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Firefox. aus Gründen.

Wir haben ein besseres Internet verdient

Wenn wir so viel darüber nachdenken, was gut für uns und die Welt um uns herum ist, wieso machen wir uns dann nie Gedanken darüber, wie wir online gehen? Entdecke jetzt neue Gründe für Firefox!

Firefox als Symbol für ein offenes und freies Netz

Wer von Berlin aus 1.700 Kilometer südlich nach Mazedonien fährt und dem Fluss Vardar folgt, kommt in eine Stadt, in der ungewöhnlich viele junge Menschen einen Decknamen tragen. Einige von ihnen fahren große deutsche Autos, was in einer Region mit einem durchschnittlichen Monatslohn von 150 Euro einige Fragen aufwirft.

Veles ist eine Stadt, die unter Tito industriellen Wohlstand kennenlernte, seit 1990 aber vor allem Niedergang und Arbeitslosigkeit erlebt. Und doch reisten im Herbst 2016 Journalisten aus der ganzen Welt genau an diesen Ort, um ein Phänomen zu erforschen, was damals noch keinen Namen hatte: Fake News.

Einigen Journalisten in den USA war aufgefallen, dass eine auffällig hohe Zahl von frei erfundenen Meldungen ihren Ursprung in Veles hatten und sie wollten der Sache auf den Grund gehen. Zu ihrer Überraschung fanden sie in dem Ort keine ehemaligen KGB-Beamten oder Trumps Wahlkampfteam, sondern gelangweilte Jugendliche, die in ihrer unendlich verfügbaren Zeit durchs Netz surften und nach Möglichkeiten suchten, durch Klicks Geld zu verdienen.

Firefox. Aus Gründen.

Sie hatten es mit Katzenbildern und Kochrezepten probiert, aber wenig Erfolg gehabt. Dann entdeckte einer von ihnen, dass ein ultra-negativer Post zu Hillary Clinton erstaunlich hohe Klickzahlen erreichte und dass die Zahl mit der Absurdität der Meldung immer weiter stieg. Das war der Durchbruch für die Jugend von Veles und für Fake-News im US-Wahlkampf.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Mechanik der kommerziellen Suchmaschinen, die diese Geschichte erst möglich macht, geht zurück auf einen jungen Techniker aus Barbados, der 1990 die erste Suchmaschine mit dem Namen Archie erfand. Wie die anderen Pioniere des Internets war Alan Emtage vor allem Techniker, gehörte aber 1992 zusammen mit Tim Berners-Lee oder Mark McCahill zu den Gründern der Internet Society, deren Mission es ist, das Internet so zu entwickeln, dass es möglichst allen Menschen auf der ganzen Welt zugute kommt.

Da sie alle an Universitäten arbeiteten und das Internet damals noch ganz wesentlich ein Medium universitärer Systeme war, übertrugen sie ganz selbstverständlich das Prinzip wissenschaftlichen Forschens auf das neue Medium: Inhalte sollten frei zugänglich, nachvollziehbar und kritisierbar sein, denn wie sonst können Fehler aufgedeckt und neue, bessere Ergebnisse erzielt werden?

Die Gründer wussten jedoch, dass ihre Mission nur erreichbar ist, wenn der Zugang zum Netz nicht davon abhängt, wieviel Geld jemand hat. Als Tim Berners Lee das World Wide Web programmierte, gab es nämlich bereits ein Konkurrenzprodukt mit dem Namen Gopher. Die Anwendung war ebenso gut wie das Web und hatte mehr Nutzer, aber es sollte kostenpflichtig sein und verlor deshalb in kürzester Zeit seine Anhänger an das World Wide Web. Es war das erste Mal, dass die Nutzer per Klick darüber abstimmten, wie sie das Netz haben wollten.

Die Entscheidung zwischen einem kommerziellen, geschlossenen Netz und einem offenen entschied sich aber noch an einer anderen Stelle. Um das World Wide Web zu betreten, waren einige Programmierkenntnisse nötig und der junge Unternehmer Jim Clark erkannte, dass ein einfacher, voraussetzungsloser Zugang zum Netz eine Lizenz zum Gelddrucken sein würde.

