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Dokumentarfilm

„Deutsche Pop Zustände“ im Kino

Eine erkenntnisreiche Doku über die Einflüsse rechter Musik auf die Gesellschaft

Foto: Lucia Palacios/ playloud.org

Waren wir nicht alle mal Teil musikalischer Jugendbewegungen, die mindestens die Welt retten wollten? Der Dokumentarfilm „Deutsche Pop Zustände“ erschüttert den Glauben an das per se Gute und Emanzipatorische in der Pop-und Rockmusik durch die Auseinandersetzung mit einem Thema, von dem man hierzulande nicht viel wissen will: der Geschichte rechter Musik in Deutschland. Dabei gehen die Filmemacher Dietmar Post und Lucia Palacios nüchtern und sachlich vor. Wie beim Uni-Seminar steht oft zentral ein Laptop im Bild, an dem mit unterschiedlichen Gesprächspartner, vom Aussteiger aus der rechten Szene über den Soziologieprofessor bis hin zum NPD-Liedermacher, eine Fülle an Videoclips und Songs aus der rechten Musikszene analysiert werden. Die Interviews werden unaufgeregt geführt und helfen dabei, dass von den Filmemacher zusammengetragene Material einzuordnen und dem Erzählstrang zu folgen.

Der ist zumeist chronologisch, entlang der „Meilensteine“ des Rechtsrock wie der Hinwendung der „Böhse Onkelz“ vom Punk zur extremen Rechten, geht aber auch Umwege wie bei der bewusst in Kauf genommenen Anschlussfähigkeit an rechte Musik bei Bands wie Rammstein und Musikern wie Xavier Naidoo. Denn für die beunruhigende These, dass rechtsextreme Musik nicht nur bei der Wahl der Musikgenres, vom Schlager bis Hip Hop, sondern auch inhaltlich und ideologisch, einen Resonanzboden in der gesellschaftlichen Mitte findet, liefert der Film leider sehr viele Beispiele aus den letzten vier Jahrzehnten. Andreas Döhler

Deutsche Pop Zustände D 2015, 82 min., R: Dietmar Post & Lucia Palacios, Start: 1.9.

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