihres legendären Standortes an der Oberbaumbrücke nicht bereit ist, das Kapitel Berliner Nachtleben zu beenden.
Ein emotionaler Moment der zeigt, dass Clubkultur lebendig bleibt, selbst wenn ihre Räume verschwinden. Auch wenn es nur bei einem temporären Comeback an der Köpenicker Straße bleibt. Die drei Watergate Gründer Ulrich Wombacher, Steffen Hack und Niklas Eichstädt öffneten den Club direkt am Spreeufer im Jahr 2002. Mit der großen Glasfront, der LED-Decke und dem hochkarätigen Booking hat sich die Venue so etwas wie einen Legendenstatus erarbeitet, der weit über die Grenzen Berlins hinausging. Die Schließung des Watergate im vergangenen Jahr hat eine große Lücke ins Berliner Nachtleben gerissen.
Das Line-up bringt echte Watergate-DNA unter freiem Himmel

Umso schöner ist es, dass sich das Watergate nun mit einer Open-Air Reihe zurückmeldet. In einer Ankündigung hieß es: „Nachdem der letzte Track verklungen und die Lichter ausgingen, wussten wir nicht, wann und wie wir wieder zusammenkommen würden. Jetzt wissen wir es. Wir haben dasselbe Team, dieselbe Energie und denselben Glauben an unvergessliche Momente.“ Nachdem das erste Open-Air am 24. Mai erfolgreich im Sage Beach gestartet ist, findet am Samstag, den 14. Juni an derselben Location die nächste Party unter freiem Himmel statt.
Dieses Wochenende im Zentrum steht das weltweit gefeierte DJ Duo Bedouin, das für seinen tiefen, hypnotischen Sound bekannt ist. Begleitet werden sie von dem DJ Duo Andhim und der DJ Aglaja Brix, die für ihre unverwechselbar energetischen Sets bekannt ist. Auf dem zweiten Floor legt Jamiie als Headliner auf, gemeinsam mit Moogli bringen sie mit ihren charakteristischen, emotionsgeladenen Sound die Containerbühne zum beben. Für den 5. Juli sind unter anderem DJ Norma B2B Greta Spark, Mike Starr, Natalie Robinson und Power Squad gelistet. Das Line-up für die letzte Partys am 16. August wird noch bekanntgegeben.
- Watergate Open-Air Sage Beach, Köpenicker Str. 20, Kreuzberg, 14.6., 5.7., 16.8., 14-22 Uhr, 20-28 €, mehr Infos und Tickets hier auf Resident Advisor
Hier könnt ihr unter freiem Himmel tanzen: Die besten Clubs mit Außenbereich. Neuer Open-Air-Club: Die Re:mise eröffnet in neuer Location. TXL öffnet das Gate: Auf dem ehemaligen Flughafengelände wird im Sommer wieder getanzt. Feiern gehen? Wir zeigen euch die besten Techno-Clubs der Stadt. Auf der Suche nach neuen Outfits? Diese Rave-Wear-Läden in Berlin statten euch mit Mode für Clubnächte aus. DJ-Legende, Clubbetreiber, Techno-Papst: Sven Väths Bildband zeigt vier Jahrzehnte Technokultur. Hier gibt es schlechte Nachrichten: Der Club Renate steht vor dem Aus. Lust, am Wochenende auszugehen? Hier sind unsere Tipps für Clubs und Partys am Wochenende. Berghain Vibes in Wuppertal? Der Technoclub Open Ground zeigt wie es geht.
Martin Wuttke ist in René Polleschs „Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“ zu sehen. Berlin-Premiere des in Zürich uraufgeführten Stücks ist am 24. Oktober in der Volksbühne. tipBerlin-Redakteurin Irene Bazinger hat den Schauspieler interviewt und mit ihm über die Theaterarbeit, den Knacks, Zigaretten vorm Café und den im Frühjahr viel zu früh verstorbenen Regisseur und Volksbühnen-Intendanten gesprochen.

In „Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“ geht es um den menschlichen Knacks
tipBerlin Herr Wuttke, Sie spielten Ende 2018 in Zürich in René Polleschs Inszenierung seines Stücks „Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“. Jetzt wird diese Aufführung an die Volksbühne geholt.
Martin Wuttke Ja, nach dem unerwarteten Tod von René Pollesch im Februar wollten wir nicht länger warten. Denn wir hatten schon längst vor, diese Produktion im Prater zu zeigen, aber den können wir leider seit vielen Jahren nicht nutzen. Deshalb spielen wir sie nun in der Volksbühne, auch wenn die größer ist als die Zürcher Bühne. Wie bei der Uraufführung stehen Kathrin Angerer, Marie Rosa Tietjen und ich auf der Bühne. Das originale Bühnenbild von Barbara Steiner hatten wir ohnedies schon gekauft.
tipBerlin Worum geht es in diesem Stück?
Martin Wuttke René hatte damals den autobiografischen Essay „Der Knacks“ von F. Scott Fitzgerald angeschleppt, der 1936 in drei Teilen im „Esquire“ erschienen ist. Fitzgerald schrieb ihn in einer Art Lebenskrise. Er spricht darin von einem Riss, so etwas wie einem Sprung in der Schüssel, den eine Person erleidet, ohne dass sie groß verletzt ist, ohne dass die anderen diesen Knacks wahrnehmen. Wie kann das sein, was kann das sein? Damit haben wir uns beschäftigt. Es war schön, darüber nachzudenken, ob es im Theater, wo ja normalerweise die großen Dramen verhandelt werden, auch um so etwas Kleines gehen könnte.
tipBerlin Wie hat das dann konkret ausgesehen?
Martin Wuttke Wir haben uns zum Beispiel überlegt, was man mit einer Tasse tut, die plötzlich einen Sprung hat. Man möchte sie nicht wegschmeißen, aber man stellt sie vielleicht nicht mehr in die Spülmaschine – und auch nicht mehr in die erste Reihe im Geschirrschrank. Infolgedessen haben wir uns damit auseinandergesetzt, wie man mit sich selbst umgeht, wie man mit den anderen umgeht.
tipBerlin Klingt nach einer latenten Existenzkrise bei allen Beteiligten?
Martin Wuttke Nein, das war erstmal alles gar nicht psychologisch gemeint, sondern es war rein materialistisch ein Gespräch darüber, was so ein Knacks ist – kann man sich dafür im Theater interessieren, könnte man im Theater darüber sprechen? Was sind das für Merkwürdigkeiten, die zwar klein sind, aber trotzdem die ganze eigene Disposition, das Verhältnis zum Leben verändern können? Das ist im weitesten Sinne das Thema des Abends geworden. Der hatte allerdings, obwohl die Proben lustig und inspirierend waren, eine melancholische Unterströmung.
tipBerlin Und was hat es mit „Manzini“ im Titel auf sich?
Martin Wuttke Das bezieht sich auf ein Café in Wilmersdorf, in dem Pollesch und ich oft zusammensaßen. Im Winter gab es ein Zelt für Raucher:innen vor dem Eingang, das war für uns sehr angenehm, weil man dort nicht erfroren ist, wenn man für ein paar Zigaretten vor die Tür ging.

tipBerlin Pollesch hat über 200 Stücke geschrieben und verboten, dass andere Regisseur:innen sie inszenieren.
Martin Wuttke Das war sehr konsequent, denn seine Stücke sind immer in enger Kommunikation mit den beteiligten Künstler:innen entstanden, sozusagen zwischen ihnen. In den Aufführungen ging es substanziell um die Beteiligten und die Verbindungen und Verknüpfungen zwischen ihnen. Und die finden sich nicht nur in den Texten, im Manuskript wieder. Sie lassen sich nicht nachlesen und ohne weiteres übertragen. Viele Textabschnitte sind Transkriptionen oder Bearbeitungen von Gesprächen, die während der Proben geführt wurden. Daran müssen wir uns jetzt bei den ‚Manzini-Studien‘ wieder gegenseitig erinnern – ohne ihn.
tipBerlin Wenn die Schauspieler:innen etwas nicht auf der Bühne sagen wollten, was Pollesch geschrieben hatte, würde er es einfach weglassen, erzählte er oft in Interviews.
In dem nicht enden wollenden Strom von Produktionen, die Pollesch geschaffen hat, ist ein bisschen untergegangen, dass er auch ein wichtiger Theatertheoretiker war. Er hat Themen ins Theater gebracht, die es damals nicht gab, die ganze Genderproblematik zum Beispiel. René did it first.
Martin Wuttke
Martin Wuttke Das stimmt. Er konnte diese Großzügigkeit an den Tag legen, weil es ihm nie darum ging, rein textlich ein ultimatives Meisterwerk zu schaffen. So etwas wie ein Well-Made-Play hat ihn nie interessiert. Wichtig war viel mehr eine Auseinandersetzung mit Fragen, die das jeweilige Ensemble beschäftigten, und dem, was die Bühnenbildner:innen und Kostümbildner:innen beitrugen. Das Stück stand eben nicht nur im Manuskript. So war das im postdramatischen Theater, wie er es verstand: Alles ist Text.
tipBerlin Hat diese Aufhebung der Textdominanz auch eine politische Dimension?
Martin Wuttke Unbedingt! In dem nicht enden wollenden Strom von Produktionen, die Pollesch geschaffen hat, ist ein bisschen untergegangen, dass er auch ein wichtiger Theatertheoretiker war. Er hat Themen ins Theater gebracht, die es damals nicht gab, die ganze Genderproblematik zum Beispiel. René did it first. Er hat Fragen der Repräsentation auf der Bühne verhandelt und es gab wohl keine Zeile, die nur ein Mann oder nur eine Frau sprechen konnte, denn es ging ihm um die Inhalte und nicht darum, wer sie sagt. Neben den Interviews, in denen er sich dazu geäußert hat, gibt es auch eine Art theoretisches Werk, „Der Schnittchenkauf“, in dem er auf Brechts „Messingkauf“ antwortet. Vielleicht bringen wir’s noch auf die Bühne.
tipBerlin Sie haben in vielen von Pollesch Stücken gespielt – wie kamen Sie eigentlich zueinander?
Martin Wuttke Er hat mich schon als junger Schauspieler in Frankfurt am Main gesehen, da war er noch Student am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Meine erste große Rolle war 1985 der Hamlet in der Regie von Holger Berg. Die Aufführung war ein großer Erfolg, auch René hat sie gemocht. Wir blieben immer in Verbindung. 2004 habe ich dann erstmals bei ihm in „1000 Dämonen wünschen dir den Tod“ gespielt, dem Auftakt der „Prater Saga“ in Berlin.
tipBerlin Sie wurden zu einem engen Arbeitspartner für René Pollesch. Nun ist er tot, wie andere für Sie wichtige Regisseur:innen, Christoph Schlingensief, Ruth Berghaus …
Martin Wuttke … Heiner Müller, Einar Schleef …
tipBerlin Und Alvis Hermanis ist abgetaucht. Wie bewahren Sie sich da die Freude an Ihrem Beruf?
Martin Wuttke über René Polleschs Tod: „Plötzlich ist da eine Leerstelle“
Martin Wuttke Es wird schwieriger. Ich hatte das wahnsinnige Glück, in meiner Arbeit immer so tolle Partner:innen getroffen zu haben, die mich geprägt haben. Irgendwann fragt man sich: Will ich dieses Spektrum wirklich erweitern? Ich kann mir schwer vorstellen, noch einmal auf die Suche nach solchen Impulsgeber:innen zu gehen.
tipBerlin Welche Folgen lassen sich ein gutes halbes Jahr nach dem Tod von René Pollesch feststellen?
Martin Wuttke Polleschs Tod hat viel verändert. Bisher hat man sich darauf verlassen können, dass es ihn und sein Theater in der Welt gibt. Plötzlich ist da eine Leerstelle. Man orientiert sich ja auch zueinander. Und da fehlt jetzt jemand ganz entscheidender.
Die Welt ist eben nicht zugemauert! Man muss nur einen anderen Approach finden, um damit umzugehen.
Martin Wuttke, Schauspieler
tipBerlin Eine bestimmte ästhetische Farbe ist weg.
Martin Wuttke Und eine bestimmte Form von Denken ist verschwunden und damit auch eine spezifische Arbeitspraxis. Die ist nicht zu kopieren. René war außerdem immer ein guter Partner, um sich selbst zu erziehen und aufmerksam auf das zu werden, was man ignorieren wollte, was sich hinter dem Rücken abspielte, wofür man kein Bewusstsein hatte. Und wofür man vielleicht nicht den gesunden Menschenverstand als Werkzeug braucht, sondern Theorie, um sein eigenes Leben anders zu begreifen und Türen aufzustoßen, von denen man gar nicht gewusst hatte, dass sie existieren: Die Welt ist eben nicht zugemauert! Man muss nur einen anderen Approach finden, um damit umzugehen.
tipBerlin Seit dem Tod des Intendanten René Pollesch hat die Volksbühne keine Intendanz und soll diese laut Ausschreibung auch erst wieder ab 1. August 2027 bekommen.
Martin Wuttke Keine Ahnung! Ich frage mich aber, was soll bis dahin geschehen? Drei Jahre Interregnum an so einem bedeutenden Haus? Ich jedenfalls stehe dafür nicht zur Verfügung. 1995 habe ich nach dem Tod von Heiner Müller kurzzeitig die Intendanz des Berliner Ensembles übernommen, das hat mir gereicht, bis heute.
- „Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“ an der Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Do 24.10., 19.30 Uhr (Premiere), So 27.10., 19.30 Uhr, Karten und weitere Infos hier
Ein unbeschreiblicher Verlust für die Theaterwelt: Ein Nachruf auf René Pollesch. In unserer Übersicht findet ihr Theaterbühnen für jeden Geschmack. Manche von ihnen sind Geschichte: Historische Theater und Opernhäuser in Berlin, die es nicht mehr gibt. Was sonst noch so los ist auf Berlins Bühnen, findet ihr in unserer Übersicht über aktuelle Termine und Texte rund um Kultur und Theater.
Grahame Patrick Doyle gehört zu den besten Elvis-Imitatoren der Welt. Fast jeden Tag steht er als „King of Rock ’n‘ Roll“ auf der Bühne. Nun ist er mit „Elvis – Das Musical“ im Estrel zu sehen. Seine Show ist mehr als eine Kopie.