Krieg der Browser

Es gelang ihm, ein Team vom staatlichen Forschungsinstitut National Center for Supercomputing Applications um Marc Andreesen abzuwerben, das bereits einen Browser entwickelt hatte. Dieser Browser hatte den Namen Mosaic und war in den ersten Jahren des World Wide Web die einzige Möglichkeit, im Netz zu surfen.

Clark und Andreesen wollten Mosaic aber durch ihren eigenen Browser ersetzen und nannten das Projekt deshalb “Mosaic killer”, abgekürzt: Mozilla. Kurze Zeit später gingen 90 Prozent der Nutzer über den neuen Browser Netscape ins Netz und es schien, als wäre der Weg frei für eine Anwendung, die es Nutzern erlaubt, ihre Dokumente und Bilder von jedem Computer der Welt zu öffnen und zu bearbeiten.

Das wiederum bedrohte das Geschäftsmodell von Microsoft, dem damaligen Monopolisten für Software-Anwendungen. Bill Gates kaufte daraufhin die Lizenz des alten Mosaic Browsers und investierte seine kaum endlichen Ressourcen in einen neuen Browser, der unter dem Namen Internet Explorer berühmt wurde. Kurze Zeit später kaufte der Tech Gigant AOL Netscape.

Was nun geschah, teilte das Netz endgültig in zwei Teile. Der eine Teil war ein freies, offenes und transparentes Open-Source Projekt, das den geistigen Prinzipien der Universität und der ersten Gründergeneration verpflichtet blieb. Der andere Teil fiel zu großen Teilen unter die Kontrolle von fünf geschlossenen Systemen, die sich vor allem der Börse verpflichtet fühlten: Amazon, Apple, Facebook, Google und eBay.

Als AOL Netscape kaufte, drohten die entscheidenden Programmierer, das Unternehmen zu verlassen, denn sie wollten auf keinen Fall für einen Monopolisten arbeiten. Eine junge Beraterin namens Mitchell Baker überzeugte AOL davon, dass es in diesem Fall besser wäre, den Code von Netscape offen zu legen und in eine Stiftung zu überführen. Da der Code für alle offen wäre, würde auch AOL profitieren und könne die Updates des Entwicklerteams einfach kopieren.

Den Programmierern sagte sie, sie hätten nun die Möglichkeit, frei von kommerziellen Interessen einen Browser zu entwickeln, der besser wäre als der Internet Explorer. Anstatt einer Karriere sollten sie lieber etwas Interessantes und Sinnvolles machen und ein Web entwickeln, das Spaß macht und in dem sich der Aufenthalt lohnt.

Das Ergebnis war Firefox – neben Wikipedia eine der größten Überraschungen im Internet. Denn nur wenige hätten es für möglich gehalten, dass tausende von Entwicklern aus der ganzen Welt ihr Wissen und ihre Freizeit kostenlos in ein solches Projekt einbringen würden. Schließlich gab es den Internet Explorer kostenlos auf jedem Computer. Aber gerade dieses Beispiel zeigt, dass es niemand einfach hinnehmen muss, wenn sich das Internet in eine falsche Richtung entwickelt. Es gibt zu fast jedem Service Alternativen im Großen wie im Kleinen. Firefox ist bis heute eines der herausragenden alternativen Open-Source-Produkte und ein Symbol für die nicht-kommerzielle Seite des Internets. Im Gegensatz zur Konkurrenz sammelt der Browser keine personalisierten Daten und legt extrem hohen Wert auf den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer.

Ende 2017 haben die Entwickler von Mozilla, der Non-Profit-Organisation hinter Firefox, den Browser komplett überarbeitet. Er ist seither in allen Bereichen mindestens ebenso gut, wenn nicht besser als die Datensammelmaschine Google Chrome. Firefox zu nutzen ist ein Statement gegen die vollkommene Vermachtung und Kommerzialisierung des Internets – und man muss für dieses Statement noch nicht mal Kompromisse bei der Qualität machen.

Es sind die großen kommerziellen Systeme der Tech-Giganten und nicht die Jugendlichen in Veles, die für das Phänomen Fake News nach einer Lösung suchen müssen. Sie nutzen nur die Lücken in einem System, das darauf ausgelegt ist, Geld und Daten zu generieren. Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, ein Zeichen zu setzen und zu sagen, dass uns diese Entwicklung nicht gefällt – vielleicht ist es an der Zeit, zum neuen Firefox zu wechseln.

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