Aida

Benedikt von Peter

Aida fügt sich damit ein in die Reihe jener weiblichen Kunstfiguren des 19. Jahrhunderts, die weniger reale Wesen als vielmehr Sehnsuchtsobjekte und Projektionsflächen chauvinistischer Träume waren und unweigerlich im Sterben aus Liebe ihre Bestimmung fanden. Auch Aida geht diesen Weg. Doch anders als in Verdis vorhergehenden Opern gibt es in AIDA einen Gegenentwurf zur todgeweihten Liebe: Amneris. Mit „molto vivacitа“ beschreibt Verdi sie in seinem Personenverzeichnis: Bei Amneris pulsiert das Leben. Wie eine Löwin kämpft sie um ihre Liebe, mit ihr wäre eine handfeste Beziehung möglich. Radames jedoch, der Mann zwischen Aida und Amneris, kann sich nicht für ein realistisches Leben entscheiden. Er verliert sich in Träumen und Fantasien von einer „exotischen“, fernen Frau. Gleichzeitig verfolgt er zielstrebig und machtbewusst seine Karriere innerhalb eines ideologischen Zwangssystems. In der Öffentlichkeit ist er schnell ein Star. Dem Druck dieser Gesellschaft kann er jedoch bald auch im Privaten nicht mehr entrinnen. Und so wird sein Traum der Liebe zum Gegenstand des öffentlichen Interesses.

Am Sonntag 06.12.2015, Beginn: 18:00 Uhr, Deutsche Oper, Bismarckstr. 35, 10627 Berlin

Foto: Agentur

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