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Attersee

Die Kunst des Entdeckens – Österreich, einmal ganz anders gesehen

Eine persönliche Reise zu neuen Erlebnissen und Erfahrungen, zu Begegnungen abseits der touristischen Wege – auf den Spuren von kreativen Köpfen und Künstlern, Hotelgastgebern, Design-Experten und Lifestyle-Landwirten.


Attersee: Sandra Tretter, Klimtblickexpertin

„Der Tretterblick ist wohl eine Kombination aus Klimt und Tretter. Es ist für mich der Blick vom Dach des Gustav Klimt Zentrums am Attersee“, sagt Sandra Tretter. Die Kunsthistorikerin leitet das Klimt-Zentrum in Schörfling am Attersee und ist Geschäftsführerin der „Gustav Klimt | Wien 1900-Privatstiftung“. Ist sie am Attersee, hält sie die Augen offen. Nach Motiven, die der Künstler vor über 100 Jahren gemalt hat. „Man müsste ein tüchtiger Maler sein, um die Farben des Sees einzufangen“, zitiert Tretter einen Reiseschriftsteller aus 1885. „Prompt kommt 1900 Klimt und bringt Wellenspiel und Farbigkeit des Sees in ein Gemälde. Beides gibt es nach wie vor.“

Bilder

Wellenspiel und Farbton

Kaum ein Künstler hat einer Region so viele Landschaftsgemälde gewidmet wie Gustav Klimt dem Attersee. Mehr als 45 Bilder zeigen Szenen aus dem Attersee-Salzkammergut. Eindrücklich bannte er See und Natur auf Leinwand. „Für Klimt war der Attersee ein Sehnsuchtsort. Diese Faszination ist noch heute zu spüren“, sagt Tretter. Schauspieler, Musiker, Kabarettisten und Künstler schöpfen Inspiration am See, wo das Höllengebirge im Süden in den Himmel ragt und sich im Norden die Landschaft in sanften Hügeln weitet. Fern von Hektik und Trubel.

Geschichte und Motiv

„Der Attersee war schon immer mein Lieblingssee im Salzkammergut“, sagt Tretter. Hier hat sie ihre Kindheit verbracht, hier tankt sie Energie, hier ist sie Klimt noch ein Stück näher. „Ich verstehe, warum er vor über 100 Jahren seiner Muse Emilia über den Attersee geschrieben hat: ‚Ich sehne mich hinaus wie noch nie, ich sehne mich nach dort.’“ Mit ihrem Team forscht Tretter zu Klimts Werk und Leben, am Attersee setzt sie es in Szene. Mit Ausstellungen, Publikationen, Theaterstücken. Und mit aufmerksamem Blick: „Wenn man unterwegs ist und plötzlich Obstbäume in der Landschaft sieht, wie sie Klimt gemalt hat, dann weiß man: Hier gibt es sie noch, die Motive.“

“Der Attersee ist ein wunderbarer Kraftort zum Auftanken und Urlaub machen.
Man kann sich gut vorstellen, warum auch viele Künstler hier ihren Sehnsuchtsort gefunden haben.”

 

Interview mit Sandra Tretter, Kunsthistorikerin

austria.info: Sie sind eine Klimt-Expertin. Verraten Sie uns: Wo kann man am Attersee Gustav Klimt nachspüren?

Sandra Tretter: Ganz offensichtlich an den Orten, die architektonisch erhalten sind: am Schloss Kammer, im dortigen Park, in der Villa Paulick, in der Villa Oleander (Anm.: Alle Gebäude sind zu bestimmten Anlässen, etwa bei Veranstaltungen, zugänglich). Auch sein letzter Aufenthaltsort, das Forsthaus in Weißenbach, ist noch erhalten. Schwieriger ist es natürlich bei den Naturblicken: Welcher Waldblick war es für den Buchenwald, den Birkenwald, den Tannenwald? Bei der Konzeption für den Klimt-Themenweg 2003 hat sich da etwa das Gerlhamer Moor als eindeutiger Ort präsentiert.

austria.info: Welche Orte sind für Sie persönlich Attersee pur?

