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Am Freitag im Admiralspalast: Marissa Nadler

Marissa NadlerVorortgrauen USA – dies gibt es wirklich. Cheerleader, Dating-Competitions aufgebrezelter Blondinen und ein Common Sense fürs Ach-so-Gesunde. Hier lügt das Fernsehen mal nicht. Marissa Nadler war jener verspottete Außenseiter-Kunst-Nerd, der hier unbedingt ins Bild gehört: kein Date, keine Dauerwelle, nur Bücher und Bilder. Heute singt sie von „Little Hells„, Titel ihres neuen Albums, und sie weiß es nur zu gut, geht es darin um Einsamkeit und unglückliche Liebe. Immerhin hatte sie eine tolle Hippie-Mutter an der Seite, die ihr von Geistern erzählte und Tarotkarten legte, und die, nachdem sie genug von dieser „Schlampe Courtney Love“ hatte, der Tochter eine Kassette mit Joni-Mitchell- und Carole-King-Songs gab. Die Wende kam prompt.
Seitdem schreibt die schneewittchenhaft schöne Marissa delicate music, weitestgehend im New Folk angesiedelt, aber ohne den selbstverordneten Purismus: „Ich liebe Hall, ich liebe Effekte“, sagt sie und setzt beides, wenn auch zaghaft, immerhin ein. Ihrer Freundschaft mit The Espers oder The Beachwood Sparks tut das keinen Abbruch. Grunge war gestern, Folk ist heute und ist jenseits von Mainstream und Industrieproduktion ebenso Rebellion. Oft allerdings singt sie auch mit allen guten Geistern behaftet vom Tod und vom Vergehen, ihr Debütalbum hieß „Ballads Of Living And Dying„, was ihr den Gothic-Verdacht einhandelte. Aber weder trägt sie weiße Schminke noch stachelige Haare, fingerpickt exzellent ihre Gitarren, und ihre Entwicklung als ernsthafte Künstlerin ist ihr allemal mehr wert als die Zugehörigkeit zu einer noch dazu suspekten Szene. Das Zeug und die Songs dazu hat sie.

Text: Christine Heise

Marissa Nadler, Admiralspalast Foyer, Fr 22.5., 21 Uhr, VVK: 17,40 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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