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Humboldt Forum im Stadtschloss: Das aktuelle Konzept

Lange war ich skeptisch. Aber mit ihrem nachjustierten Konzept für das Humboldt Forum haben Neil MacGregor, Hermann Parzinger, und Horst Bredekamp heute überzeugt: Das wird gut

Nehmen wir den Guano. Er wurde von den Inkas in Peru schon jahrhundertelang als natürliches Düngemittel verwandt, als Alexander von Humboldt ihn auf einer seiner Forschungsreisen entdeckte und nach Europa brachte. Wo der Guano begeistert aufgenommen wurde, was zu einem extremen Anstieg des Abbaus führte – und zu einer frühen ökologischen Katastrophe. Humboldt selbst hat die Auswirkung seiner Guano-Entdeckung sehr kritisch gesehen.

Im Humboldt Forum: Horst Bredekamp, Monika Grütters, Neil MacGregor, Hermann Parzinger
Die Gardinen hängen schon im Humboldt Forum: Horst Bredekamp, Monika Grütters, Neil MacGregor, Hermann Parzinger

In der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums befinden sich ein Guanokormoran-Präparat und ein Glasbehältnis mit abgebautem Guano. Von solchen Objekten wird die Ausstellung im Humboldt Forum ihren Ausgang nehmen. Um damit ein globales Thema anzuschneiden – wie in dem Fall die unverantwortliche Ressourcenausbeutung. Der Rhythmus wird sein: Objekt, wissenschaftliche Erklärung, Neulektüre und Einordnung in ein aktuelles Thema, erklärt Neil MacGregor. Der ehemalige Direktor des British Museum war schon in dieser früheren Funktion ein Meister der Erzählung von Zusammenhängen über Objekte. Anders gesagt: Er kann die Dinge zum Sprechen bringen.

Freier Eintritt

Mit Objekte erzählen zu kommen, das ist für Museen generell gut. Für Städte mit so traditionsreichen und umfangreichen Museumssammlungen wie in Berlin gilt das insbesondere. Und wenn man dann noch sieht, dass sowohl Alexander als auch Wilhelm von Humboldt einen starken Objektbegriff hatten, dass sie Sammeln, Forschen und Bildung als Einheit dachten und die Humboldt-Universität 1810 als Museum mit angeschlossenem Lehrbetrieb gegründet wurde (bis dann die Lehrsammlung in das Naturkundemuseum ausgegliedert wurde), dann ist dieser Ansatz in mehrerer Hinsicht sinnvoll.

MacGregor, Parzinger und Bredekamp denken das Humboldt Forum als eine Bildungseinrichtung für die Berliner, die interdisziplinär, egalitär (es soll im Humboldt Forum freien Eintritt geben!!! und Monika Grütter zu gesagt, alles zu tun, um dies möglich zu machen), weltumfassend und zeitgenössisch ist. Wo in früheren Planungen die Kunstbibliothek ihren Platz finden sollte, gibt es jetzt die Humboldt-Akademie, also die Möglichkeit, die Brüder Humboldt in Leben, Wirken und Gedankenwelt kennenzulernen. Was ein echtes Desiderat ist, weil es in Berlin noch keine ausreichende Darstellung dieser beiden so wichtigen Vordenker in Sachen Wissenschaft und Bildung des 19. Jahrhunderts gibt. „Das ist das Basislager zu einer Weltreise“, sagt MacGregor. Einer Weltreise zu den weltbewegenden Themen der Gegenwart, zu der dann jeder im Humboldt Forum aufbrechen kann.

Afrikanische Skulpturen im Bode-Museum

Auch wenn das Humboldt Forum erst Ende 2019 eröffnet werde soll – und momentan sieht es so aus, als würde es klappen, läuft alles im Plan – werden die Museen in Dahlem zum Jahresende geschlossen. Es müssen Flächen geschaffen werden, um die Präsentation im Humboldt Forum vorzubereiten. Dabei werden das Ethnologische Museum, das Museum für Vorderasiatische Kunst (die beide noch in Dahlem beheimatet sind) und andere Sammlungen der Berliner Museen sehr eng kooperieren. Und in den kommenden Jahren, also noch vor Eröffnung des Humboldt Forums, diese Möglichkeiten der Zusammenarbeit durch eine Reihe von Sonderausstellungen noch weiter ausloten, beispielsweise, indem afrikanische Skulpturen ins Bode-Museum einziehen und Porträtgemälde aus China ins Alte Museum.

Mit Ideen wie Interdisziplinarität, Kulturaustausch, globales Denken und Bildung für alle, die Neil MacGregor, Hermann Parzinger, Horst Bredekamp und Paul Spies (den Direktor des Stadtmuseums, der im Humboldt Forum die Berlinausstellung konzipiert muss man hierbei in jedem Fall auch nennen) vorgestellt haben, ist das Humboldt-Forum als, sagen wir sammlungsbasierte Bildungseinrichtung, um das vielleicht an dieser Stelle zu traditionelle Wort Museum zu vermeiden, auf der Höhe der Zeit. Dazu gehört auch, dass man es nicht mit dem Eröffnungstermin beginnen lässt, sondern den Start schon als Prozess begreift. Deshalb gibt es jetzt in der Humboldt Box eine Reihe von Ausstellungen, deren Konzept den für das Humboldt Forum formulierten Grundsätzen folgt. Die erste dieser Ausstellungen „Extreme“, die sich mit Natur und Kultur am Humboldtstrom beschäftigt , hat heute begonnen.

„Extreme“, Humboldt Box, Schlossplatz 5, Mitte, Nov. tgl. 10–19 Uhr, Dez.–Feb. tgl. 10–18 Uhr, Eintritt frei

https://www.tip-berlin.de/event/ausstellung-museen/extreme-natur-und-kultur-am-humboldtstrom/

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