Sandra Tretter: Im Sommer ist das Seebad Schönauer am frühen Abend wunderschön (Dr.-Hauttmann-Straße 9). Da setze ich mich gerne auf den Steg und blicke hinaus auf den See. Hier wird die lang gezogene Form des Sees deutlich, er ist ja auch der größte Binnensee Österreichs. Wäre ich sportlicher, würde ich wohl öfter im Höllengebirge wandern. Für Spaziergänger ist auf jeden Fall eine Wanderung auf den Schoberstein angenehm. Das ist übrigens auch ein Motiv, das Gustav Klimt in seinen Spätjahren zweimal gemalt hat, wenn auch nicht ganz fertig. Es ist eine schöne Wanderung und man hat einen tollen Blick auf den See.

austria.info: Die Region ist bekannt für die Sommerfrische. Wo erleben Sie dieses Gefühl ganz intensiv?

Sandra Tretter: In Attersee und Unterach auf der Promenade. Es sind für mich die wenigen Orte, die eine Art Esplanade haben, an der man direkt am See flanieren kann. Das gehört für mich zur Sommerfrische.

austria.info: Wenn der Hunger zuschlägt: In welchen Lokalen trifft man Sie am Attersee?

Sandra Tretter: Ich gehe gerne in den Litzlberger Keller in Seewalchen, eine historische, traditionelle Gastwirtschaft. Das Gebäude, das auch Gustav Klimt gemalt hat, ist noch erhalten. Es ist also eine perfekte Kombination für mich. Ich fahre auch gerne mit einem Schiff der Attersee-Schifffahrt. Auf manchen Routen bieten sie eine regionale Jause an. Da kann man während der Schifffahrt jausnen, die Landschaft genießen und ein paar Klimt-Blicke von der Seeseite entdecken. Überdies bin ich gerne im Ristorante „Fischer Sepp“ da Michele in Seewalchen. Dort bekommt man einmaligen Fisch. Daneben liegt die sehr empfehlenswerte Steckerlfischstation Tomis Steckerlfisch. Wenn man Zeit hat, ist ein Ausflug auf den Wachtberg bei Weyregg nett. Schließlich ist der Gasthof Föttinger in Steinbach schön zum Einkehren. Da wandelt man dann auf den Spuren Gustav Mahlers, der ja auch vor Ort war. Er und Klimt haben sich in Wien ausgetauscht, am Attersee jedoch nie.

austria.info: Haben Sie einen Kunst- und Kulturtreffpunkt in der Region?

Sandra Tretter: Die Galerie Zwach in Schörfling ist da absolut empfehlenswert. Die Gründerin Käthe Zwach war ab den 60er- und 70er-Jahren freiberufliche Galeristin gewesen und hatte ihr historisches Haus um einen schönen Neubau ergänzt, umgeben von einem wunderbaren Landschaftspark. Ihr Sohn hat die Galerie nach ihrem Tod übernommen und macht mehrere Ausstellungen im Jahr. Wahrlich ein kultureller Geheimtipp.

austria.info: Verraten Sie uns noch einen Einkaufstipp!

Sandra Tretter: In den lokalen Fischereien zwischen Seewalchen und Schörfling gibt es guten Fisch. Sehr gerne bin ich auch in der Konditorei Ottet, wo es Mehlspeisen und eine Schörflinger Semmel abseits der Supermarktprodukte gibt, aber auch die Klimtpraline. Die Fleischerei Nagl in Schörfling macht noch echte Qualitätsprodukte und die Bierschmiede in Steinbach lockt sogar mich, die ich lieber Wein trinke, mit gutem Bier.

 

Sandra Tretter, Klimtblickexpertin
Sandra Tretter ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin der „Gustav Klimt | Wien 1900-Privatstiftung“. Der berühmte Künstler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts widmete die Mehrheit seiner Landschaftsgemälde der oberösterreichischen Region Attersee-Salzkammergut. Die Kunsthistorikerin widmet ihm, dem bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils, ihre berufliche Aufmerksamkeit.

1974 in Wels geboren, studiert Tretter um die Jahrtausendwende in Wien. Sie publiziert zu Egon Schiele und Gustav Klimt, baut im Leopold Museum ein Schiele-Dokumentationszentrum auf, mitkonzipiert 2003 und 2012 den Klimt-Themenweg am Attersee. „Wenn man sich mit Schiele auseinandersetzt, muss man sich mit Klimt beschäftigen“, sagt Tretter. Das Werk des Künstlers kennt sie wie keine andere, das 2012 eröffnete „Gustav Klimt Zentrum am Attersee“ hat sie mitkonzipiert. Heute leitet sie es. „Diese türkisblaue Farbe und das Wellenspiel gibt es nur dort“, sagt Tretter. Und verewigt auf Klimts Bildern.

Tourismusverband Attersee
Nußdorfer Straße 15
4864 Attersee am Attersee

info@attersee.at
attersee.salzkammergut.at

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