Gruselfilm

„A Ghost Story“ im Kino

Sakrale Präzision: „A Ghost Story“ geht sehr ungewöhnliche Horrorwege

UPI

Die Liebe und das Leben eines namenlosen US-amerikanischen Paares (Rooney Mara und Casey Affleck) wird durch den plötzlichen Unfalltod des Mannes zerstört. Doch schon bald entsteigt der Tote als Geist (mit Bettlaken über dem Kopf!) der Leichenhalle des Krankenhauses und findet sich wieder im trauten Heim ein, um seiner trauernden Frau bei ihrem Verlust beizustehen.

Der Filmtitel „A Ghost Story“ ist irreführend. Denn dies hier ist kein konventioneller Horrorfilm, sondern vielmehr eine leise und schöne Meditation über die Vergänglichkeit. Die erste Subversion ist schon das Bildformat. Der Film ist im nicht mehr gebräuchlichen Seitenverhältnis 4:3 gedreht. Ein totes Bildformat, das an private Heimkinoaufnahmen erinnert. Überhaupt spart der Film die erwarteten Genre-Kino-Bilder aus und zeigt stattdessen ungewöhnlich authentische Alltäglichkeiten voll friedvoller Zweisamkeit und Intimität, die es sonst nur ­selten ins Kino schaffen. Hier spielen keine ­klischeehaften Genre-Figuren die Hauptrollen. Aus der beobachtenden Sicht eines ruhelosen aber stummen Geistes sieht man scheinbar ­echten Menschen mit nachvollziehbaren Gefühlen beim Leben zu. Die Verletzlichkeit der trauernden Rooney Mara wird in statischen, langen Kameraeinstellungen zelebriert.

Durch die bedrückende Stille auf der Tonspur und die erzählerische Reduktion auf das ­Wesentliche unterwandert Regisseur und ­Autor David Lowery die Sehgewohnheiten der Zuschauer. Ist man gewillt sich auf die ­sakrale Präzision von „A Ghost Story“ einzulassen, wirft einen das unweigerlich auf sich selbst zurück. Der Film wird zum Spiegel der ­eigenen Verlustängste und somit doch noch zu einem erschreckend essenziellen Horrorfilm. Begeisternd!

A Ghost Story USA 2016, 93 Min., R: David Lowery, D: Casey Affleck, Rooney Mara, Will Oldham, Start: 7.12

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