Ein Leben zwischen Hotelzimmer und Showbühne
tip-Büro, kurz vor Feierabend, der King ruft an. Grahame Patrick Doyle sitzt im Innenhof eines Hamburger Hotels, trägt Basecap und Polo-Shirt – zwei Stunden hat er noch bis zur großen Show. Es ist Mitte August, sechs Wochen bleibt er in Hamburg. Jeden Tag, außer Montag, steht er zwei Stunden auf der Bühne des St. Pauli Theaters. Danach geht es nach Berlin, ins Estrel, „my second home“, wie der Musiker sagt. Sein Graceland quasi. Einmal blieb er hier elf Jahre am Stück, lebte zwischen Hotelzimmer und Showbühne. Wenn er in den goldenen Anzug, den All-White-Einteiler und all die anderen berühmten Elvis-Outfits steigt, ist er der King der Tribute-Show „Stars in Concert“.
Im „Heartbreak Hotel“ an der Sonnenallee wechseln sich seit der Uraufführung 1997 die weltbesten Imitator:innen ab, singen gemeinsam Weihnachtslieder, bringen etwas Las Vegas in die unglamouröseste Ecke von Neukölln. Louis Armstrong, Aretha Franklin, Blues Brothers, Marilyn Monroe, Michael Jackson, Cher, Robbie Williams, Madonna – starke Konkurrenz aus allen Jahrzehnten der Pop-Geschichte, doch Elvis ist nun mal Elvis.

2027 ist der echte King ein halbes Jahrhundert tot. Trotzdem erscheinen bis heute ständig neue Blockbuster, Dokumentationen, Bücher, Vinyl-Boxen, Compilations und Fan-Artikel. 2022 hat Baz Luhrmann Elvis’ Leben verfilmt, und 2024 erschien mit Sofia Coppolas „Priscilla“ eine Art Gegenstück. Sogar die Rolle des Elvis-Doubles taucht öfters in Filmen und Serien auf. In der Komödie „Elvis Has Left the Building“ werden die Imitatoren zur Bedrohung. In der Biker-Serie „Sons of Anarchy“ tritt einer der Protagonisten gelegentlich als Clubhouse-Elvis auf, unvergesslich sind auch die Elvis-Stuntmänner in „Absolute Giganten“. Das Interesse klingt nicht ab, der King of Rock’n’Roll ist allgegenwärtig.
Elvis-Imitator Grahame Patrick geht auf die Bühne wie andere ins Büro
„Ich wünschte, er würde noch leben, dann hätte ich weniger zu tun“, sagt der „best Elvis since Elvis“, wie Doyle immer wieder bezeichnet wird. „Ich gehe auf die Bühne wie andere ins Büro. Allerdings bekomme ich Applaus dafür.“ Ein Traumjob? Der Blick auf seine Biografie zeigt, dass man auf dem Weg an die Spitze ein richtiger „Hound Dog“ sein muss. Bevor der gebürtige Ire auf die Tribute-Industrie stieß, zog er mit Irish-Folk und Rock’n’Roll durch die Bars und Clubs von Toronto. Schon immer war er ein großer Elvis-Fan gewesen. „Ich kannte meinen Helden gut genug, um seine Tricks zu lernen.“ Das Zucken in der linken Oberlippe, die Rubber Legs und natürlich den Hüftschwung. Plötzlich hieß es „Viva Las Vegas“. In der Stadt der Sünde spielte er 18 Jahre lang bei „Legends in Concert“ mit, der berühmtesten Tribute-Show der Welt. Sieben Jahre davon zwei Auftritte pro Nacht. „Meine Kostüme hatten nicht mal Zeit zum Trocknen“, sagt der Power-Performer. Presleys Motto „Taking Care of Business“ gilt auch für seine Nachfolger.
„Elvis – Das Musical“: Sogar ein alter Wegbegleiter vom King ist dabei

Seit 2004 tourt Doyle mit „Elvis – Das Musical“ um den Globus. Originalaufnahmen, Choreografien und Schauspielszenen führen durch das Leben des ersten globalen Superstars der Welt. Sogar ein alter Weggefährte des Kings ist dabei: Ed Enoch stand mit dem Stamps Quartet bei mehr als tausend Konzerten neben dem echten Elvis auf der Bühne und sang bei Hits wie „Always On My Mind“ und „Burning Love“ mit. „Es ist eine unglaubliche Ehre“, sagt sein neuer Frontsänger, „ich verstehe, warum Elvis so viel von ihm hielt.“
Doyle lernt immer noch und jagt nach der perfekten Show. Denn sein Job ist kein Nachmachen, sondern eine Charakterstudie und Hommage: Er tanzt, singt, schwitzt, spielt Gitarre, treibt seine Band an, holt alte Stars auf die Bühne, bringt Fans zum Weinen und Lachen, und beweist vier Tage die Woche, warum Elvis unsterblich ist. Alles live, alles echt und persönlich gefärbt. „Auch wenn ich im Kostüm stecke, bin ich doch ich selbst.“
- Elvis – Das Musical Estrel Showtheater, Sonnenallee 225, Neukölln, bis 28.9.2025, Premiere war 2004, seitdem regelmäßig Wiederaufnahmen im Estrel und an vielen Orten weltweit, Tickets ab 49 €, online
Von Buschkowsky bis Frank Zander: Wir stellen euch Berühmtheiten aus Neukölln vor. Am Estrel entsteht derzeit das höchste Gebäude der Stadt. Einen schwindelerregenden Hochhaus-Überblick haben wir hier für euch. Lust auf Musik? Alle Konzert-Tipps fürs Wochenende in Berlin findet ihr hier. Was diese kleine Agentur tut, ist beachtlich: Viele Karrieren beginnen bei amStart von Konzertveranstalter Ran Huber. Die Berliner Jazzszene pulsiert: Diese Jazz-Clubs und Jazz-Bars in Berlin servieren beste Klänge. Berlin und Musik passen einfach zusammen, wie die Berliner Hip-Hop-Geschichte in Bildern zeigen.
Als Schauspieler ist Robert Stadlober gut bekannt, dass er schon lange auch Musik macht und ein Label betreibt, wissen eher die Fans. Jetzt hat sich der Österreicher, der in Berlin aufgewachsen ist und mittlerweile in Wien lebt, dem legendären Satiriker, Publizisten und Schriftsteller Kurt Tucholsky angenommen, und aus dessen Texten ein wunderbares Album mit dem Titel „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“ gemacht, dass im August bei Staatsakt erschienen ist. Aktuell ist Stadlober mit den Tucholsky-Songs auf Tour und wird im ehrwürdigen Renaissance-Theater auftreten.

Robert Stadlober: „Berlin ist ein einziger, riesiger Melting Pot.“
tipBerlin Herr Stadlober, zu Tucholsky kommen wir gleich. Man kennt Sie ja in erster Linie als Schauspieler, dabei begleitet Musik Sie eigentlich schon immer. Sie lernten als Kind Geige, spielen in Bands, betreiben ein Label. Wollten Sie mal Musiker werden?
Robert Stadlober Ich würde behaupten, dass ich immer Musiker war. Musiker ist man ja ab dem Moment, wo man ein Instrument in die Hand nimmt und irgendwelche Klänge da rausholt. Mein größter Traum war als Teenager, weltweit mit meiner Grunge-Band die Menschen zum Weinen zu bringen. Aber dann ist die Musikindustrie kollabiert und es wurde klar, dass ich zum Brötchenverdienen noch was anderes machen muss.
tipBerlin Sind Sie im Nachhinein froh, dass es nicht so richtig hingehauen hat mit der Musik?
Robert Stadlober Ja, ich bin sehr zufrieden. Dadurch konnte ich halt auch die Musik machen, die ich machen wollte und hatte da keine großen kommerziellen Ansprüche von irgendwelchen Instanzen von außen.
Stadlober sing Tucholsky: „Mein John Cale ist acht Jahre alt und ein Mädchen. “
tipBerlin Jetzt also Tucholsky, Vertonungen von den Gedichten des großen Berliner Publizisten, kritischen Autors und Dichters. Aber warum er, warum jetzt?
Robert Stadlober Vor zwei Jahren habe ich einen Kinofilm gemacht, in dem ich Joseph Goebbels gespielt habe („Führer und Verführer“, Kinostart war am 11. Juli, Anm. d. Red.) und danach war ich ganz schön voll mit Nazi-Dreck, mit dem ich natürlich da arbeiten musste. Und dann bekam ich von einem Festival in Stuttgart das Angebot, ein Tucholsky-Programm zu machen.
tipBerlin Daraus entstand die Platte „Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut“?
Robert Stadlober Nicht sofort, zuerst habe ich gedacht, ich mache eine Zusammenstellung meiner liebsten Prosatexte und vielleicht schaffe ich noch ein, zwei Lieder. Doch da hatte ich mir gerade eine neue Gitarre gekauft, und in der neuen Gitarre waren viel mehr Lieder drin, und so wurde es aus Versehen eine Platte.
tipBerlin Wie sind Sie bei den Arrangements vorgegangen? Ich höre Bob Dylan und Element of Crime heraus und auch eine Velvet-Underground-Geige.
Robert Stadlober Ja, die Geige hat meine Tochter gespielt. Mein John Cale ist acht Jahre alt und ein Mädchen. Das stimmt alles, und ich würde noch Tom Petty dazunehmen. Tucholsky ist dieser Ur-Berliner, aber es gibt in seinen Gedichten relativ viele Anglizismen, der hat sich sehr für die USA interessiert und für die aufkommende Jugendkulturen, Swing und Jazz und so, er war nicht so eng eingezäunt in einem deutschen Jägerzaun wie andere in der Zeit.
tipBerlin Was hat Tucholsky uns heute zu sagen?
Robert Stadlober Viele Texte beschäftigen sich mit Berlin, zumindest oberflächlich. Aber eigentlich sind die Gedichte immer auch eine Metapher fürs große Ganze. Für die Stadt, in die aus allen Gegenden der Welt damals schon die Leute hingereist sind und dort für kurze oder längere Zeit gelebt haben. Berlin ist ein einziger, riesiger Melting Pot. Mit all den Vor- und Nachteilen. Das ist eine Metapher für Energie, für Freiheit, für Kunst, für dieses Durcheinanders und das Nebeneinander von verschiedenen Lebensentwürfen.
- Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut Robert Stadlober vertont Texte von Kurt Tucholsky, die Platte erschien am 30.8. auf Staatsakt
- Renaissance-Theater Knesebeckstr. 100, Charlottenburg, Mi 11.9., 19.30 Uhr, weitere Informationen hier
Bloß nicht verpassen: Unsere Konzerte der Woche und die schönsten Festivals in und um Berlin. Was diese kleine Agentur tut, ist beachtlich: Viele Karrieren beginnen bei amStart von Konzertveranstalter Ran Huber. Immer gut über das Leben in Berlin informiert: Abonniert jetzt unseren wöchentlichen tipBerlin-Newsletter. Was ist noch los? Hier sind die besten Veranstaltungen heute in Berlin. Bisschen vorplanen: Alle Konzert-Tipps fürs Wochenende in Berlin findet ihr hier.
Was geht im August 2024 in Berlin? So viel sei schon mal gesagt: Ein Sommerloch ist in der Hauptstadt nicht zu erwarten. Wir feiern 100 Jahre S-Bahn mit einem Festival, freuen uns auf klassische Musik im Konzerthaus, tanzen ausgelassen beim Pop-Kultur-Festival und sind auf allen Raves der Stadt anzufinden. Hier sind unsere 12 Event-Highlights im August.

- S-Bahn-Festival (8.-11.8.) 100 Jahre Berliner S-Bahn! Das muss gefeiert werden. Das S-Bahn-Festival wird an drei Tagen kostenlose Veranstaltungen an mehreren Berliner Stationen veranstalten. Natürlich wird sich alles um die elektrisch betriebenen Züge drehen. Übrigens würdigen wir den runden Geburtstag in unserer brandneuen tipBerlin-Ausgabe mit einer Titelgeschichte – im Online- Shop könnt ihr das Heft bestellen. Mehr Infos hier
- West Eastern Divan Orchestra (9.8.) Musiker:innen aus Israel, Palästina und anderen arabischen Ländern spielen im West-Eastern Divan Orchestra seit vielen Jahren auf der ganzen Welt gemeinsam Konzerte. Anfang August auch in der Waldbühne in Berlin. Die Künstler:innen setzen sich für eine friedliche Lösung im Nahostkonflikt ein. Unter anderem ist der weltberühmte Pianist Daniel Barenboim und die Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter zu sehen und hören. Mehr Infos und Tickets findet ihr hier
- Young Euro Classic (9.8.-25.8.) Das Musikfestival Young Euro Classic feiert sein 25. Jubiläum. Im Konzerthaus Berlin wird es erstklassige Musik von Jugendorchestern aus der ganzen Welt geben. Unter dem Motto „re:play – Freiheit der Töne“ wird ein Fokus auf klassische Musiktraditionen außerhalb der europäischen Orchesterkultur gelegt. Mehr Infos hier
- LesBiSchwules Parkfest (10.8.) Das Parkfest im Volkspark Friedrichshain (auf dem Gelände des Freiluftkinos) präsentiert ein vielfältiges Bühnenprogramm und zahlreiche Informationsstände, die über das schwul-lesbische Leben in Berlin informieren. Nehmt euch eine Picknickdecke mit, auf der Wiese kann man schön entspannen und die nachbarschaftliche Atmosphäre ist auch nach 25 Jahren noch nicht verflogen. Alles wichtige lest ihr hier
- Tanz im August (15.8.-31.8.) Das Festival präsentiert an insgesamt zehn Spielorten in Berlin 18 zeitgenössische Tanzperformances. Zu sehen sind Bühnenarbeiten von international bekannten Künstler:innen, die sich unter anderem mit Migrationsbiografien und Erinnerungskulturen auseinandersetzen. Mehr Infos und das Programm lest ihr hier
- Rave The Planet (17.8.) Als Nachfolger der legendären Loveparade zieht die Demo unter dem Motto „Love is Stronger“ wieder durch die Straßen Berlins. Zahlreiche Trucks und Feiernde setzten sich für Liebe, Toleranz, Frieden, Freundschaft, Solidarität und die elektronische Musikkultur ein. Auf der Straße des 17. Juni wird dann die wohl bunteste Techno-Party Berlins gefeiert! Wir haben die wichtigen Infos zu Rave the Planet 2024 hier gesammelt.
- Off Days (20.8.+21.8.) Beim Off Days-Festival in der Zitadelle Spandau liegt der musikalische Fokus auf Experimental, Hip-Hop und Indie-Rock. Insgesamt stehen sechs Bands auf dem Line-up, darunter Róisín Murphy, Gossip und Peaches. Die Zitadelle wird beben! Mehr Infos und Tickets hier
- Konzert: Die Ärzte (23.8.-25.8.) Die Ärzte machen auf ihrer „OMG die ärzte LOL“-Tour 2024 auch Halt in Berlin. Genauer gesagt spielt „die beste Band der Welt“ insgesamt drei Konzerte auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Also, wer Bela, Farin und Rod mal live sehen will – hier könnt ihr noch Tickets ergattern. Wir haben mal recherchiert, wie die Ärzte mit Berlin verbunden sind
- Lange Nacht der Museen (24.8.) Mit einem Ticket rund 75 Museen besuchen? Die Lange Nacht der Museen ist ein Kulturhöhepunkt und hat in Berlin Tradition. Das diesjährige Thema ist „Berlin Secrets“ und wie der Name schon verrät, dreht sich hier einiges um Verstecktes, Verschlossenes und Verruchtes. Mehr Infos und das Rahmenprogramm hier
- Pop-Kultur-Festival (28.8.-30.8.) Das im Jahr 2015 ins Leben gerufene Pop-Kultur-Festival findet auch 2024 wieder auf dem Gelände der Kulturbrauerei statt. Neben jungen Talenten aus Berlin treten hier auch internationale Musiker:innen auf. Zum Programm gehören musikalische Acts aber auch verschiedene Talks, Lesungen und Filme werden zu sehen sein. Unsere Festival-Übersicht findet ihr hier. Mehr Infos hier
- Pyronale (30.8.+31.8.) An zwei Abenden erstrahlt der Himmel Berlins in bunten Farben. Bei der Pyronale treten verschiedene Teams gegeneinander an und zeigen, was sie feuerwerkstechnisch so drauf haben. Neben einer Fachjury dürft ihr auch einen Tagessieger bestimmen. Mehr Infos hier
- Zug der Liebe (31.8.) Nach dem Rave ist vor dem Rave! Wer von Techno und Liebe nicht genug bekommt, kann beim Zug der Liebe durch die Straßen der Stadt tanzen. Unter dem Motto „Artists against Antisemitism“ wird mit lauten Bässen und bunten Transparenten für mehr Gemeinschaft, Nächstenliebe und Diversität demonstriert. Alles Wichtige zum Zug der Liebe haben wir hier für euch gesammelt.
Wusstet ihr eigentlich, dass am 8. August 1924 die erste S-Bahn vom Nordbahnhof nach Bernau gefahren ist? Seit 100 Jahren prägen die elektrisch betriebenen Züge nun die Stadt. Und eins ist klar: Die S-Bahn ist so viel mehr als ein bloßes Transportmittel. Sie ist ein Partyort, eine Kultureinrichtung und sie bringt Menschen auf engem Raum zusammen, die S-Bahn ist modern, nostalgisch und inspirierend. Und genau deshalb würdigen wir den runden Geburtstag der S-Bahn in unserer brandneuen Ausgabe mit einer Titelgeschichte. Hier könnt ihr den tipBerlin für den August 2024 bestellen.

