Kinderzirkus

„Ach du Liebermann“ im Jugendcircus Schatzinsel

Der Kinder- und Jugendcircus Schatzinsel begibt sich in „Ach du Liebermann“ mit dem Maler Max Liebermann auf eine Zeitreise ins frühe 20. Jahrhundert

Im Circus Schatzinsel sind die Kids selbst die Akteure und Regisseure

Die Kinder vom Kreuzberger Circus Schatzinsel haben viele Talente: Sie sind Jongleure, Akrobaten, Trapezkünstler, Kreateure und Regisseure ihrer eigenen Shows. Auch die großbürgerliche Berliner Familie Liebermann hatte viele Begabungen hervorgebracht, ihre Mitglieder waren Chemiker, Politiker, Juristen oder Unternehmer. Ihr heute berühmtester Spross aber schlug aus der Art: Max Liebermann (1847–1935) wurde Künstler.

In „Ach du Liebermann“ begeben sich die jungen Artisten des Circus Schatzinsel auf die Spuren des Malers und seiner Familie. Denn in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Standorts des Zirkuszeltes befand sich in der Köpenicker Straße die „Liebermannsche Fabrik bedruckter Stoffe“,  eine Baumwollmanufaktur von Liebermanns Vater Joseph. „Darauf sind wir durch Regina Scheers Familienchronik  ,Wir sind die Liebermanns’ gestoßen“, erzählt Christine Kölbel, Projektleiterin und gewissermaßen die Zirkusdirektorin. Ihr Team, das dort seit 2011 zirkuspädagogische Projekte und Kurse für Kinder und Jugendliche anbietet und mit ihnen Stücke erarbeitet, fuhr mit interessierten Kindern raus nach Wannsee – in die Liebermann-Villa, heute ein dem Maler gewidmetes Museum. Über die Bilder und Erzählungen näherten sich die jungen Artisten Liebermann und seiner Zeit an und entwickelten ein Neuer-Circus-Stück, das durch das Berlin vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 30er-Jahre führt, vom Pariser Platz nach Paris und München und natürlich nach Kreuzberg. Schließlich soll Max Liebermann als zehnjähriger Junge in der Fabrik seines Vaters hospitiert haben.

Im Zentrum der Aufführung steht eine weiße Bank, so eine, wie sie im Garten der Liebermann-Villa steht und in vielen Bildern des Malers verewigt wurde. Aber auch Fabrikschornsteine und Ausflugslokale gehören zur Szenerie, durch die ebenfalls berühmte Zeitgenossen Liebermanns wie der Chirurg Ferdinand Sauerbruch oder die Comedian Harmonists turnen.

Der Maler war aber auch für klare Worte bekannt, etwa sein sprichwörtlich gewordener Satz, dass er „gar nicht soviel essen könne, wie er kotzen möchte“ angesichts eines Nazifackelzuges vor seinem Wohnhaus. Zitiert wird auch Liebermanns Spruch „Besser eine gut gemalte Kohlrübe als eine schlecht gemalte Madonna“ – klare Sprache, die den Kindern und Jugendlichen gefällt. Und wie beim Maler Liebermann geht es ja auch im Circus um Farben und Bewegung. „Wir malen, inspiriert von Liebermann, künstlerisch ein neues Bild“, sagt Kölbel. Und sollte das dann so viel wert werden wie ein echter Liebermann, wäre die Zukunft des Circus’ schon mal gesichert.

Circus Schatzinsel May-Ayim-Ufer 4, Kreuzberg, Sa 30.11., So 1., So 8. und So 15.12., 16 Uhr, Eintritt Spende, ab 3 Jahren