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Der Beharrliche: Willy Kausch

Willy_KauschVater der Fanmeile

Die Bürokleidung von Willy Kausch, einem der wichtigsten Veranstalter Berlins, hat etwas von einer Promenadenmischung. Zum dezent dunkelblauen Ja­ckett trägt der stämmige, mittelgroße Unternehmer ein krawattenloses, hellblaues Hemd, dazu eine verknitterte Bluejeans, deren Hosenbeine an hellen Joggingschuhen enden. Fast scheint es, als wolle der 51-Jährige mit seinem Outfit all die unterschiedlichen Funktionen signalisieren, die er tagtäglich in seiner Person vereint: Seit 21 Jahren verdient der gebürtige Saarländer seine Brötchen mit der weltweiten Ausrichtung hochseriöser Medizinkongresse. Dazu veranstaltet er seit 14 Jahren die Silvesterparty am Brandenburger Tor, ein eher hemdsärmeliges Fest. So, wie auch die legendäre WM-Fanmeile, die 2006 knapp einen Monat lang auf der Straße des 17. Juni Millionen Fußballfans verzückte.

Willy_KauschAufsichtsrat bei Tennis Borussia

Doch dem Sport ist Willy Kausch noch sehr viel tiefer verbunden. „Ich bin seit fünf Jahren im Aufsichtsrat von Tennis Borussia, eine ehrenamtliche Tätigkeit, die letztlich auf Mäzenatentum hinausläuft“, sagt er mit leicht gequältem Gesichtsausdruck. Denn Willy Kausch ist gewohnt, dass ihm der Zufall, gepaart mit seiner starken Intuition für gute Gelegenheiten, stets solche Projekte in die Arme spült, aus denen er nach kurzer Zeit ungeahnte Erfolge entwickeln kann. Bei Tennis Borussia klappt das aber nur bedingt. „Wir haben kürzlich in Greifswald unsere letzte Aufstiegschance für die Regionalliga verpasst“, sagt Kausch mit sichtlich anhaltender Zerknirschung. Und auch die besten Jugendspieler würden dem für seine hervorragende Nachwuchsarbeit stets hochgelobten Verein regelmäßig von Hertha BSC weggeschnappt werden. Selbst das neue Stadion, das Willy Kausch an alt-traditioneller TeBe-Spielstätte, im Poststadion, gerne mit einem Investor für seinen Verein bauen würde, findet nicht nur Befürwor­ter. „Den einen fällt auf einmal ein, dass sie da schon immer einen Frauentrimmdichpfad bauen wollten, die anderen möchten da lieber eine Fahrradstrecke hinhaben“, zuckt Kausch mit den Schultern.

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Veranstalter mit langem Atem

Doch wer vermutet, dass Kausch wegen solcher Widerstände resignieren könnte, unterschätzt den Mann sträflich. Statt Großspurigkeit ist Beharrlichkeit einer der prägendsten Charakterzüge des Unternehmers. „Das habe ich beim Tennis gelernt“, sagt Willy Kausch, der sein BWL-Studium in den 70er und 80er Jahren teils als Tennislehrer, teils als Tour-Lkw-Fahrer für den Musikproduzenten Frank Farian (Boney M., Milli Vanilli) selbst verdiente. „Um zu gewinnen, muss man beim Tennis auch auf Geduld spielen können.“Ein langer Atem, den Kausch für seine Mammutveranstaltungen in Berlin ebenfalls gut brauchen kann: „Man ist von Sponsoren und Behörden abhängig, begegnet immer wieder neuen Einwänden und muss neu verhandeln.“ Ein Geschäft, für das sich der Pragmatiker ein höchst professionelles Umfeld geschaffen hat: Zu seinen rund 70 Mitarbeitern in verschiedenen Büros gehören auch Ingenieure, die nicht nur Machbarkeiten akribisch überprüfen, sondern auch neue Ideen, etwa für die Konstruktion verbesserter Public-Viewing-Aufbauten, entwickeln. Zusätzlich kooperiert Kausch mit spezialisierten Geschäftspartnern. „Ohne diese ganzen Leute ginge gar nichts“, sagt Kausch, dem Profilneurosen fremd zu sein scheinen.
Dass die EM-Fanmeile auf der Straße des 17. Juni statt wie der von Kausch erhofften drei Wochen dann doch nur für die letzte Woche der Fußball-Europameis­terschaft stattfinden darf – passй. Längst konzentriert sich der Un­ternehmer wieder auf die Zukunft. Aus der Ablage zieht er bereits ganz andere Pläne: „Südafrika 2010“. Willy Kausch würde im kommenden WM-Land gerne die Fanmeile ausrichten. „Das könnte klappen“, sagt er. Und lächelt verschwörerisch: „Wir sind schließ­­lich die Experten.“


Text
: Eva Apraku

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