Lust auf ein Konzert? Unsere Konzerttipps findet ihr hier. Kulturhauptstadt Berlin erleben mit den Kulturtipps: Museen, Ausstellungen und Theater. Lust auf Film-Entertainment im Großformat? Das Kinoprogramm. Was Berlin täglich zu bieten hat, erzählen euch unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Jede Woche neu: Den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren. Was tut sich in den kleinen und großen Häusern? Schaut doch in unserer Theater-Rubrik vorbei. Wenn ihr wissen wollt, welche Ausstellungen sich in Berlin lohnen, gibt es hier Tipps.
Tanzbars in Berlin sind die perfekten Anlaufstellen für wilde Abende zwischen Kneipe und Club. Ihr habt Lust zu tanzen, wollt aber nicht stundenlang in der Schlange stehen? Ihr habt Lust Bier zu trinken, aber wollt nicht nur am Tresen versacken? Dann solltet ihr unbedingt mal Monarch, Schokoladen und Co besuchen. Denn hier verwandelt sich der gemütliche Barabend in eine Party. Los gehts: Wir stellen die besten Tanzbars in Berlin vor.
Tanzbars in Berlin: Gute Stimmung im Süß war gestern

Was gestern Süß war tanzt heute zu guten Techno-Beats und All-Time-Klassikern: In der Tanzbar Süß war gestern legen mitten in Friedrichshain fast täglich wechselnde DJs auf. Meistens eine Mischung aus elektronischem Down Tempo und Funky Beats – die ebenso tanzbar sind. Der Hauptraum hat keine separate Tanzfläche, aber wenn die Leute vermehrt zur Musik aufstehen, werden die dicken Sofas und Sessel zur Seite geschoben. Am Wochenende gibt es hier zwei weitere Räume, die gute Beats liefern und die Bar zum Club verwandeln. Unter der Woche findet Comedy-Shows, Drag-Quizbingo und weitere interessante Veranstaltungen statt – alles endet natürlich mit einem guten Tänzchen.
Unser Tipp: Am Wochenende wird Eintritt verlangt – das aber erst ab 22 Uhr. Dann kann es hier auch sein, dass ihr doch mal die ein oder andere Minute in der Schlange steht. Wer aber schon ab 20 Uhr in der Bar sitzt, muss nachträglich keinen Eintritt mehr bezahlen.
- Süß war gestern Wühlischstraße 43, Friedrichshain, Mo–Sa ab 19 Uhr, Party ab 22 Uhr, weitere Infos hier
Im Keller des Fitzcarraldo die Hüllen fallen lassen

Erinnert ihr euch an die frühen 2000er-Jahre, als Berlin noch billig war? Genau in dieser Zeit wurde das Fitzcarraldo gegründet. Es ist wahrlich ein Filmarchiv und ein Kunstwerk mit seinem Keller, in dem zwischen den DVD-Regalen am Wochenende eng an eng getanzt wird. Eine Bar ist es eben auch noch, kurz: eine Filmkunstbar. Die Location ist ein Multitalent, unter der Woche geht es eher gediegen zu, das Bier wird an der Bar genossen und Menschen stöbern durch die umfangreiche DVD-Videothek. Manchmal gibt es auch Filmveranstaltungen, bei denen Arthouse-Filme gezeigt werden. Am Wochenende dann führt die unscheinbare, schmale Treppe in eine Sauna-Tanzhöhle, aus der man glücklich und gefühlte zwei abgetanzte Kilo leichter wieder herauskommt.
- Filmkunstbar Fitzcarraldo Reichenberger Straße 133, Kreuzberg, tgl. ab 17 Uhr, weitere Infos hier
Im August Fengler Berliner Kneipenkultur leben

Ein Holztresen, viele bunte Glitzerleuchten und rote Sofas: Die ehemalige Kegelstube August Fengler ist heute eine Bar mit Tanzfläche. “Gemütliches Rocken statt großer Diskonummer” heißt es auf der Website der Berliner Tanzbar. Das ist ein wenig untertrieben. Wenn man abends unverhofft oder geplant in der Bar mitten in Prenzlauer Berg landet, kann es schon mal hoch hergehen. Donnerstag bis Sonntag wird im Fengler zu Musik mit DJ getanzt, die ganze Woche über kann bei Bier und Wein außerdem gekickert werden. Montag, Dienstag und Mittwoch werden dazu noch Tischtennisschläger geschwungen. Eine Bar für alle und alles. Und eine Institution. Das August Fengler gibt es seit fast 100 Jahren. Unsere Liebeserklärung an Alt-Berliner Kneipen lest ihr hier.
- August Fengler Lychener Straße 11, Prenzlauer Berg, Fr–Mo ab 18 Uhr, Di–Do ab 17 Uhr, weitere Infos hier
Immer viel los im Bohnengold

Das Bohnengold gehört zu den beliebtesten Tanzbars der Stadt – und sie wirkt wie ein Schmuckstück aus einer anderen Ära. Zuerst ist da die Bar – mit Holzstühlen und unverputzten Wänden im dämmrigen Licht. Im zweiten Raum gibt es einen Kicker und Tischflipper. Von dort führt eine schmale Treppe geradewegs auf die Tanzfläche mit Underground-Feeling. Von Techno über House und Rock bis Jazz ist hier in langen Nächten alles möglich, an manchen Abenden treten sogar Bands auf. Die Tür der Bar ist sympathisch, aber bestimmt. Am Ende ist der Sauerstoff knapp, doch die Stimmung gut.
- Bohnengold Reichenberger Straße 153, Kreuzberg, Mi–Sa ab 20 Uhr, weitere Infos hier
Tanzbars in Berlin: Im Kumpelnest 3000 sanfte Abstürze feiern

Eigentlich ist das Kumpelnest 3000 keine offizielle Tanzbar – aber ein Klassiker unter den Berliner Absturzläden. Die Kultkneipe im Ortsteil Tiergarten, an der Grenze zu Schöneberg, verfügt über keinen Dancefloor, aber ab einer unbestimmten Zeit werden die Böden des Kumpelnests abends einfach dazu gemacht. Der Name ist hier Programm: Meist ist es rappelvoll und verraucht, es ist wie eine Nacht im eigenen Wohnzimmer, und das bei gefühlten 3000 Grad. Dass das Kumpelnest früher mal ein Bordell war, spürt man hier noch heute an jeder Ecke. Hier sind schon manche abgestürzt – aber meist auch weich gelandet, da im Zweifelsfall fünf Leute sehr dicht um einen herum stehen.
- Kumpelnest 3000 Lützowstraße 23, Tiergarten, täglich ab 19 Uhr, weitere Infos hier
Zu mir oder zu dir: Am besten einfach da bleiben

Zu mir oder zu dir? Diese Frage stellt sich in der gleichnamigen Bar in Prenzlauer Berg erstmal nicht: Man bleibt einfach dort, in diesen rot ausgeleuchteten Räumen auf den gemütlichen Sesseln und Sofas mit Retro-Charakter. Anders als viele andere Berliner Cafés, die sich in den vergangenen Jahrzehnten ganz schön verwandelt haben, ist im Zu mir oder zu dir gefühlt noch alles wie vor 20 Jahren: entspannter, unaufdringlicher. Für den richtigen Groove wird regelmäßig live aufgelegt, und wenn die Stimmung von gemütlich zu belebt übergeht, auch dazu getanzt.
- Zu mir oder zu dir Lychener Straße 15, Prenzlauer Berg, täglich ab 20 Uhr, weitere Infos hier
Alles dreht sich im Haus am See und dem dazugehörigen Cosmic Kaspar

Im Mein Haus am See mitten am Rosenthaler Platz in Mitte wird von morgens bis zum nächsten Morgen das ganze Programm angeboten: ab 10 Uhr bekommt man hier Kaffee und Gebäck, nachmittags darf das erste Bier geöffnet werden (oder auch zum Frühstück, your choice) und abends werden die Drinks mit guter Live- oder DJ-Musik gepaart. Zugegeben: durch die zentrale Lage und den ein oder anderen Google-Eintrag ist dieser Laden oftmals stark touristisch besucht.
Aber umso besser lassen sich hier neue Leute kennen lernen und wenn dann noch das Cosmic Kaspar, die drehbare Tanzfläche der Bar, öffnet, steht einem berauschenden, durchtanzten Abend nichts mehr im Weg. Hier wird mit schrillen Outfits, lässigen Drinks und guter Musik nun wirklich nicht gegeizt. Shuffleboard kann man dazu auch noch spielen. Hier können die Räume auch für private Partys gemietet werden.
- Mein Haus am See und Cosmic Kaspar Rosenthaler Platz, Brunnenstraße 197 und 199, Mitte, täglich ab 16.30 Uhr, hier für Infos von Mein Haus am See und hier für Infos von Cosmic Kaspar
Die Monarch Bar bietet die beste Sicht auf die U-Bahn

Das Kreuzberger Nachtleben ist legendär, nicht zuletzt wegen der vielen außergewöhnlichen Bars. Zweifelsohne eine Highlight ist die Monarch Bar am Kottbusser Tor. Die Bar liegt auf der gleichen Höhe wie die Hochbahngleise. Die U-Bahn rauscht hier überirdisch an der Fensterfront vorbei. Mehr Berlin-Feeling geht kaum. In der Monarch Bar finden auch Partys und Konzerte statt. Definitiv eine der besten Tanzbars in Berlin
- Monarch Skalitzer Straße 134, Kreuzberg, Do–Sa ab 22 Uhr, weitere Infos hier
Tanzbar in Neukölln: Feiern im Promenadeneck

Immer viel los: In Neukölln gibt es viele gute Bars und Kneipen. Und am Rande des Tempelhofer Felds im Schillerkiez auch noch eine Tanzbar, in der es ab und an gemütliche Brettspielabende gibt, wo es aber vor allem an den Wochenenden auch mal voller wird. Hinter dem Promenadeneck steht das Team vom Birgit und Bier, man ist also zu Gast bei Profis. Die Lieder und Tracks reichen dabei von Hip Hop über Elektro bis zu Pop-Klassikern aus den 1980er- bis 2000er-Jahren. Außerdem: Ebenso wie im “Süß war gestern” scheint es hier Regel zu sein, dass man am Ende der Nacht nicht allein nach Hause geht. Na dann frohes: Oops I did it again!
- Promenadeneck Schillerpromenade 11, Neukölln, Fr+Sa ab 20 Uhr, weitere Infos hier
Tanzbars in Berlin: Im Schokoladen lieb miteinander umgehen und dancen

Der Schokoladen war mal eine Fabrik, in der, naja, Schokolade hergestellt wurde. Seit mehr als 30 Jahren ist der Ort ein alternatives Kulturzentrum, wo außer guten Getränken auch Livemusik ausgegeben wird, die in diverse Richtungen geht. Von Reggae über PowerPop und Ska bis hin zu Indie und Rock ist hier alles dabei. Der Schokoladen versteht sich als integrativer Ort, für alle die Lust haben, Kultur zu (er-)leben. Abends gibt es alle möglichen Veranstaltungen. Neben queeren Punk-Elektro-Nächten gehören auch Lesungen und Theater zum Programm, getanzt wird sowieso – und manchmal verwandelt sich der Schokoladen auch in eine Karaokebar. Wenn Mitsingen euer Ding ist, haben wir noch mehr Tipps. Eine Institution, die wir lieben – und die letzte ihrer Art in Mitte.
- Schokoladen Ackerstraße 169, Mitte, Di-Sa ab 19 Uhr, weitere Infos hier
Im Crack Bellmer auf dem RAW-Gelände die Nacht durchtanzen

