Kommentar

„Alleskönner“ von Stefanie Dörre

Nun also auch die Schaubühne. Sie hat mitgeteilt, dass die Künstlerin Katharina Ziemke am 22. Dezember mit einer Einzelausstellung den neuen Ausstellungsraum des Theaters eröffnen wird

Stefanie Dörre

Nun ist Katharina Ziemke für Schaubühnengänger keine Unbekannte, für Ostermeiers „Volksfeind“-Inszenierung hat sie das Bühnenbild gestaltet. Ziemke ist eine interessante Malerin, jede Ausstellung mit ihren Arbeiten ein Gewinn.
Trotzdem mal die Frage: Warum überlässt das Theater die bildende Kunst nicht einfach den Ausstellungshäusern? Darauf gibt es zwei Antworten. Die nette: Es soll „interdisziplinärer“ zugehen zwischen den Künsten in einer vernetzten Welt. Die weniger nette: Sie haben dafür die ökonomische Basis. Es wird am Theater sowieso viel Geld ausgegeben, da passt die preisgünstige bildende Kunst auch noch rein ins Budget.
Anfangen damit, ein Alleskönner zu sein, hat die Volksbühne. Sie ist nicht nur Sprechtheater, sondern auch Konzert-Venue, Club, Ausstellungshaus. Paul McCarthy, Gregor Schneider – ein berühmtes Haus zieht berühmte Künstler an. Nur kommt dann irgendwann mal jemand auf die Idee, es wäre gar keine klassische Sprechbühne mit festem Ensemble mehr, sondern eine Drehbühne für den Durchlauf aller möglichen Künste – und engagiert Chris Dercon. Das HAU funktioniert schon lang nach dem Prinzip. Der Künste-Clash gilt als Avantgarde. Nur: Das kann in der Breite nicht gut gehen. Bitte liebes Schlosstheater, lieber Friedrichstadtpalast, liebes DT: macht nicht alle in bildender Kunst. Und bitte, liebe Museen, macht kein Theater.

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare