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Kommentar

„Neues von Dercon“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Dass der Intendantenwechsel an einer wichtigen Bühne mit Störgeräuschen verbunden ist, ist nicht so ungewöhnlich. Aber dass ein designierter Intendant schon gut ein Jahr vor Amtsantritt so massive Kritik erlebt wie derzeit der Castorf-Nachfolger in spe, Chris Dercon, ist ein Novum. 170 Mitarbeiter des Theaters, neben prominenten Künstlern wie Sophie Rois, René Pollesch oder Martin Wuttke auch viele Mitarbeiter der Technik, Bühnenarbeiter, Werkstätten, Verwaltung haben dem künftigen Intendanten öffentlich ihr Misstrauen ausgesprochen. Das ist ein einmaliger Vorgang. Noch vor seiner ersten Premiere hat es Dercon geschafft, einen Grossteil der Belegschaft gegen sich aufzubringen. Nach vielen Gesprächen mit Dercon befürchten die Volksbühnen-Mitarbeiter, dass er ihr Theater in eine Plattform für durchreisende Events umbaut. Der Eindruck einer bemerkenswerten Ahnungslosigkeit, den Dercon offenbar bei den Volksbühnen-Profis hinterlassen hat, macht es nicht besser. Wenn nach den Berliner Wahlen im September Kulturstaatssekretär Tim Renner, sein wichtigster Verbündeter,
keine Rolle mehr in der Berliner Kulturpolitik spielen wird, dürfte es für Dercon noch ein bisschen schwieriger werden.
Aber es gibt Hoffnung. Der Dercon-Versteher Matthias Lilienthal, vermutlich derzeit so ziemlich der einzige Fan, den Dercon unter Theaterleuten hat, lässt wissen, dass er darüber „staune, dass Dercon sich das antut“. Lilienthal: „Wenn ich diese Masse an Anfeindungen erlebt hätte, die Dercon erlebt hat, dann hätte ich längst hingeschmissen.“ Mal abwarten, ob Dercon das ähnlich sieht.

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