Das RAW-Gelände in Friedrichshain ist bekannt für viele Möglichkeiten, Tage und Nächte gut zu verbringen. Gegenüber vom Cassiopeia Club befindet sich die nicht ganz so berühmte Tür des Miniclubs und Tanzbar. Zwischen Tresen und DJ-Pult kann im Crack Bellmer wild getanzt werden. Hier kann man auch ideal schon früh den Abend starten, um danach in einen Club auf dem Areal weiterzuziehen – oder man bleibt gleich hier, denn das Programm hat immer etwas zu bieten. Das CB punktet mit drei Warmwetter-tauglichen Außenbereichen und ist im Sommer damit ideale Anlaufstelle für gemütliches Chillen. Aber auch im Winter ist es hier entspannt. Drinnen gibt es viel Holz, aber hier mal in Form alter Türen und Fenster als Zwischenwände, dazu rohes altes Gemäuer, verstärkt durch alte Eisenträger. Und alte Ledersofas zum Sitzen. Schön und charmant – so lieben wir es. Mehr über das Nachtleben in Friedrichshain lest ihr hier.
- Crack Bellmer Revaler Straße 99 (RAW-Gelände), weitere Infos und Öffnungszeiten hier
Tanzbars in Berlin: Vinyl only im Soulcat

Im Soulcat ist vieles Ton in Ton: die Wände, die Stühle, das Licht, alles gibt sich in einem satten Bordeaux-Rot. Kombiniert mit den echten Kerzen am Tresen und der Tatsache, dass in der 50er&60er Musikbar „Vinyl only“ aufgelegt wird, sind die besten Voraussetzungen für eine gemütliche Umgebung mit Tanzatmosphäre geschaffen. Neben R’n’B und Rock wird hier auch regelmäßig Soul gespielt – wie der Name ja irgendwie auch vermuten lässt. Was ansonsten in der Bar so geht, beschreibt die Kreidetafel am Eingang mit am besten: „Musicbar (…). Best Mexikaner Shot in Town…und manchmal Fußball.“
- Soulcat Music Bar Pannierstraße 53, Neukölln, Mo-Sa ab 18.30 Uhr, weitere Infos hier
Mehr Tanz und Bar
Das Nachtleben in Neukölln: Underground Clubs und Eckkneipen bringt so einiges mit sich. Und was Neukölln kann, kann der Prenzlauer Berg auch: Nachtleben in Prenzlauer Berg: von Kulturbrauerei bis Mensch Maier. Trinken geht natürlich auch mal ohne tanzen, zum Beispiel in Bars in Friedrichshain: Kultige Kiezkneipen und elegante Trinklokale. Ihr wollt eure Ruhe haben? In diese Berliner Bars könnt ihr gut alleine gehen. Endgegner Berghain-Tür? So kommt ihr vielleicht rein. Mehr Tipps findet ihr in unserer Bar-Rubrik und in unseren Tipps für Events in Berliner Clubs. Lieber draußen? Tanzen unter freiem Himmel – Kurse und Orte.
Der Juni 2024 steht in Berlin natürlich ganz im Zeichen der EM – erleben wir ein neues Sommermärchen? Rund um den Fußball gibt es jede Menge Veranstaltungshighlights, aber auch abseits vom Platz kickt der Monat rein. Wir haben 12 Juni-Höhepunkte für euch gesammelt, die ihr nicht verpassen solltet – von Festivals über Kunst und Kino bis zu Theatertagen.

- Down by the River (1.6.) Der Juni beginnt mit einem Highlight: Das entspannte und sympathische Festival versammelt Indie-Musiker:innen im Garten des About Blank. Mehr zum Down by the River Festival 2024 lest ihr hier.
- Citadel Music Festival (ab 1.6.) Das über mehrere Monate laufende Musikfestival gehört zu den größten Open-Air-Events der Stadt. Im Juni geht’s los, bis Ende August erwarten euch Kracher-Konzerte beim Citadel Music Festival – diesen Monat unter anderem NOFX, Take That und Greta Van Fleet.
- Project Space Festival (den ganzen Juni) Das Festival findet zum zehnten Mal statt und feiert den Juni über den Idealismus und Innovationsgeist der freien Kunstszene – in der ganzen Stadt. Zum Beispiel mit einer von Mythen inspirierten Tanzperformance in Kreuzberg oder Kunst im Softeisladen im Hansaviertel. Mehr erfahrt ihr hier.
- Autor:innentheatertage (4.–15.6.) Volle Ladung Gegenwart im Deutschen Theater: Zehn Stücke sind eingeladen und werden zum ersten Mal in Berlin gezeigt, darüber hinaus wird gelesen, geredet – und gefeiert. Hier geht’s zur DT-Website mit allen Infos.
- Langer Tag der Stadtnatur (8.+9.6.) Nicht immer nur Häuser, Autos, Beton, Plexiglas. Berlin ist ja schließlich ziemlich grün. Und beim Langen Tag der Stadtnatur gibt es die entsprechenden Einblicke – ob auf Entdeckungstour im Park, auf dem See oder unterm Mikroskop. Hier geht’s zum Programm.
- Sommer-Berlinale (10.–14.6.) Bemerkenswerte Filme aus dem Festspiel-Programm könnt ihr an vier Abenden im Freiluftkino Friedrichshain sehen – unter anderem den Publikumsliebling „Love Lies Bleeding“. Hier lest ihr mehr über die Sommer-Berlinale.
- Fußball-Europameisterschaft der Männer (ab 14.6.) Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, so viel ist rund um die EM los. Ein guter Startpunkt ist aber die Fan-Zone am Brandenburger Tor, wo schon am 12. Juni Anpfiff für den Fußball-Kultursommer ist. Mehr über das Eventprogramm erfahrt ihr hier, und was uns mit allen kleinen und großen Events rund um die EM erwartet, erfahrt ihr in unserem Sommermärchen-Heft. Ihr wollt mitfiebern? Public Viewing in Berlin – die besten Orte.
- Fête de la Musique (21.6.) Dieses Jahr haben wir noch mehr Glück als sonst: Die Fête de la Musique fällt auf einen Freitag. Ihr könnt also entspannt mit kostenlosen Konzerten in der ganzen Stadt ins Wochenende starten. Alles zum überbordenden Programm lest ihr hier bei den Veranstalter:innen, und mehr über die Fête de la Musique steht hier im Artikel.
- Lange Nacht der Wissenschaften (22.6.) Die klügste Nacht des Jahres steht an, und ihr könnt euer Wissen in zahlreichen Fachrichtungen vertiefen, auffrischen oder schlicht ganz neue Gebiete kennenlernen. Hier geht’s zur Website, und hier haben wir Tipps für die Lange Nacht der Wissenschaften 2024.
- 48 Stunden Neukölln (28.–30.6.) Im vergangenen Jahr konnten wir schon 25 Jahre 48 Stunden Neukölln feiern – und auch dieses Jahr steht wieder das große Kunstwochenende in einem der spannendsten Stadtteile Berlins an. Motto von „48 Stunden Neukölln“ 2024: „Urbane Stille“.
- Beatsteaks (28.+29.6.) Eine der sympathischsten Bands der Stadt meldet sich nach sieben Jahren mit einem neuen Album zurück: „Please“ ist schön geworden. In der Wuhlheide feiern die Berliner eine riesige Release-Party, am ersten Abend mit International Music und Husten, am zweiten mit Tutti Bounce. Hier gibt’s noch letzte Karten, und hier ist unser Interview mit den Beatsteaks – über Band-Therapie und das neue Album.
- African Book Festival (28.–30.6.) Der Juni ist voller literarischer Highlights, auf uns warten das Berliner Bücherfest (8+9.6.) und die Lange Buchnacht auf der Oranienstraße (29.6.). Ganz besonders freuen wir uns aber auf das African Book Festival in der Alten Münze, das dieses Jahr einen queeren Schwerpunkt hat. Wer dabei ist, erfahrt ihr hier.
2024: Die Höhepunkte
- Berlin im Juli 2024: 12 wichtige Veranstaltungen
- August 2024: Berlin-Höhepunkte im Überblick
- Berlin im September 2024: 12 Highlights des Monats
- Berlin im Oktober 2024: 12 Highlights des Monats
Was der Berliner Juni sonst noch zu bieten hat, lest ihr im gedruckten Magazin. Das könnt ihr im Shop kaufen, oder ihr schließt direkt ein Abo ab. Nächster Monat: Hier sind die Highlights für den Juli 2024 in Berlin.

Ihr seid im „Challengers“-Fieber? Infos zum Berlin Ladies Open 2024 gibt’s hier. Vom Museum bis zum Theater empfehlen wir diese Kulturveranstaltungen rund um die Fußball-EM. Lust auf ein Konzert? Unsere Konzerttipps findet ihr hier. Kulturhauptstadt Berlin erleben mit den Kulturtipps: Museen, Ausstellungen und Theater. Lust auf Film-Entertainment im Großformat? Das Kinoprogramm. Was Berlin täglich zu bieten hat, erzählen euch unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Jede Woche neu: Den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren.
100 Jahre Kafka, auch in Berlin! Nur 40 Jahre alt wurde der weltbekannte Schriftsteller, geboren in Prag und gestorben in Klosterneuburg in der Nähe von Wien. Dazwischen lebte er die meiste Zeit in Prag, in den letzten Lebensmonaten aber in Berlin, die Stadt, die für ihn „wie der Himmel über der Erde war“. So zumindest schwärmte er in einem Brief an seine Freundin Felice Bauer von der deutschen Hauptstadt. Es war ein kurzer Aufenthalt, der jedoch prägend war – unter anderem entstand in der Stadt das wohl berühmteste Foto des Schriftstellers. Kommt mit auf eine Reise durch Franz Kafkas Berlin.
Kafka in Berlin: Kafka, der Theater-Gänger

Kafka war erstmals im Jahr 1910 in der Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs. Als Tourist und Theater-Liebhaber hat er das Deutsche Theater und die Kammerspiele, das Lessing-Theater sowie das Metropol-Theater besucht. Letzteres langweilte ihn allerdings gähnend. Das Deutsche Theater sowie die Kammerspiele befinden sich nach wie vor an der Schumannstraße. Das Metropol-Theater befand sich von 1892 bis 1944 in der Behrenstraße 55-57, heute der historische Saal das Herzstück der Komischen Oper. Das Lessing-Theater befand sich am Friedrich-Karl-Ufer, dem heutigen Kapelle-Ufer, wurde aber 1945 durch einen Luftangriff der Alliierten zerstört. Hier zu finden: das aktuelle Bühnenprogramm.
Die Charlottenburger Wohnung der Bauers

An seinen ersten Besuchen in Berlin und bei seiner Freundin Felice Bauer, die er 1912 in Prag kennenlernte und mit der er regen Briefkontakt pflegte, besuchte Kafka seine Freundin bei ihren Eltern in Charlottenburg. Diese wohnten in der Wilmersdorfer Straße 73, Ecke Mommsenstraße. Er war hier oft zu Besuch, hielt hier bei Felice Bauers Vater um ihre Hand an und feierte am 1. Juli 1914 die Verlobung.
Kafka in Berlin: Ankunft am Askanischen Platz

Der Bahnhof am Askanischen Platz, war nach dem am Potsdamer Platz, Berlins ältester Bahnhof und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Verkehrspunkt für Fernreisen durch Europa. So reiste auch Kafka hier an und wieder ab, wenn er in Berlin zu Besuch war. Leider ist von dem einstigen Prachtbau nicht mehr viel zu sehen, einer von einigen Bahnhöfen Berlins, die nicht mehr angefahren werden. Im Hotel Askanischer Hof an der Königgrätzer Straße 21 (heute Stresemannstraße 111) übernachtete er. Am 12. Juli 1914, kurz nach der ersten Verlobung mit Felice Bauer, fand in diesem Hotel eine Aussprache zwischen Kafka und Felice Bauer statt, an der auch Felice‘ Schwester Erna Bauer und die Freundin Grete Bloch teilnahmen. Grete Bloch fütterte Felice Bauers Zweifel an Kafkas Zuverlässigkeit zusätzlich, weshalb es dann zum Bruch kam.
Kafka in Berlin: Die Sorgen ertränken am Stralauer Ufer

Nach der Aussprache im Hotel fuhr Kafka erst nach Charlottenburg zu den Eltern von Felice Bauer, um die Verlobung aufzulösen. Anschließend schwamm er bis zu seiner Rückreise nach Prag zweimal in der Flussbadeanstalt Pochhammer am Stralauer Ufer, die nahe des Stadtbahnhofs Jannowitzbrücke lag. Die Spree prägte die Hauptstadt, heute und auch früher.
Angrenzend an die Badeanstalt lag das Ausflugslokal Belvedere, in dem sich Kafka einen Tag nach der Auflösung der Verlobung zwischen ihm und Felice Bauer, mit Erna Bauer traf. Noch heute gibt es an gleicher Stelle einen Biergartenbetrieb, und auch das Marinehaus gegenüber, das Kafka ebenfalls beschrieben hat, existiert noch immer.
Spaziergänge im Tiergarten und Grunewald

Im Großen Tiergarten ging Kafka mit seiner Freundin Felice stundenlang spazieren und machte ihr dort einen ersten Heiratsantrag – zu seinem Leide ohne Zustimmung.
An Ostern und Pfingsten 1913 führten weitere Spaziergänge in den Grunewald und zum Nikolassee. Dabei besuchten die beiden das Grab von Heinrich von Kleist, der dort neben seiner Freundin Henriette Vogel lag, die er mit in den Tod nahm, als er erst sie und dann sich selbst erschossen hat. Kein sonderlich romantischer Spaziergang.
Kafka in Berlin: Die erste Wohnung in Steglitz
Mit seinem Umzug nach Berlin im August 1923 – die Tuberkulose machte ihm in Prag mehr zu schaffen als im grünen Steglitz – zog er in eine Mietwohnung in der Miquelstraße. Es war die Zeit der Hyperinflation, und die Miete von vier Millionen Reichsmark war zwar unfassbar hoch, für Kafka aber noch bezahlbar. Seine Vermieterin Clara Hermann sah, dass der Schriftsteller noch mehr zahlen könnte und zog die Mietkosten an: Anfang November lag die Miete bei einer halben Billion Reichsmark. Kafka fühlte sich von seiner Vermieterin ausgenommen und schrieb inspiriert von den Erfahrungen mit Clara Hermann später die Erzählung „Eine kleine Frau“. Mieten in Berlin sind immer noch teuer – dies sind die teuersten Gegenden der Stadt. Das Haus, in dem Kafka zuerst wohnte, steht heute nicht mehr. Aus der Miquel- wurde die Muthesiusstraße, das Haus stand an der Ecke Rothenburgerstraße.
Kafka in Berlin: „Mein Potsdamer Platz ist der Steglitzer Rathausplatz“

