Elektronische Musik

Kreidler

Die Düsseldorfer Kreidler fassen die europäische Krise in Klänge. Dass die Franzosen der Nationalistin Marine Le Pen eine Abfuhr erteilt haben und die schlimmsten Befürchtungen nicht wahr geworden sind, das dürften die vier Musiker von Kreidler mit Erleichterung aufgenommen haben. Denn die Düsseldorfer Band hatte die Dystopie eines auseinanderbrechenden Europas schon klar vor Augen, als sie ihr kürzlich erschienenes Album „European Song“ in Mexico City aufnahm. Ein maschinenkaltes, bedrückend düsteres Rhythmus-Werk als unmittelbare Reaktion auf die Welle des Rechtspopulismus, der Trump ins Präsidentenamt gespült hat und auf der auch Le Pen, Ungarns Orban oder die AfD reiten.

„Boots“, „Kannibal“, „Coulées“, „Radio Island“ und „No God“ heißen diese fünf von Unheil kündenden Endzeitstücke, die dem Totalitarismus eine Absage erteilen, indem sie ihn mit klanglichen Mitteln heraufbeschwören: bedrohliche Bässe, hysterische Synthesizer-Sounds, Hammerschläge und Alarmglocken, Chöre wie von marschierenden Massen. Es ist ein gruseliges, dezidiert politisches und hochaktuelles Werk, das Thomas Klein, Detlef Weinrich, Andreas Reihse und Alexander Paulick zusammengebraut haben. In die Glieder fahrende elektronische Musik, die bei aller Erleichterung über den Wahlausgang in Frankreich daran erinnert, dass das europäische Projekt längst nicht gerettet ist.

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