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Flying Lotus und Bibio im Berghain

Flying LotusEs mag am chronischen Graskonsum liegen, dass Flying Lotus (Foto) die mit Sicherheit abgedrehtesten Beats in der Sparte experimenteller HipHop produziert oder aber auch ganz einfach an dem überbordenden Talent, das der Neffe von John Coltrane sein Eigen nennen kann. Nun wird der beim englischen Label Warp beheimatete Künstler im Berghain zu hören sein und seinem Publikum die Sinne mit den für ihn typischen bassgewaltigen, umherwabernden, mit allerlei obskuren Samples gespickten Beats vernebeln.
Mit ihm kommt sein britischer Labelkollege Bibio, der bereits letztes Jahr mit dem Album „Ambivalence Avenue“ für Furore gesorgt hat. Zwar trennen die beiden stilistisch gesehen Welten, denn Bibio erinnert mit seinen hippieesk anmutenden Gi­tarren­riffs und einem für ihn typischen melancholisch-harmonischen Gesang eher an die Beach Boys als an Interpreten, welche man mit dem Genre HipHop in Verbindung bringt. Eines jedoch haben die beiden Produzenten gemeinsam: Sie stehen an der Spitze derjenigen Künstler, welche dem in den letzten Jahren etwas leblos gewordenem Genre wieder frischen Lebensgeist eingehaucht haben.
Der bevorstehende Abend passt damit optimal in die aktuelle Booking-Politik des Berghain, das mit seinen Konzertreihen jedoch durchaus auch im Kreuzfeuer der Kritik steht.
Vo­yeu­rismus wird gewittert, und Kommer­zia­lisierung. Ob das Berghain letztendlich einen hohen Preis für die stilistische Öffnung bezahlen und dabei seine vielbeschworene, magische Wirkung verlieren wird, oder aber einen überlebenswichtigen Schritt aus dem Randdasein der hedonistischen Subkultur vollzogen hat, bleibt abzuwarten. Mut zur Veränderung war jedoch schon immer die einzige Medizin gegen den scharfen Zahn der Zeit.

Text: Lucas Negroni

Leisure System.07 mit Bibio + Flying Lotus + King Cannibal u.a., Berghain, Panorama Bar, Fr 5.3., 23 Uhr, VVK: 14 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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