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„Lulu“ im Berliner Ensemble

luluRobert Wilson hat in seiner Inszenierung von Frank Wedekinds „Lulu“ am Berliner Ensemble die berühmteste Femme fatale der deutschen Dramatik mit Angela Winkler besetzt, eine Lulu, die mit durch nichts zu erschütternder Herzensreinheit durch die Welt schwebt. Eleganter lässt sich die Trieb-Tragödie nicht entsexualisieren. Wilsons „Lulu“ ist ein aseptisches Traumtheater, ein nostalgisches Vaudeville mit Gespenstern aus dem 19. Jahrhundert. Die Herren, die um Lulu kreisen wie die hormongesteuerten Motten ums Licht: lauter groteske Tänzer und Sänger in Gehröcken mit wilson-üblich weiß zugespachtelten Gesichtern. Sehr komisch spielt Jürgen Holtz Lulus Vater, der sie in jungen Jahren auf den Strich schickte. Bei Holtz ist das ein Existenzclown, der sich mit schmalem Lächeln über alles amüsiert. Lou Reeds scheppernder Soundtrack ist eine Zumutung. Bedauerlicherweise kleistert Wilson den ganzen Abend damit zu. Eine Restästhetik-Verwertung, die die Grenze zum puren Kunstgewerbe mehr als nur streift.

Text: Peter Laudenbach

tip-Berwertung: Zwiespältig

Foto: Lesley Leslie-Spinks

Lulu Berliner Ensemble, So 1.5., 20 Uhr, Mo 2.5., 19 Uhr, Karten: 28 40 81 55

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