Doku

„El Viaje“ im Kino

Die-Ärzte-Bassist Rodrigo Gonzalez sucht in El viaje seine musikalischen Wurzeln.

Bei uns ist Rodrigo Gonzalez in erster Linie als ­Bassist der Punkrock-Band Die Ärzte bekannt, doch darum geht es in dieser Dokumentation von Nahuel Lopez nur am Rande. Ein Musikfilm ist „El viaje“ dennoch, begibt sich der auch als Produzent tätige ­Rodriguez doch auf eine musikalische Erkundungstour in seine alte Heimat Chile, die er 1974 als Sechsjähriger in der Folge des Militärputsches von ­General Pinochet in Richtung Hamburg verlassen hatte. Aufgewachsen als Sohn von Exilanten, für die die musikalische Protestkultur des Heimatlandes zum Alltag gehörte, versucht Gonzalez nunmehr in Chile das Vermächtnis dieser Kultur in der aktuellen Pop- und Rockszene auszumachen.

Und die jungen Leute interpretieren die Traditionen durchaus modern: Für den Singer-Songwriter ­Chinoy etwa ist es eine Selbstverständlichkeit, auch Mitglied einer Punkband zu sein, und die junge ­Sängerin Camila Moreno interessiert, wie sie selbst sagt, an der berühmten Folksängerin Violeta Parra vor allem „der Punk in ihrer Stimme“.

Den puren Protest-Folk singen heute eher die ­Klassiker: Eduardo Charusco, der 15 Jahre im ­französischen Exil verbrachte, oder Eduardo Yañez, der Verhaftung und Folter der Militärjunta überlebte. Es ist eine bunte und vielfältige Szene, auf die Gonzalez in dieser schlüssigen und sehr sympathischen Reise-Dokumentation trifft, die bei aller ­Modernität vieler musikalischer Acts eben auch ein schöner Trip zu den Wurzeln eines deutschen Punkmusikers ist.

Text: Lars Penning

El viaje, D 2016, 92 Min., R: Nahuel Lopez, Start: 11.8.

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