In der stinkigen Luft der Großstadt konnte Kafka schlecht atmen, deshalb bevorzugte er es, in seinem eigenen grünen Vorort seine Zeit zu verbringen. In einem Brief an seinen Freund Max Brod spricht Kafka vom Steglitzer Rathausplatz als „mein Potsdamer Platz“. Heute ist das ein eher charakterloser Platz, aber das war nicht immer so, denn der Potsdamer Platz war einst Mittelpunkt der Stadt. Der Weg ins Stadtzentrum ist zu kräftezehrend – und für den geräuschempfindlichen Kafka auch zu laut. Ist es ihm auch dort zu viel geworden, verlor er sich, falls es die Kraft noch zuließ, in die stillen herbstlichen Alleen rund um den Steglitzer Rathausplatz.
Luft holen im Tropenhaus

Besonders mit zunehmender Lungenkrankheit ging Kafka gerne, soweit es die eigene Kraft zuließ, in den Botanischen Garten. Auf 1.800 Quadratmeter Fläche genoss er seine Nachmittage in besonderer Ruhe und zwischen Palmen, Bambus und verschiedenen Farn-Sorten. Nur einige Gehminuten entfernt von seinen Wohnungen in Steglitz entfernt fand er seinen Rückzugsort, um die reine Luft genießen zu können.
Umzug in die Grunewaldstraße

Am 15. November 1923 zog Kafka in die Grunewaldstraße 13 um, die sich unweit der alten Wohnung befand. Aus der alten Wohnung bei Carla Hermann wurde er rausgeschmissen, weil er die horrenden Summen für die Miete nicht mehr zahlen konnte. Immer noch unsagbar teuer, doch besser ausgestattet war das neue Heim: zwei Zimmer, eine schöne Aussicht, Morgensonne, Zentralheizung und elektrisches Licht erwarteten ihn und seine damalige Freundin Dora Diamant. Diese Adresse ist der Ort, an dem Kafkas Präsenz am sichtbarsten war. Vor dem Haus hängt eine weiße Marmortafel, die an den ehemaligen Bewohner der kleinen Villa erinnert.
Letzte Station: Zehlendorf
Die letzte Adresse Kafkas lag an der Heidestraße 25/26, die zur Busseallee 25/26 (jetzt Hausnummer 7/9) wurde. Gebaut worden ist Villa im Jahr 1905 für den Schriftsteller Carl Busse, der an der Spanischen Grippe starb und zu dessen Andenken die Heidestraße, in der die Villa stand, umbenannt wurde. Im Angesicht der sich verschlimmernden Tuberkulose-Erkrankung verließ Kafka die damit letzte Station Berlins, um über einen Umweg nach Prag ins Sanatorium in der Nähe von Wien zu gelangen, wo er im Alter von nur 40 Jahren am 3. Juli 1924 verstarb. Die Villa wurde in den 1990er-Jahren abgerissen, jetzt steht auf dem einstigen Kafka-Grundstück ein charakterlose Wohnanlage.
Das letzte Foto aus dem Wertheim-Kaufhaus am Leipziger Platz

Kafka war kein sonderlich großer Foto-Fan. Kurz vor seinem Tod traute er sich doch nochmal vor die Kamera: im Wertheim Kaufhaus am Leipziger Platz ließ er das Porträt von sich schießen, das jetzt weltbekannt ist. In Berlin befanden sich einst zahlreiche historische Kaufhäuser, die es nun nicht mehr gibt. Am Standort des Wertheim-Kaufhaus, das einst einen Meilenstein der modernen Architektur im Kaiserreich setzte, steht jetzt die Mall of Berlin – ganz schön traurig!
Kafka in Berlin: Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben

Einst schrieb Kafka einen Brief an seinen Vater, in dem er bemängelte, dass die Art, wie sie das Judentum auslebten, keine spirituelle Kraft habe. Um sich deshalb intensiver mit dem Judentum auseinanderzusetzen, ging Kafka ab Mitte November 1923 zweimal wöchentlich in die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in der damaligen Artilleriestraße 14, heute Tucholskystraße 9. Er ging dort hin für Vorträge, Talmud- und Hebräischstudien. Heute heißt das Schulgebäude Leo-Baeck-Haus, benannt nach dem Rabbiner Leo Baeck, und ist seit 1999 Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Dieser Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung von Michael Bienert, der der Redaktion sein Buch „,Wie der Himmel über der Erde‘ Kafkas Orte in Berlin [1910–1924]“ zur Verfügung gestellt hat. Dieses Buch entstand im Auftrag der Stiftung Kleist-Museum für die Reihe „Frankfurter Buntbücher“. Die literarischen Reiseführer beschäftigen sich mit Schriftsteller:innen, die in der Mark Brandenburg und in Berlin wirkten.
Knallpink und streng limitiert: „Kafka in Berlin“ – Siebdruck von Kat Menschik. 1924 ist Kafka gestorben, Flat White im hippen Café gab es zu der Zeit noch nicht, trotzdem war Kafka vielleicht der erste Hipster der Stadt. Nicht nur Kafka lebte hier. Wir zeigen euch, wo Schriftsteller in Berlin gelebt haben. Wer sich zurückträumen will in die Stadt zu Kafkas Zeit, findet hier Berliner Orte für 1920er-Jahre-Nostalgie. Sie ist zum Mythos geworden: Christiane F., hier die Stationen ihres Lebens. Auch er hat hier gelebt und die Stadt geprägt: Wir zeigen euch David Bowies Berlin.
Was geht im April in Berlin? Wir machen es kurz: Ritter, Rapper, Fahrradfestivals und Theaterstücke aus Nahost. Ein Überblick über unsere 12 Highlights des Monats!

- Oster-Ritterfest (30.3-1.4.) Mit Ritterkämpfen zu Pferd und am Boden, mittelalterlicher Akrobatik-Show und Tanzeinlagen zu Musik aus längst vergangener Zeit empfängt das Oster-Ritterfest Nostalgiker:innen an der Zitadelle Spandau. Das Fest ist auch einer unserer Ostertipps für Berlin, für die hier zu finden sind. Mehr Infos hier.
- Filmfestival Achtung Berlin (10.-17.4.) Junges deutsches Kino direkt aus Berlin und dem Umland. Auf dem Filmfestival werden von Spiel- bis Kurzfilm alle Filme erstmals gezeigt – ein Festival der Premieren von Filmen, die ganz oder teilweise in Berlin und Brandenburg realisiert wurden. Weitere Infos.
- ID-Festival (11.-14.4.) Die siebte und letzte Ausgabe des ID-Festivals befasst sich mit verschiedenen Enden: das Ende des Lebens, des zionistischen Traums von Theodor Herzl oder dem mögliche Ende der menschlichen Kunst durch intelligente Maschinen. Auch wird das umstrittene Stück „Shampoo Queen“ erstmals in Deutschland aufgeführt – eine musikalische Satire über die Nation Israel als gefühlloses Land, das zu zyklischer Gewalt verurteilt ist. 54 Jahre nach der Uraufführung nun mit Fokus auf palästinensische Identitäten mit komplett arabischer Besetzung. Mehr Infos.
- Affordable Art Fair (11.-14.4.) Auf der Messe in der Arena Berlin gibt es zeitgenössische Kunst von nationalen und internationalen Galerien zum Anschauen und auch zu kaufen. Der Preis hält sich im Rahmen. Weitere Infos.
- Velo Berlin (13.-14.) Ein ganzes Wochenende rund ums Rad – auf dem Fahrradfestival am Flughafen Tempelhof seht ihr die neuesten Fahrradtrends, vom Rennrad bis zur Lastenrad-Flotte. Außerdem können Radliebhaber:innen in Shows und Talks viel Neues lernen über den geliebten Drahtesel. Und sich vielleicht ja gleich auf dem Berliner Fahrradmarkt mit einem neuen Gefährt ausstatten lassen. Weitere Infos.
- Bushido (15.4.) Nach einer achtjährigen Bühnenabstinenz kommt der selbsternannte „König für immer“ zurück ins Rampenlicht. Im März spielte er schon eine Show in Berlin, jetzt gibt er seine Zusatzshow in der Uber Arena. Weitere Infos dazu findet ihr hier. Außerdem haben wir ein Interview mit Bushido geführt, in dem er mit uns über Capital Bra, Dubai und mentale Gesundheit gesprochen hat.
- Altın Gün (16.+17.+18.4.) Die niederländisch-türkische Band verbindet Psychedelic Rock, Deep Funk, Synthpop und mehr mit den Klängen der anatolischen und türkischen Volksmusik. Im Huxley’s spielt die Band, die 2019 für den Grammy in der Kategorie „Best World Album“ nominiert war, gleich dreimal. Weitere Infos hier.
- FIND Festival (18.-28.4.) Zeitgenössische Theaterkunst gibt es in der Schaubühne zu sehen: beim Festival Internationale Neue Dramatik, kurz FIND. Neue Inszenierungen von Künstler:innen aus aller Welt zeigt das Festival, dieses Jahr sogar mit drei Stücken aus Portugal. Mehr Infos.
- Caspar David Friedrich in der Alten Nationalgalerie (Eröffnung: 19.4.) Anlässlich seines 250. Geburtstags stellt die Alte Nationalgalerie 60 Gemälde und 50 Zeichnungen des bedeutendsten Malers der deutschen Romantik aus. Weitere Infos. Ihr wollt nach Museumsschluss hin? Hier geht’s zum tipBerlin-Art-Event.
- #remotecodeexecution (Premiere: 25.4., weitere Termine am 26.4.+27.4. und 4.+5.5. sowie 25.5.) Fünf Hacker wollen die Welt zurücksetzen. Neustart. Egal, ob die Menschen das wollen oder nicht. Kay Voges holt den dystopischen Roman „RCE“ von Sibylle Berg auf die Bühne und tritt damit einen Schritt in die Zukunft. Mehr Infos hier.
- The Dark Rooms Vertical (Eröffnung 26.4.) Wie schnell lassen uns Licht- und Toninstallationen an die Illusion der Natur glauben? Bei der neuen Ausgabe von „The Dark Rooms Vertical“ wird auf sechs Stockwerken Kunst in völliger Dunkelheit ausgestellt, immer unter dem Arm haben Besucher:innen eine Yogamatte, auf der sie die Kunstinstallationen ausgiebig bestaunen können. Mehr Infos.
- Gallery Weekend (26.–28.4.) Drei Tage, 55 Galerien und eine Menge Kunst. Quer durch Berlin öffnen Galerien ihre Türen, um ihre Werke zu zeigen. Unsere Highlights des Gallery Weekend Berlin findet ihr hier. Weitere Infos hier.
2024: Die Höhepunkte
- Berlin im Mai 2024: Die Highlights
- Juni 2024 in Berlin: Event-Highlights
- Berlin im Juli 2024: 12 wichtige Veranstaltungen
- August 2024: Berlin-Höhepunkte im Überblick
- Berlin im September 2024: 12 Highlights des Monats
- Berlin im Oktober 2024: 12 Highlights des Monats
Die tip-Ausgabe Comedy in Berlin jetzt am Kiosk

Die Berliner Comedy boomt: Es gibt neue Bühnen, viele neue junge Comedians und Fans. Und: Comedy kann Krisenkommunikation. Sie schafft es, auch die schweren Themen wie Klimawandel und Krieg so darzubieten, dass das Publikum in Lachen ausbricht. Wir haben einige Protagonst:innen der Szene getroffen. Mehr dazu gibt es in unserer Comedy-Ausgabe, die ihr hier bestellen könnt.
Was der Berliner April sonst noch zu bieten hat, lest ihr im gedruckten Magazin. Das könnt ihr im Shop kaufen, oder ihr schließt direkt ein Abo ab. Lust auf ein Konzert? Unsere Konzerttipps. Welche Musiker:innen statten der Hauptstadt dieses Jahr einen Besuch ab? Das Musikjahr 2024 mit den wichtigsten Konzerten des Jahres. Kulturhauptstadt Berlin erleben mit den Kulturtipps: Museen, Ausstellungen und Theater. Lust auf Film-Entertainment im Großformat? Das Kinoprogramm. Was Berlin täglich zu bieten hat, erzählen euch unsere Tagestipps, in allen Rubriken und Kategorien. Jede Woche neu: den tipBerlin Newsletter könnt ihr hier abonnieren.
Charlottenburger Typen prägen den Bezirk und den Ruf des Alten Westens. Besucht man die Kneipen, Restaurants, Galerien und Parks, trifft man schnell auf Charaktere, die an keinem Ort in Berlin besser aufgehoben wären. Wir stellen die lebenden Stadtteil-Klischees vor – vom Kurfürstendamm bis zum Lietzensee.
Charlottenburger Typen: Die Akademiker

Mit Rudi Dutschke haben sie demonstriert, mit Rio Reiser gekifft. Die Akademiker mit Niveau sind der Innbegriff der Hochkultur des Alten West-Berlins. An der Hochschule der Künste studierten sie Kunstgeschichte und zeitgenössische Theaterwissenschaften. Zwischenzeitlich spielten sie an der Schaubühne, führten eine kleine Galerie mit Schwerpunkt auf turkmenischer Kunst in der Knesebeckstraße und später ein Künstlercafé am Klausenerplatz. Inzwischen sind sie Ehrenprofessoren und verbringen die meiste Zeit mit Zeitungslektüre im Zwiebelfisch. Ihre Studentenwohnung am Stuttgarter Platz haben sie in den 1980ern gegen eine 140-Quadratmeter-Wohnung in der Bleibtreustraße getauscht. Mehr Platz für die Bibliothek. Trotzdem sind die Akademiker sich – und vor allem Rudi Dutschke – treu geblieben. Sie trinken gepflegtes Pils statt Champagner, schweren Rotwein statt Scotch, die Haare sind noch immer lang, die linken Positionen immer noch stabil.
Die Gastronomen

Charlottenburg ist seit Jahrzehnten eine Spielwiese für innovative Gastronomen aus vielen verschiedenen Ländern. Da wäre The Duc Ngo, der König der Kantstraße. Er hat den kulinarischen Wandel Berlins begleitet und geprägt wie kein zweiter: von Ramen zu Sushi zur Pho, von Charlottenburg nach Mitte und zurück. The Duc Ngo zog Ende der 1970er-Jahre mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus Vietnam nach Berlin und bald nach Charlottenburg. In der Kantstraße verwirklichte er sich in den besten asiatischen Restaurants der Stadt. Charlottenburg ist ein Food-Paradies. Neben Klassikern eröffnen immer wieder neue spannende Orte. Wie das Pars in der Grolmanstraße, in dem die Patissière und bildende Künstlerin Kristiane Kegelmann das legendäre Café Savigny beerbt. Oder das BRLO Charlottenburg, das die Brauhausküche wiederbelebt. Es gibt so viel zu probieren: Das sind die besten Restaurants in Charlottenburg. Und für danach oder dazwischen: die besten Bars in Charlottenburg.
Charlottenburger Typen: Die Urban-Outfitter-Teenies

