Albrecht Mayer im Konzerthaus

Albrecht Mayer im Konzerthaus Berlin

Das Piekende! Dieser spitzig-ohrbohrende, lange Kantilenen-Würmer bildende Ton der Oboe, er stand früher nicht auf der Favoritenliste vieler Hörer. Das hat sich durch Albrecht Mayer geändert. „Ich höre Ihre Platten rauf und runter“, kriegt Mayer nach Konzerten öfters gesagt. Zwar war der 1965 geborene Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker nicht der wirklich Erste. „An das, was Heinz Holliger in Jahrzehnten erreicht und aufgenommen hat, kann man nie mehr herankommen“, sagt Mayer über seinen berühmten Kollegen. Zum Darling der Klassik-Charts aber hat erst Albrecht Mayer die Oboe gemacht.
Zehn Alben in rund zehn Jahren und dazu zahllose Konzert­tourneen, das lässt auf enormen Selfmade-Ehrgeiz schließen. Es geht nicht anders! „Das Instrument gibt keinen Weg vor“, so Mayer. Mit anderen Worten: Für Oboisten ist im Weltenplan eigentlich nichts anderes vorgesehen als ein Dasein im Orchester. Auch Mayer begann im Bayerischen Landesjugendorchester und bei den Bamberger Symphonikern. Schon im Bläserensemble von Sabine Meyer indes rückte er vor. Bei den Berliner Philharmonikern war er (zeitgleich mit dem Flötisten Emmanuel Pahud) ab 1992 der Erste, dem es gelang, eine Solo­karriere mit dem Orchesterdienst zu verbinden. Frühere Solistenkarrieren (etwa von Aurиle Nicolet oder James Galway) hatten zumeist zum Verlassen des Orchesters geführt. Mayers ruheloser Initiativgeist zeigt sich nicht nur im Redefluss, zu dem er – wie so viele Holzbläser – in erstaunlichem Maße neigt. Sondern auch an der Lust am Hinab­steigen in finstere Archivkeller und der Suche in den unbekannteren Ecken der Musik­geschichte. Das hat ihm zuletzt vier Neu­entdeckungen verschollener Werke beschert. „Ich hatte mir eineinhalb Jahre Zeit genommen und bin vor allem in Wroclaw und Regensburg fündig geworden.“ Von den 103 Werken, die er aushob, fanden vier Kompositionen aus der Mozart-Zeit den Weg auf seine neue CD „Lost And Found“. Völlig unbekannt ist das Oboen­konzert von Franz Anton Hoffmeister, zu dessen bislang zwei bekannten Sätzen Mayer einen dritten fand. Und ein Konzert von Jan Antonнn Kozeluh – eine reizvolle Alternative zum leicht überschätzten Oboen­konzert Mozarts. „Mozart hatte keine echte Schwäche für die Oboe“, so Mayer. Nachschub für den Konzert­alltag!
Auch die feinfingrige ältere Schwester der Oboe, nämlich das Englischhorn, wird von Mayer auf seiner neuen CD gespielt. „Ich konzipiere ein Album so, dass ich es selber von vorne bis hinten durchhören möchte“, so Mayer. „Dabei versuche ich mich in den modernen Hörer hineinzudenken.“ Es ist wohl dieser Schritt auf den Hörer zu, den man angenehm mithört. Von Ruch der Fahrstuhl­musik jedenfalls, den man früheren CDs mit Bearbeitungen für Oboe manchmal ankreidete, ist hier nichts mehr zu spüren.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Bild: Universal Music

Albrecht Mayer, Konzerthaus, Kleiner Saal, Mi 14.1., 20 Uhr, ?Karten-Tel. 203 09 21 01

„LOST AND FOUND“, Albrecht Mayer, Oboe und Englischhorn
Kammerakademie Potsdam (Deutsche Grammophon)

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