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Kommentar

„Doppel-D“ von Stefan Hochgesand

Seit Jahren mache ich mich unbeliebt, indem ich in Anwesenheit anderer Menschen sage, nichts sei langweiliger, als wenn Bob Dylan Songs aus dem Great American Songbook spiele

Stefan Hochgesand

(Tatsächlich liebe ich Bob Dylan und auch das Great American Songbook; ich fand bloß nie, dass die beiden einander guttun.) Jetzt hat Bob Dylan ein Dreifach-Album rausgebracht. Wieder Songbook. Ächz! Überraschung: Das Ding ist tadellos. Rhythmisch spannender als die Vorgänger. Die Bläser? Keine Revolution, aber kommen genau richtig.
Warum aber hat His Bobness „Triplicate“ auf drei CDs rausgebracht, obwohl es locker auch auf zwei passt? (Dylanologie für Anfänger: „Blonde on Blonde“ war 1966 das erste Doppelalbum der Pop-Gechichte.) Weil „Triplicate“ halt drei Geschichten erzählt, sagt Dylan. Ein Schelm, wer daran zweifelt. Zudem orientiert sich die Spieldauer an eben der, die jeweils auf eine Vinylplatte passen würde. Dabei gibt Dylan unumwunden zu, dass er meistens CD, nicht Vinyl hört. Das ist dermaßen uncool, dass es schon wieder cool ist. (In Schweden gibt es quasi keine CDs mehr.)
Der andere Superstar mit D, ­Drake, hat nun statt eines Album-Albums lieber eine formidable „Playlist“ veröffentlicht (S. 82). The Times They Are a-Changin’. (Da sind auch Skepta und Sampha mit drauf.) So wie das gute alte Mix-Tape vom besten Freund, bloß dass die Reihenfolge bisschen egal ist. Dylan vs. Drake: monumentales Triptychon vs. mutantische Temporalität. Das Medium massiert dich.

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