Chanson

Georgette Dee: Sommernachts-Special

Frei nach Shakespeare sinniert und singt Georgette Dee beim Sommernachts-Special

Georgette Dee
Foto: Christian Lohse / Georgette Dee

Wenn man als viel reisende, nicht mehr ganz so junge Diva ein Häuschen mit Garten am Stadtrand bewohnt, ist es doch eigentlich schön, den Berliner Sommer bei meditativer Buddelarbeit im eigenen Beet zu verbringen. Bloß nicht weg! Wenn dann aber ein befreundeter Impresario anfragt, ob man nicht für eine Woche sein Zelt in Wilmersdorf bespielen wolle, ist das eine Versuchung ohne Reue. Ein bisschen Kunst in der eigenen Stadt schadet nie als Unterbrechung.
Ungefähr so geht die Vorgeschichte zu Georgette Dees Sommernachts-Special in der Bar jeder Vernunft. Fehlt noch die selbst gesteckte Maxime: „Ich will etwas wagen.“ Was bei Georgette Dee heißt, nicht das übliche Setting zu bedienen – das mit der am Flügel gelehnten Diseuse. Zurück zu den Wurzeln geht das Wagnis, zu den Anfängen der Bar vor fast 25 Jahren, als in den legendären Nachtsalons Newcomer und Etablierte das Spiegelzelt gemeinsam zum Swingen brachten – und auch die Dee ein Format hatte, wo sie auf der Bühne kochte und sich dazu Gäste einlud.

So ähnlich soll es jetzt wieder werden: eine Kochplatte plus Elektropfanne, dazu ein Haufen kreativer Bühnenmenschen. Und eine kleine Geschichte, die den Abend zusammenhält. Sehr frei nach Shakespeare hat Georgette alias Elfenfürstin Titania ihr Ewig-Jung-Elixier verschlampt und hofft, dass einer ihrer Gäste Ersatz mitbringt. Vielleicht kommt ja Kobold Puck als Bote vorbei, oder sonst jemand des illustren Personals aus dem Sommernachtstraum. Womit schon jede Menge Fährten für spitzzüngige Schlagabtäusche über Jugend und Alter gelegt wären.

Dabei sieht die Endfünfzigerin Georgette Dee das Thema unterhalb der Bühne eher entspannt: „Das einzige, was mich mit unserer Kanzlerin verbindet, ist, dass wir beide pragmatische Realpolitiker sind, was das Leben anbelangt.“ So tun, als wäre man zehn Jahre jünger? Gott bewahre! „Manche wollen alte Zustände wieder herstellen. Aber wenn ich an die Herstellungskosten denke, kriege ich Zustände.“ Georgette kann dem Altern durchaus positive Seiten abgewinnen. Die Gelassenheit zum Beispiel. Da sie immer schon jemand war, der gern mit sich allein war, habe sie nicht das Gefühl, dass sich mit den Jahren alles reduziert: „Man verfügt ganz anders über die innere Zeit, als wenn man jünger ist.“

Auf der Kochbühne wird es nur eine geben, die das Räsonieren über das menschliche Reifen halbwegs teilen könnte: Multitalent Cora Frost, mit 53 auch schon auf der anderen Seite des Halbjahrhundert-Grabens. Ansonsten ist die Wundertüte mit eher jungen Talenten gefüllt. Zwei Schauspielschüler der Münchner Falckenbergschule (wo Georgette alljährlich einen Workshop zum Thema Geschichtenerzählen und Chanson gibt) mischen mit Ukulele, Heiner-Müller-Texten und Berlinsongs. Und der Schweizer Christoph Matti guckt sich als Dramaking im Strampelanzug ziemlich sarkastisch die schwule Welt an. Kabarett und ein singender Percussionist runden das musikalische Brettl ab. Ein sprudeliges, neugieriges Miteinander, das auch gegenseitiges Kennenlernen sein wird. Denn bisher ist sich die bunte Truppe noch nicht persönlich über den Weg gelaufen.

Bar jeder Vernunft Di 16.– Sa 20.8., 20 Uhr, Eintritt 29,50 – 34,50, erm. 12,50 €

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