Bei Charlottenburg denken viele an ältere Ehepaare im Café oder Neureiche im AMG-Mercedes. Doch natürlich gibt es auch im Alten Westen junge Leute. Doch wie bei ihren Eltern und Großeltern unterscheidet sich auch ihr Lifestyle schon in jungen Jahren von den Lebensweisen in anderen Bezirken. Charlottenburger Teenies hängen gediegen am Lietzensee ab, gehen Sushi essen auf der Kantstraße oder versuchen, minderjährig in eine Raucherkneipe zu gelangen, um Karten zu spielen und Bier zu trinken. Wenn man an einem Sommertag über den Savignyplatz läuft, fühlt man sich schnell wie bei Urban Outfitters. Eine Filiale ist ja auch gleich um die Ecke. Fest steht: Those kids got style – und von den Eltern das nötige Kleingeld. Modeverirrungen und Jugendsünden: Fehlanzeige! Gute Restaurants am Savignyplatz stellen wir hier vor.
Die Hertha-Ehrenmitglieder

Die Ehrenmitglieder kennen jede Hertha-Kneipe zwischen Neukölln und Westend wie ihre Kuttentasche. Am Tresen saßen sie schon mit Hanne Sobek zusammen, Arne Friedrich haben sie letztens bei Bier’s Curry getroffen – und den guten Frank Zander kennen sie schon von Anfang an. Frank Zander ist eh der Beste. Trotz Ruhm und Karriere ist der sich nämlich stets treu geblieben und wohnt immer noch zur Miete in einer Charlottenburger Wohnung, in die er vor mehr als 50 Jahren mit seiner Frau Evelyn gezogen ist. Auch die Hertha-Ehrenmitglieder bleiben sich treu. Bei Schultheiss aus der Tulpe, bei Gabi an der Theke und bei ‘ner Knacker beim Fleischer. Der Schnauzer sitzt, die Haare bleiben lang. Im Kiez kennt man sie noch, prostet ihnen zu, wenn ein Tor fällt. Die Herthaner sind Charlottenburg durch und durch.
Charlottenburger Typen: Die Ku’damm-Bonzen

Sie sind reich, sehr reich – und das sollen alle sehen. Ihren Reichtum investieren die Ku’damm-Bonzen nicht in Eleganz, sondern in Statussymbole. An der Hand tragen sie keine Uhr, sondern gleich ein ganzes Jahrzehnt. Wie eine Elster schnappen sie sich alles, was glänzt und blinkt und blendet. Ihre Scheine stellen sie in goldenen Geldklammern zur Schau, die Marken ihrer aufgeplusterten Steppjacken stehen in allen verschiedenen Größen und Verzierungen auf dem synthetischen Stoff. Soll ja jeder wissen. Die Lippen werden jedes Jahr ein bisschen größer, die Haut immer straffer, das Portmonee immer dicker, der kleine Hund mit Atemproblemen immer besser frisiert. Die Ku’damm-Bonzen fahren keinen Oldtimer, sie fahren tiefergelegte weiße SUVs mit acht Auspuffen. Einparken können sie trotzdem nicht.
Die Prominenz des Alten Westens

Viele von ihnen sind schon lange tot und doch lebt ihr Vermächtnis in den Straßen, Cafés und Bars Charlottenburgs weiter. Oder in den Lebenszielen der Imitatoren, die nach einem durchzechten Abend in der Paris Bar denken, sie wären Otto Sander. Doch ein so legendärer Schauspieler und Tresenveteran lässt sich nicht kopieren. Genau so wenig wie andere Ikonen des Alten Westens. Starfriseur Udo Walz zum Beispiel, mit dem sich Sander auf der Terrasse der Paris Bar einen Prominenzwettstreit lieferte, oder Rolf Eden, Berlins berühmtesten Nachtclubbesitzer. Charlottenburgs Bars und Bühnen zogen schon immer spannende Leute an. Viele berüchtigte Lokale der Berliner Kunstszene waren oder sind bis heute hier beheimatet. Weiterhin leben Promis gerne hier. Und die Namen derer, die sich schon verabschiedet haben, sind auf goldenen Plaketten an den Tresen ihrer Stammkneipen verewigt.
Charlottenburger Typen: Die Flaneure

Die Flaneure wissen genau, wie man sich einen schönen Tag in Charlottenburg macht. Ihre Schlender- und Genussrouten haben sie über Jahrzehnte hinweg perfektioniert. Ein gemütlicher Spaziergang um den Lietzensee, ein Bummel über die Antikmeile Suarezstraße, ein traditionell geräucherten Aal bei Rogacki, eine Auster auf dem Wochenmarkt Karl-August-Platz und dazwischen immer wieder ein erfrischender Chardonnay. Die Flaneure wohnen nicht in Charlottenburg, sie sind Charlottenburg.
Die Sonntagsfahrer

Die Sonntagsfahrer holen ihren 1963er Jaguar E-Type nur aus der Tiefgarage, wenn die Sonne scheint und die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 42,8 Prozent beträgt. Dann geht es auf den Kurfürstendamm. Die Leute sollen staunen, aber nicht starren. Denn der Sonntagsfahrer fährt vor allem für sich – und für seinen polierten Wagen. Das Halstuch flattert, die Sonnenbrille sitzt, der Motor schnurrt. Diese eleganten Charlottenburger rasen nicht, sie fahren aus.
Charlottenburger Typen: Die Shopping-Queens

Die Shopping-Queens können acht Tüten auf einmal tragen – mit einer Hand. Der Ku’damm ist ihre Laufbahn, hier werden Rekorde aufgestellt. Voller Zielstrebigkeit kämpfen sie sich durch die Angebote, das Auge stets auf den besten Preis gerichtet. Sie kennen alle Tricks, wissen, wann man am besten startet, pausiert und aufhört. Keine Schlange ist zu lang, kein Black Friday zu kurz. Shoppen ist Sport, Leidenschaft, Liebe.
Die Galeristen

Charlottenburg beherbergt viele der renommiertesten Galerien der Stadt. Hier hat man Ahnung und das nötige Budget. Vor allem aber gehört das Stolzieren entlang zeitgenössischer Kunstwerke einfach zum Charlottenburger Lifestyle dazu. Und jeder weiß, wo gerade die spritzigste Vernissage gefeiert wird. Ein Gläschen nimmt man doch gerne mit und ein paar gute Gespräche auch. Die Galerien sind eine Welt für sich. Die Menschen, die hier verkehren, eine ganz eigene Spezies. Immer aktuelle Ausstellungen stellen wir hier vor.
Charlottenburger Typen: Die Charlottengrader

Auch historisch ist Charlottenburg von Zuwanderung und Vertreibung geprägt. In den 1920ern siedelten sich viele osteuropäische Juden in der Gegend rund um den Kurfürstendamm an. Viele von ihnen waren Kriegs- und Revolutionsflüchtlinge aus Russland. Schnell folgten russische Lokale, Geschäfte, Kinos, Theater und Verlage, woraufhin sich die Bezeichnung „Charlottengrad“ einbürgerte. Die Machtergreifung 1933 machte die neuen Charlottenburger erneut zu Verfolgten. Viele von ihnen flohen Richtung Paris, New York oder Tel Aviv. Andere wurden deportiert und ermordet. Die Einflüsse, die sie hinterlassen haben, sind bis heute geblieben. Und hundert Jahre nach dem Höhepunkt von „Charlottengrad“ leben wieder zehntausende Russen in Berlin, viele von ihnen in Charlottenburg – russische Geschäfte und Restaurants gibt es hier auch längst wieder.
Die Gangsta-Kids aus gutem Hause

Der Johann-Linus vom Sophie-Charlotte-Platz war eigentlich immer so ein guter Junge. Der beste Tänzer in der Jazz-Dance-Klasse und ganz fingerfertig auf der Bratsche. Doch seit er 15 ist, ist er kaum wiederzuerkennen. Er trägt jetzt so Hip-Hop-Klamotten – und raucht Gras auf der Dachterrasse oder auf dem Breitscheidplatz. Die Nachbarn gucken schon. Vor seinen Freunden aus Spandau tut er so, als hätte er kein Geld. Sobald sie weg sind, fragt das Gangsta-Kid aus gutem Hause aber erstmal nach ein paar Scheinen für Bubbletea und Nigiri. In ein paar Jahren könnte er zur Ku’damm-Bonze werden. Oder er schafft doch noch den Absprung und wird immerhin zum Urban-Outfitter-Teenager.
Trifft man oft in Charlottenburg: die klassischen Kneipen-Charaktere. Egal ob im Kant Kino, Delphi oder Cinema Paris: Diesen Kino-Charakteren seid ihr bestimmt schon mal begegnet. Sobald die Sonne scheint, sind sie da: Die Biergarten-Charaktere fehlen nie. Ihr wollt den Bezirk erkunden: Das sind die schönsten Spaziergänge durch Charlottenburg. Von Kiez zu Kiez: Wir stellen die schönsten Nachbarschaften in Charlottenburg vor. Mehr über den Bezirk lest ihr auf unserer Charlottenburg-Seite. Und immer neue Ausflugstipps gibt’s hier.
Während in Berlin und Potsdam gerade zwei Ausstellungen die Werke von Edvard Munch zeigen, kommt ein Biopic über den norwegischen Maler ins Kino. tipBerlin-Kritikerin Paula Schöber findet: Regisseur Henrik M. Dahlsbakken ist mit „Munch“ ein interessantes filmisches Porträt gelungen.

„Munch“ ist ein interessantes Biopic in vier Episoden
Das Biopic ist in den letzten Jahren zu einem omnipräsenten Genre geworden. Von Udo Lindenberg über Elton John und van Gogh bis Oppenheimer (hier die Filmkritik) wird auf dem Weg auf die Leinwand kein Künstler, Wissenschaftler oder Politiker ausgelassen. Künstler scheinen die Lieblingsinspiration für Biopics zu sein, eben erst spielte Ben Kingsley im Kino Salvador Dalí, davor liefen Biopics über Caravaggio und Alma Mahler und Oskar Kokoschka. Jetzt ist Edvard Munch dran.
Der Norweger Henrik M. Dahlsbakken hat sich an der Bebilderung des Lebens des prominentesten Malers Norwegens versucht. Herausgekommen ist dabei ein ziemlich interessantes Biopic, das in vier Episoden geteilt ist. Dahlsbakken zeichnet in seinem Film, der schlicht „Munch“ heißt, vier Lebensabschnitte des Künstlers nach, die er offensichtlich für besonders relevant hält. Diese vier Episoden fügt Dahlsbakken aber nicht einfach chronologisch hintereinander, sondern kombiniert immer dann Szenen aus verschiedenen Lebensabschnitten, wenn diese zusammenpassen, einen Bezug zueinander haben, oder sogar früheres oder späteres Verhalten des Malers verständlicher werden lassen. Dahlsbakken montiert also motivisch und nicht einfach chronologisch.

Der erste Lebensabschnitt stellt den jungen, gerade 20-jährigen Edvard Munch vor, der sich im Sommerhäuschen der Familie in der Naturidylle Norwegens eingesperrt und kreativ gehemmt fühlt und sich nach der lauten, dreckigen Stadt zurücksehnt, dort aber auch seine erste Liebe, die zu seinem Unglück verheiratete Milly Thaulow, kennenlernt.
Edvard Munch läutete in der Berliner Kunstwelt die Moderne ein
Der zweite Lebensabschnitt, den Dahlsbakken zeigt, ist Munchs Berliner Zeit, beziehungsweise deren Beginn 1892. Munch stellte auf Einladung des Berliner Kunstvereins zum ersten Mal in Deutschland aus. Seine Bilder hatten aber wenig mit dem romantischen „Zauber des Nordens“ (Stefan Zweig) gemein, der für friedliche, impressionistisch gemalte skandinavische Landschaften stand, und dem die Berliner Kunstwelt zu dieser Zeit verfallen war. Munchs expressionistische Malerei stellte für den Berliner Kunstverein eine Provokation dar, der Vorwurf: Die Bilder seien skizzenhaft und noch nicht fertig. Die Ausstellung wurde nach wenigen Tagen geschlossen, in der Berliner Kunst fing aber ein neues, modernes Zeitalter an.

