Dark-Pop

All We Are im Auster-Club

All We Are wachen mit Düstertönen aus ihrem leisen Dreampop auf

Foto: Hollie Fernando

Mit ihrem Heimatland sind Richard ’O Flynn und Guro Gikling aus Liverpool zurzeit alles andere als zufrieden. „Die Veränderungen der letzten Jahre machen uns Sorgen“, sagt der Schlagzeuger von All We Are. „Sunny Hills“ heißt die zweite Platte des Trios scheinheilig freundlich: Mit dem hauchzarten, fast ein wenig zu perfekten Dreampop, der noch das Debüt von 2015 füllte, hat der dunkle Nachfolger nur noch wenig zu tun.
Stücke wie „Down“ etwa klingen, als spielten Depeche Mode auf verschmorten Instrumenten; das psychedelische „Dreamer“ erinnert an The Cure, und ein Song wie „Burn it all“ trägt sein Motto schon im Titel. „Unser Grundgefühl beim Songschreiben war Angst, das hat sich auf unsere Art zu spielen ausgewirkt: Es wurde härter und schneller als vorher“, sagt Bassistin und Sängerin Gikling, die ihre Mitmusiker beim Studium an Liverpools Musikhochschule kennenlernte.
Zu schaffen machen den drei Mittzwanzigern gegenwärtig „der weltweite Rechtsruck, die Forderung, Grenzen zu schließen und andere auszuschließen, und dass der Blick allgemein enger wird“, so Drummer ’O Flynn, „unsere Band besteht schließlich selbst aus Einwanderern: Wir sind aus Brasilien, Norwegen und Irland.“ Ihr Gefühl für ansteckende Melodien haben All We Are trotz der neuen Begeisterung für Verzerr- und Lautstärkeregler nicht verloren. „Die Kunst ist allgemein dunkler und aggressiver geworden, nicht nur in der Musik“, findet er. „Das ist eine Reaktion auf die Zeit, in der wir leben.“

Auster-Club Pücklerstr. 34, Kreuzberg, Do 8.6., 20 Uhr, VVK 18 €