Charakterstudie

„Jackie“ im Kino

Den Mythos gestalten: „Jackie“ porträtiert die Gattin John F. Kennedys

Foto: Tobis Film/ Wiliam Gray

Schaufensterpuppen hinter Glas – das Bild, so plump es auch scheinen mag, ist treffend, denn genau dies befürchtet die Witwe des Präsidenten: als schillernde, aber leblose Ikone in die Geschichte einzugehen. Der Chilene Pablo Larraín fokussiert sich in seinem ersten englischsprachigen Film auf genau diesen Konflikt der Jackie Kennedy und zeigt eindrücklich die Ambivalenzen im Leben der First Lady.
Eine Woche nach dem Attentat auf John F. Kennedy gibt Jackie (eine sphinxhafte Natalie Portman) einem Journalisten auf dem Sommersitz der Familie ein Interview und macht deutlich, worum es ihr geht: nicht um die Wahrheit, sondern um den Versuch, die Kontrolle über ihr Image zu behalten. Voller Schmerz und Trauer und auch Wut ist sie fest entschlossen, an der Schaffung eines Mythos mitzuwirken.
Nähe und Distanz, Liebe und ­Eifersucht, First Lady und Mutter – Jackies Leben ist voller Spannungen und Widersprüche, die von Larraín in fragmentarischen Bildern und mit melodramatischem Gestus skizziert werden. Gegen Ende wirkt diese Bedeutsamkeit allerdings seltsam überfrachtet. Als hätte man sich dem übermächtigen Mythos der Jackie Kennedy ergeben.

Jackie USA 2016, 100 Min., R: Pablo Larraín, D: Natalie Portman, Peter Sarsgaard, Greta Gerwig, Billy Crudup, Start: 26.1.

Bewertungspunkte3

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