Um diesen Umbruch und diese Aufbruchsstimmung einzufangen, entschied Dahlsbakken sich, die wegweisende Episode in Munchs Leben, die als „Die Affäre Munch“ in die Kunstgeschichte eingegangen ist, im heutigen Berlin spielen zu lassen. Statt im Wein- und Stammlokal der damaligen Berliner Bohème „Zum schwarzen Ferkel“ diskutiert der junge, getriebene Edvard Munch mit August Strindberg und Gustav Vigeland im Techno-Club die großen Fragen der Gesellschaft. Dahlsbakkens Regie-Einfall funktioniert erstaunlich gut. Die Diskussionen über Monogamie passen genauso gut ins Berghain oder ins About Blank wie in den Berliner Bohème-Alltag um die Jahrhundertwende.
„Munch“ kommt passend zu zwei Munch-Ausstellungen in Berlin und Potsdam ins Kino
Für einen nicht ganz klassischen Ansatz entscheidet sich Dahlsbakken auch in der Darstellung der dritten Episode, in der der 45-jährige Munch nach einem Nervenzusammenbruch und mit einem Alkoholproblem in einer Kopenhagener Nervenklinik landet. Mit seinem ein wenig an Freud erinnernden Psychiater diskutiert er dort über Genie und Wahnsinn und reflektiert über sein Leben. Das Besondere an dieser Episode ist, dass sie in Schwarzweiß und im 4:3-Format gedreht ist. Das lässt an das damals gängige Fotografie-Format denken, und passt gar nicht mal so schlecht, da Edvard Munch auch gerne sich selbst und sein Lebensumfeld fotografierte.
Die letzte Episode ist dann, wie die erste, wieder klassisch gehalten und zeigt Munchs Lebensabend in seinem Haus bei Oslo, das zu dieser Zeit von den Nazis besetzt ist, weshalb der alte Maler um seine Bilder fürchten muss. Die Montage einzelner Szenen aus den vier unterschiedlichen Episoden verstärkt das Verständnis für die verschiedenen Lebensabschnitte Munchs, aber auch wie sich die Welt um ihn herum in 60 Jahren verändert hat.
Was den Film, besonders für Berliner, gerade jetzt sehenswert macht: Man muss nicht erst nach Oslo reisen, wo die meisten von Munchs zehntausenden Gemälden und Grafiken ausgestellt sind, sondern kann sich in zwei gut kuratierten, komplementären Ausstellungen in Berlin und Potsdam das Werk des großen Malers zu Gemüte führen. Die Berlinische Galerie beleuchtet in der Ausstellung „Edvard Munch. Zauber des Nordens“ vor allem Munchs prägende Berliner Zeit, während das Museum Barberini sich vor allem Munchs „Lebenslandschaften“ widmet. Über aktuelle Ausstellungen in Berlin lest ihr hier mehr. Henrik M. Dahlsbakkens „Munch“ ist somit eine wunderbare Ergänzung zu den beiden Munch-Ausstellungen, ist aber auch ohne sie ein schönes Biopic geworden.
- Munch Norwegen 2023; 104 Min.; R: Henrik M. Dahlsbakken; D: Alfred Ekker Strande, Mattis Herman Nyquist, Ola G. Furuseth, Anne Krigsvoll; Kinostart: 14.12.
„Munch“ spielt teilweise in Berlin: Wir haben uns überlegt, welche Berlin-Kulissen Wes Anderson gefallen könnten. Die große Schauspielerin im Gespräch: Unser Interview mit Sandra Hüller über „Anatomie eines Falls“, Berlin und Regie-Stars. Ein Liebesfilm für die Generation Tinder: Aylin Tezel gibt mit „Falling into Place“ ihr Regiedebüt. Jean Dujardin verkörpert Sylvain Tesson in „Auf dem Weg“: Unser Autor hat den nachdenklichen Film gesehen. Wie gut ist der Film des Altmeisters? Ridley Scotts „Napoleon“ in der Kritik. Kein Historien-Drama, sondern ein Film über eine dystopische Zukunft: Unsere Autorin findet, das neue „Tribute von Panem“-Spinoff ist beste Kino-Unterhaltung. In „The Ballad of Songbirds and Snakes“ wurde viel in Berlin gedreht: Das sind die Drehorte des neuen „Tribute von Panem“-Spinoffs. Was läuft sonst gerade? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik. Euch fehlt der Überblick über die Berliner Filmfestivals? Die besten Festivals übers Jahr verteilt haben wir hier zusammengetragen. Und wenn die Filmfestspiele laufen, erfahrt ihr in unserer Berlinale-Rubrik alles darüber.
Die Berlin Art Week ist mittlerweile ein festes Datum im internationalen Kunstkalender und wartet 2023 erneut mit einem vielversprechenden Programm auf. Vom 13. bis 17. September könnt ihr überall in der Stadt zeitgenössische Kunst in ihrer Bandbreite von jung und aufstrebend bis international etabliert kennenlernen. Thematische Schwerpunkte sind Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Krieg.
Mit dabei sind Museen und Kunstinstitutionen, Privatsammlungen und Projekträume sowie zahlreiche Galerien. Und weil Berlin die Stadt der konstanten Überforderung ist, starten noch weitere Kunst-Veranstaltungen wie die Gallery Weekenend Openings im selben Zeitraum. Damit ihr vor lauter Events im fröhlichen Kunstreigen keine FOMO-Attacke bekommt, geben wir euch einen Überblick, präsentieren die Must-Sees der Berlin Art Week 2023 und des Programms rund um die Kunstwoche.
Berlin Art Week 2023: Festivaltreffpunkt „BAW Garten“

Als zentrale Anlaufstelle gastiert der BAW Garten diesmal an der Neuen Nationalgalerie. Von Mittwoch bis Sonntag können Besucher:innen umsonst und draußen an einem vielfältiges Programm zu teilnehmen: Von Performances über Workshops bis hin zu Drinks am Feierabend. Zudem geben Mitarbeiter:innen Informationen rund um das stadtweite Festivalprogramm. Los geht es am 13.9. mit der ikonischen Performance „Cut Piece“ (1964) von Yoko Ono, die von Berliner Performer:innen ausgeführt wird.
- Neue Nationalgalerie Potsdamer Str. 50, Tiergarten, Isa Genzken: Di–Mi, Fr–So 10–18 Uhr,
Do bis 20 Uhr, 14/ 7 €, bis 18 J., Do ab 16 Uhr + 1. So/ Monat frei, Tickets hier, bis 24.9.
Highlights der Berlin Art Week in Mitte

Coco Fuscos Retrospektive „Tomorrow, I Will Become an Island“ zeichnet in Videos, Fotografien, Installationen und Performances die Bedeutung der kubanisch-amerikanischen Künstlerin für Debatten über Repräsentation, Feminismus und postkoloniale Theorie nach
- KW Institute for Contemporary Art Auguststr. 69, Mi–Mo 11–19/ Do 11–21 Uhr, 8/ 6 €, bis 18 J, Do ab 18 Uhr + 1. So/ Monat frei, bis 7.1.
Memory Biwa & Robert Machiri , zwei Künstler:innen, die sich auf Klang und Geschichte spezialisiert haben, bauen in die Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) einen Klangraum. Er soll soziales Handeln in Afrika hörbar machen: mittels eines Soundsystems. Zu hören sind Erzähler:innen, Sänger:innen, Musiker:innen, DJs. Am 16. und 17. September finden dazu Lyriklesungen, Konzerte und Workshops statt.
- ifa Galerie Linienstr. 139–140, Di–So 14–18, Do bis 20 Uhr, bis 23.10.
„Unbound: Performance as Rupture“ zeigt über 40 Videoarbeiten vom Ende der 1960er-Jahre bis heute. Es geht um Performances für die Kamera und die Widerständgkeit
- Julia Stoschek Collection Leipziger Str. 60, Sa + So 12–18 Uhr, 5 €
Highlights der Berlin Art Week in Moabit, Wedding und Reinickendorf

New Fears ist ein junger Projektraum für experimentelle Kunst zwischen Tanz und Performance. Der Ort ist für den Project Space Award 2023 nominiert.
- New Fears Scheererstr. 5, Wedding, 14. September 18–22, 15. September 20–22 Uhr, 16./17. September 14–22 Uhr
„Sandbox Mode“ heißt die Ausstellung mit Mitchell F. Chan, Sara Ludy, The Roedalming Group und anderen. Ihr thematischer Schwerpunkt: Blockchain-Technologien. Für diese Schau ist Office Impart für den VBKI-Preis der Galerien nominiert.
- Office Impart Waldenserstr. 2–4, Moabit, Mo–Fr 15–18 Uhr, bis 20.10.
Hallen #4 steigt wieder in den denkmalgeschützten Wilhelm Hallen mit rund 20 Galerien wie Alexander Levy, ChertLüdde und Esther Schipper Werke ihrer Künstler:innen. Dazu gibt es ein Programm mit Gesprächen, Performances, Musik und Führungen.
- Wilhelm Hallen Kopenhagener Str. 60–72, Reinickendorf, 9.–17.9.,Mo–Fr 11–20 Uhr, 10/ 7 €
Highlights der Berlin Art Week in Charlottenburg und Wilmersdorf

Mary Ellen Mark machte die „Human Condition“ zu ihrem Lebensthema. Es führte sie zu Frauen in einer psychiatrischen Station in Oregon, zu Sexarbeiterinnen in Mumbai, zu Straßenkindern in den USA. C/O Berlin zeigt die erste große Retrospektive der berühmten Bildreporterin. Die zweite Ausstellung versammelt junge Fotograf:innen, deren Arbeiten Klimakrise, Kapitalismuskritik und die ökologischen Folgen der Fotografie selbst fokussieren
- C/O Berlin Hardenbergstr. 22–24, 16.9.–24.1.24, Mo–So 11–20 Uhr, 12/ 6 €, bis 18 J. frei
Um Vögel geht es bei Magpie, magpie why do you sigh?, genauer um die schlaue Elster. Tina Brügger, Petra Cortright, Kaspar Müller, Jeanette Mundt, Bunny Rogers und Marianna Simnet beschäftigen sich mit der langen Geschichte der Mythen über Elstern.
- Galerie Societé Wielandstr. 26, Mo–Fr 10–18 Uhr, 15. September bis 21 Uhr, 16. September 11– 18 Uhr, bis 28.1.23
Können sich Malerei, Fotografie, Skulptur und Video gegenseitig erhellen? Antworten sucht die Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank anhand von Werken aus ihrer Sammlung mit Schwerpunkt auf figurativer Kunst der 1980er- und 1990er-Jahre in Berlin und Ostdeutschland. Und zwar in Gegenüberstellung mit Arbeiten aus der Sammlung der DZ Bank, in der sich vor allem auf Fotografie seit 1945 findet (13 Sep–10 Dez).
- Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank Kaiserdamm 105, Di–So 10–18 Uhr, 5/ 3 €, bis 18 J. frei, bis 10.12.
Highlights der Berlin Art Week in Tiergarten und Schöneberg

15 Jahre ChertLüdde: Die kommende Gruppenausstellung ist eine Geburtstagsschau. „My Demons My Angels“ zeigt Arbeiten von allen Künstler:innen der Galerie, darunter Sol Calero, Pauline Curnier Jardin, Ruth-Wolf-Rehfeld und Petrit Halilaj. Das gemeinsame Thema: Was hält Menschen zusammen? Welche Wünsche und Ambitionen treiben uns an?
- Galerie ChertLüdde Hauptstr. 18, Di–Sa 12–18 Uhr, 15.9. bis 21 Uhr, bis 15.10.
Anikka Yi hat ihre erste Schau bei Esther Schipper. Die New Yorker Konzeptkünstlerin will mit ihren Installationen alle Sinne ansprechen, auch den Geruchssinn, und arbeitet mit Chemiker:innen und Biolog:innen zusammen. Zugleich zeigt die Galerie eine Fotoarbeit von Ugo Rondinone aus der Schweiz.
- Galerie Esther Schipper Potsdamer Str. 81e, via Aufzug/ Lift, Di–Sa 11–18 Uhr, 15.9. bis 21 Uhr, bis 21.10.
Jota Mombaça aus Brasilien stellt aus: In Installation, Video, Zeichnungen sowie Keramik- und Textil-Arbeiten thematisiert sie Amazons und Spree, Mangrovenwälder und ehemaliges Sumpfgebiet, Schutz vor Naturgewalten und Renaturierung.
- CCA Kurfürstenstr. 145 (Eingang Frobenstr.), Mi–Sa 11–18 Uhr, bis 2.12.
Highlights der Berlin Art Week in Kreuzberg und Neukölln

Die Herbstattraktion des Museums: Die Ausstellung „Edward Munch“, eine Kooperation mit dem Munch-Museum Oslo, die Edvard Munchs (1863–1944) Verhältnis zu Berlin thematisiert (15.9–22.1.24). Außerdem: Simon(e) Jaikiriuma Paetau mit drei Filmarbeiten zu queeren Themen (bis 16.9.). Und: der Berliner Kunstprofessor Nasan Tur zu Leben und Tod (bis 1.4.) sowie die Architekturschau „Suddenly Wonderful” zu West-Berliner Großbauten (bis 18.9.).
- Berlinische Galerie Alte Jakobstr. 124–128, Mi–Mo 10–18 Uhr, 15/ 9 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei
Die Galerie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes widmet sich internationalen Künstler:innen, die mit dem DAAD-Programm nach West-Berlin kamen. In „If the Wind Blows My Flag“ geht es auch darum, wer warum während des Kalten Krieg teilnahm.
- Daad-Galerie Oranienstr. 161, Di–So 12–19 Uhr, bis 14.1.24
In der ehemaligen Brauerei stellt „Voices without Borders“ die Künstlerinnen und Autorinnen Etel Adnan und Simone Fattal als Paar vor (bis 1 Jan). Emma Talbot aus Großbritannien präsentiert eine große Malerei-Installation. Und die Gruppenschau „POLY. A Fluid Show“ thematisiert non-binäre Perspektiven (beide ab 17 Sep).
- Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst Am Sudhaus 3, bis 1.1.24, Mi 12–20, Do–So 12–18 Uhr, 5/ 3 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei
Highlights der Berlin Art Week in Friedrichshain und Lichtenberg

Axel und Barbara Haubrok zeigen Kunst aus ihrer Sammlung mit Konzeptkunst. Dazu findet am 17. Sep ein Nachmittagsprogramm der Künstler:innen und Musiker:innen aus den Ateliers auf dem Gelände der ehemaligen SED-Fahrbereitschaft statt. Der Abend soll mit einer Performance von Jean-Pascal Flavien auch außerhalb des Geländes enden
- Fahrbereitschaft Herzbergstr. 40–43, 17 Sep 12–20 Uhr, sonst bis 29. Oktober nach Anmeldung unter haubrok.org
Das Team der in Rumänien verwurzelten Galeria Plan B zeigt Gemälde von Israel Hershberger, dem Begründer der privaten Jerusalem Studio Kunstschule. Der figurativ arbeitende Maler, 1948 geboren, ist unter anderem für realistische Italienlandschaften bekannt.
- Galeria Plan B Strausberger Platz 1, Di–Sa 12–18 Uhr, 15.9. bis 21 Uhr, bis 28.10
Seit rund 25 Jahren fotografieren Sabine Bitter und Helmut Weber Gebäude, die der Ausbildung dienen und die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost und West gebaut wurden. Die Ausstellung „Dunkelkammer Bildungsmoderne“ gibt Aufschluss über Menschenbilder, Machtverhältnisse und Ideologien, wie sie sich in Schulen und Universitäten spiegeln.
- Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) Station Urbaner Kulturen Hellersdorf Auerbacher Ring 41, Do + Sa 15–19 Uhr
Ihr wollt noch mehr ins Detail gehen? Neuheiten, letzte Chancen: Hier empfehlen wir aktuelle Kunstausstellungen in Berlin, bei denen die Berlin Art Week natürlich auch eine Rolle spielt.
BAW Featured

