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Kommentar

„Feierabend“ von Peter Laudenbach

Herr, der Sommer wird sehr groß, von der zu Ende gehenden Theatersaison kann man das nicht unbedingt behaupten.

Peter Laudenbach

Für die größte Aufregung sorgten nicht einzelne Inszenierungen, sondern die Frage, ob Chris Dercon jetzt der Untergang des Theaterabendlandes oder vielleicht doch der Performance-
Messias für den Weltmarkt (oder beides) ist. Am unterhaltsamsten waren die Strafanzeigen, die christliche Fundamentalistinnen und AfD-Damen gegen Falk Richters wütende Schaubühnen-Abrechnung „Fear“ gestellt hatten: Danach wirkte Richters Anti-Pegida-Agitprop plötzlich viel treffender und politisch wirkungsvoller als vor den Beleidigungsklagen, die allesamt vor
Gericht scheiterten.
Auch sonst fehlte es nicht an Ärger: Beim Theatertreffen konnte man darüber streiten, ob Karin Beiers „Schiff der Träume“ mit den zur Unterhaltung der weißen Herrenmenschen tanzenden Afrikanern rassistisch ist oder im Gegenteil die europäische Arroganz kritisieren will. Vor dem Maxim Gorki Theater führten vier Tiger und einige Aktivisten die spätrömische Dekadenz der europäischen Abschottungspolitik vor. Währenddessen fand auf den Bühnen sehr viel Theaterbusiness as usual statt – samt einzelnen Höhepunkten wie Castorfs „Brüder Karamasow“ an der Volksbühne oder Milo Raus „Five Easy Pieces“ in den Sophiensaelen. Jetzt ist die Saison vorbei, das Sommerloch gähnt groß und träg und verlockend und verspricht schöne Wochen, in denen man aufs Meer, in viele Bücher oder in den Garten schaut, statt in dunklen Räumen mal wieder vergeblich auf ein Theaterwunder zu hoffen.

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