Dokumentarfilm

„Cahier Africain“ im Kino

Aufarbeitung: „Cahier Africain“ gibt ­Opfern eine Stimme

Foto: Déjà Vu Filmverleih
Foto: Déjà Vu Filmverleih

Die Zentralafrikanische Republik war wieder in den Schlagzeilen, muslimische und christliche Milizen bekämpften einander. Für die Dokumentarfilmerin Heidi Specogna, die seit Jahren in der Region arbeitet, bedeutete das, dass sie für ihr neues Projekt „Cahier Africain“ alles neu konzipieren musste. Denn es ging dabei um Gescheh­nisse, die mehr als ein Jahrzehnt zurückliegen, und mit denen sie sich schon in „Carte Blanche“ beschäftigt hatte.

In dem Heft, von dem im Titel die Rede ist, sind die Opfer von politischer Gewalt eingetragen, ­konkret auch sehr oft sexueller Gewalt, die in den Machtkämpfen im Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik verübt wird. Specogna widmet sich ­Frauen, vor allem der Muslimin Amzine und der Christin Arlette. Angesichts der gefährlichen Umstände, unter denen „Cahier Africain“ entstanden ist, erstaunt es, mit welcher Ruhe und Eindringlichkeit hier Menschen sprechen, denen Ungeheuerliches widerfahren ist. Selten bekommt man es mit einem Film zu tun, der zugleich Auf­arbeitung und Krisenbericht­erstattung ist, und der dabei nie ins gehetzte Reportervokabular verfällt, sondern der weiß, dass nur das lange therapeutische Zeitmaß diesen Umständen angemessen ist.

Cahier africain D/CH 2016, 119 Min., R: Heidi Specogna, Start: 10.11.

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