Unter dem Namen „BAW Featured“ werden dieses Jahr zwölf Sonderprojekte im Festivalprogramm präsentiert, die unter 90 Bewerbungen von einer Jury ausgewählt wurden. Dazu gehört unter anderem die alternative Kunstmesse The Fairest und die szenige Trauma Bar und Kino, in denen junge und super zeitgeistige Kunst gezeigt wird. Alles andere als alternativ und undergroundig, dafür mit viel Kunst-Glam eröffnet der Berliner Ableger des schwedischen Fotografie-Museums Fotografiska im ehemaligen Kunsthaus Tacheles seine Türen, mit Einzelausstellungen der umtriebigen, international erfolgreichen Berliner Künstler:innen Juliana Huxtable und Candice Breitz, sowie einer Gruppenschau zu Aktfotografie. Mehr über das, was euch im Fotografiska erwartet, lest ihr hier.
Hochprozentig geht es im Monopol Berlin zu. Im großzügigen Atelier- und Veranstaltungsort in Reinickendorf, einst eine Destillerie, beleuchten Künstler:innen in „High Spirits“ die Verbindungen zwischen Kunst und industrieller Produktion. Und im R50 spielt Avantgarde-Musiker André Vida sein Saxophon ohne Atem.
- Fotografiska Berlin Oranienburger Str. 54, Mitte, tägl. 10–23 Uhr, ab 14 €
- Monopol Berlin Provinzstr. 40-44, Reinickendorf, 12.–17.9., Di 17–20/ Mi 15–20/ Do–Sa 12–20 Uhr
- Trauma Bar und Kino Heidestr. 50, Tiergarten, 16.+17.9., Sa 20–23.59/ So 12–18 Uhr
- The Fairest Luckenwalderstr.2, Kreuzberg, 13.–17.9., Mi 18–22/ Do–So 12–18 Uhr, 7/ 5 €, bis 18 J. frei
- Yellow Solo im R50 Ritterstr. 50, Kreuzberg, 14.+15.9., 20.30–22.30 Uhr
Positions Berlin

Die Kunstmesse Positions feiert zehnjähriges Bestehen. Gegründet vom bestens vernetzten Berliner Galeristen Kristian Jarmuschek, war diese Messe keine für Millionen-Deals, sondern für kleine und mittlere Positionen mit dem Anspruch, zeitgenössische Entwicklungen abzubilden. Lag letztes Jahr ein Fokus aus Galerien aus dem Osten Europas, werden dieses Jahr fünf Galerien aus Mexiko City vertreten sein. Zum Programm gehören außerdem neben Altstars wie David Hockney auch wieder junge Positionen in der Malerei wie die von Marlen Letetzki, einer Absolventin der Universität der Künste, für die allein sich ein Besuch lohnt.
- Flughafen Tempelhof Hangar 5–6, Tempelhofer Damm, Fr 15.9. 14–20 Uhr, Sa 16.9. 11–19 Uhr,So 17.9. 11–18 Uhr, 20/ 10 €, Abendkarte: 10 €, bis 18 J. frei, Eröffnung: 14.9., 18 Uhr, 20 €, mehr Infos hier
Digital Art Lab

Die Nominierten für den „VR Kunstpreis“, unter ihnen Lauren Mofatt Local, zeigen in „Unleashed Utopias“, wie sie KI nutzen. Im ersten „Digital Art Lab“ der Berlin Art Week stehen digitale Werkzeuge und ihre Folgen zur Debatte.
- Haus am Lützowplatz Lützowplatz 9, Tiergarten, ab 9.9., Digital Art Lab 13.–17.9.
Gallery Openings und Gallery Weekend Festival

Gallery Weekend – war doch schon im April? Richtig! Aber zur Berlin Art Week mischen die Macher:innen wieder mit und zwar mit den Gallery Openings. 51 Galerien des GW eröffnen am 15. 9. ihre Ausstellungen. Dazu gehören neben Einzelausstellungen etablierter Namen wie Raphaela Vogel bei BQ werden auch Gruppenausstellungen, wie Rudolf Stingel, Richard Prince und Albert Oehlen bei Max Hetzler oder die Ausstellung „My Demons My Angels“ bei ChertLüdde, mit der die Galerie ihren 15. Geburtstag feiert. Außerdem wird das Kunstspektakel erstmals um ein Gallery Weekend Festival in einer spektakulären Location erweitert. Das „Studio Mondial“ in einem leerstehenden Hotel auf dem Ku’Damm dient bereits als temporärer Ausstellungsort. Hier erwarten Besucher:innen Performances, Screenings, Sounds, Lesungen und Installationen von über 40 der am GW teilnehmenden Galerien. Mit dabei sind spannende Künstler:innen wie beispielsweise Nicholas Grafa, Mikołaj Sobczak und Anna Ehrenstein.
- Gallery Openings, verschiedene Orte, Fr 15.9. 18–21 Uhr, 16./17.9. 11–18 Uhr, teilnehmende Galerien
- Gallery Weekend Festival im Studio Mondial, Kurfürstendamm 47, Charlottenburg, Sa 16.9 12–19, So 17.9. 12–19 Uhr
Berlin Art Week Touren
Erneut bietet die Berlin Art Week Touren durch verschiedene Kieze an – ob zu Fuß oder mit dem Rad. In deutscher und englischer Sprache führen Expert:innen zu neuen, alten, kleineren und größeren Kunstorten etwa im Wedding, Charlottenburg oder Neukölln. Wenn ihr Glück hattet, konntet ihr ein Ticket ergattern, mittlerweile sind die Führungen ausverkauft.
- Verschiedene Orte, 14.–17., Infos und Tickets hier
Mehr Kunst findet ihr in der Septemberausgabe des tipBerlin. unsere Titelstory nimmt das Gesamtbild in den Fokus: Gerade verändert sich die gesamte Berliner Kunstlandschaft gewaltig. Es gibt so viele neue Museumsdirektor:innen wie noch nie, neue Themen wie Kunst aus dem Globalen Süden und Osteuropa sowie mit Joe Chialo einen neuen Kultursenator. Und für alle, die die Woche der Kommunalen Galerien Berlin und die Berlin Art Week 2023 erkunden möchten, ist die praktische Art Map mit dabei.

Geht immer: Wir zeigen euch 12 wichtige Ausstellungshäuser, Galerien und Museen für Kunst in Berlin. Wir blicken nach vorne: Die wichtigsten Ausstellungen im Berliner Kunstjahr 2023 im Überblick. Gut zu wissen: Am Museumssonntag ist der Eintritt kostenlos, jeden ersten Sonntag im Monat. Immer gut über das Leben in Berlin informiert: Abonniert jetzt unseren wöchentlichen tipBerlin-Newsletter. Ihr wollt wissen, was in der Gastro-Welt Berlins geschieht? Hier entlang. Unsere Empfehlungen für eure Ohren: Konzerte in Berlin.
In Bad Saarow in Brandenburg findet vom 31. August bis zum 3. September das elfte internationale „Film ohne Grenzen“-Festival statt. Die viertägige Veranstaltung in der Kulturscheune auf dem Gut Eibenhof und im Cinema by Velotel behandelt dieses Jahr das Thema „Zuversicht“. Insgesamt werden mehr als 20 internationale, oft preisgekrönte Filme gezeigt. Ein großer Anteil davon sind Kino-Vorpremieren. Im Anschluss folgen Filmgespräche, Diskussionen und Talks mit Filmschaffenden und Expert:innen. Was euch erwartet, lest ihr hier.

Das Thema des diesjährigen Filmfests: „Zuversicht“
Am Ufer des Scharmützelsees, mitten in der Natur, findet jedes Jahr im September das „Film ohne Grenzen“-Festival statt. Auf dem idyllisch gelegenen Eibenhof, der sich auf einer Halbinsel befindet, werden Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilme gezeigt, die unter dem diesjährigen Motto „Zuversicht“ laufen. Zuversicht beinhaltet nicht nur eine positive Einstellung gegenüber der Zukunft, sie steht auch für mentale Stärke. Mit dem Thema und der dazugehörigen Filmauswahl möchten die Veranstalter:innen den aktuellen Zeitgeist und die Stimmung der Gesellschaft widerspiegeln. „Je schwieriger es einem scheint, zuversichtlich zu bleiben, desto mehr möchte man der Zuversicht einen Raum geben“, so Susanne Suermond, Gründerin des Festivals und Vorsitzende des Vereins. Gemeinsam mit Tanya Berndsen und Yvonne Borrmann leitet sie das Filmfestival.
In mehr als 20 Filmen möchte „Film ohne Grenzen“ dieses Jahr mit einem abwechslungsreichen Programm der Zuversicht nachspüren. Es werden deutsche und internationale Filmschaffende und Expert:innen erwartet, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Neben den Filmvorführungen stehen auch Gespräche und Diskussionen mit Schauspieler:innen, Regisseur:innen und Produzent:innen auf dem Programm. Dieses Jahr mit dabei sind unter anderem der Regisseur Volker Schlöndorff sowie die Filmemacherinnen Veronica Selver und Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste.

Neben dem Filmprogramm und Gesprächen wird es auch in diesem Jahr eine Podiumsdiskussion, einen Sonntags-Talk mit Gero von Boehm, und eine „philosophische Stunde“ mit Ariadne von Schirach geben. Zusätzlich finden vormittags am 1. September Schulkino-Vorführungen statt.
„Film ohne Grenzen“: Zum Auftakt läuft der Dokumentarfilm „Irmi“

„Film ohne Grenzen“ wird am Donnerstag, dem 31. August, mit dem Dokumentarfilm „Irmi“ auf dem Gut Eibenhof eröffnet. Die deutsch-jüdische Emigrantin Irmi Selver, die bei dem Versuch, aus Hitlers Europa zu fliehen, ihren Mann und ihre Kinder verlor, hätte ohne Zuversicht wohl kaum überlebt. Die Flucht aus Deutschland war der jüdischen Chemnitzerin und ihrer Familie noch geglückt. Kurz nach Kriegsausbruch sollte es von den Niederlanden mit dem Schiff nach Curaçao gehen. Der Dampfer geriet in ein deutsches Minenfeld und kenterte. Irmis Mann und ihre beiden Kinder starben. Sie selbst hat überlebt und kam bei einem Freund in England unter. Ihr Mut und ihr Lebenswille haben sie durch die Tragödien und Verwerfungen getragen, die sie als deutsche Jüdin im 20. Jahrhundert erleben musste. Eines Tages sagte sie zu sich selbst: „Ich habe beschlossen zu leben“. Sie zog nach New York und hat ein zweites Leben begonnen. Der Film wurde von Irmi Selvers Tochter, der Filmemacherin Veronica Selver und deren Freundin Susan Fanshel produziert.
Das spanische Drama „20.000 Arten von Bienen“

Im Cinema by Velotel Bad Saarow wird am 1. September der Film „20.000 Arten von Bienen“ gespielt. Die Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren erzählt von einem achtjährigen Jungen, der nach und nach für sich feststellt, dass er lieber ein Mädchen sein will. Ein Bienenstock dient als Leitmetapher. Das spanische Drama wird aus der Perspektive des Kindes erzählt und führt den Zuschauer:innen konsequent vor Augen, wie schwierig es sein kann, seinen Platz in der Welt zu finden. Gleichzeitig zeigt der Film wie die Mutter, die selbst noch mit ambivalenten elterlichen Altlasten ringt, mit der Identitätssuche ihres Kindes umgeht. Bei der Berlinale 2023 räumte der Film ab: Sofía Otero erhielt den Silbernen Bären für die beste darstellerische Leistung in einer Hauptrolle. Unsere Kritik zu „20.000 Arten von Bienen“ könnt ihr hier lesen.
Das Filmdrama „Joyland“ auf dem Festival „Film ohne Grenzen“

Zuversicht prägt auch das im November 2022 erschienene Filmdrama „Joyland“. Am Samstag, dem 2. September, wird in der Kulturscheune das Spielfilmdebüt des pakistanischen Regisseurs Saim Sadiq gespielt. Der Film erzählt eine sehr berührende queere Liebesgeschichte in der tief in patriarchalischen und traditionellen Werten verwurzelten pakistanischen Gesellschaft. Hauptprotagonist ist der verträumte Haider, der ein Außenseiter in seiner Familie ist. In seiner zugeschriebenen Rolle findet sich Haider nicht wieder, sein Leben wird von seiner Frau, einer glücklichen und erfolgreichen Kosmetikerin, finanziert. Durch ein Stellenangebot in einem Tanzetablissement nimmt sein Leben eine drastische Wendung. Er tritt in die schillernde Welt des Showbusiness ein und wird für die trans Sängerin Biba zum Backgroundtänzer. Beim Filmfestival in Cannes 2023 gab es dafür die „Queere Palme“ und wurde von Pakistan bei der Oscarverleihung 2023 als bester internationaler Film nominiert.
Zuversicht bestimmt ebenso den neuen Film „Fallende Blätter“ (1. September) von Aki Kaurismäki. Dieser erzählt von zwei einsamen Menschen, die zufällig im nächtlichen Helsinki aufeinander treffen. Das Motto wird auch in Maite Alberdis Dokumentarfilm „Die unendliche Erinnerung“ (2. September) widergespiegelt. In der zärtlichen Liebesgeschichte beginnt die Frau von Góngora, der an Alzheimer erkrankt ist, die alltäglichen Momente auf Video aufzunehmen. Der deutsche Film „Kalle Kosmonaut“ spiegelt das Thema ebenfalls wider. Der Film erzählt eindrucksvoll über zehn Jahre hinweg das Leben des jungen Kalle und zeigt, wie soziale Ungleichheit ein Leben bestimmen kann. Der 2022 erschienene Film „The Lost King“ (3. September) von Stephen Frears spiegelt das Thema Zuversicht in der wahren Geschichte von Philippa Langley, Hobbyhistoerikerin und alleinerziehende Mutter, die sich auf die Suche nach dem Grab von König Richard III begibt.

Das Filmfest „Film ohne Grenzen“ ist in der nationalen sowie internationalen Filmszene gut vernetzt und eine feste Größe im Brandenburger Festivalbetrieb. In einer knappen Stunde gelangt man von Berlin auf die malerische Halbinsel im Scharmützelsee. Das Festival ist autofrei, die Anreise mit Fahrrad oder öffentlichem Nahverkehr empfiehlt sich also. Tickets könnt ihr hier kaufen, das ganze Programm des Festivals „Film ohne Grenzen“ findet ihr hier.
- Film ohne Grenzen, Gut Eibenhof, Kulturscheune, Alte Eiche 33, Bad Saarow, 31. August ab 17 Uhr bis 3. September 22 Uhr. Cinema by Velotel Bad Saarow, Ulmenstraße 2, Bad Saarow, 1. September ab 19.30 Uhr bis 3. September 20 Uhr. Eintritt: 6-10 €, mehr Infos hier
Was läuft sonst noch? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Doch lieber an der frischen Luft? Hier ist das Programm der Freiluftkinos in Berlin. Mehr Infos rund um Filme bekommt ihr in unserer Kinorubrik. Von Berlinale bis Independent: Filmfestivals 2023 in Berlin seht ihr hier. Keine Lust auf Filme? Hier findet ihr Tipps und Themen rund um das Kulturprogramm in Berlin. Ihr habt Lust auf mehr Action am Wochenende? Hier sind alle Konzerte und Partys in Berlin aufgelistet. Ihr wollt das Wochenende lieber kostenlos verbringen? Dann nutzt das letzte Wochenende des Kultursommerfestivals in Berlin.