punk poet laureate

Patti Smith & Her Band

Es war anrührend, als Patti Smith bei der Nobelpreiszeremonie im letzten Dezember in der zweiten Strophe ihres Vortrages von Bob Dylans „A Hard Rain‘s A-Gonna Fall“ strauchelte, das Lied abbrechen musste und sich verlegen lächelnd für ihre Nervosität entschuldigte.

Die feinen Damen und Herren applaudierten freundlich, Smith setzte erneut an und führte Dylans meisterhafte Litanei über soziale Ungerechtigkeit, Krieg und Umweltzerstörung mit orchestraler Unterstützung zu einem nicht ganz stolperfreien, aber dennoch erhabenen Ende. Sie habe den Text nicht vergessen, ihn lediglich – überwältigt von Gefühlen – nicht über die Lippen gebracht, schrieb sie später. In jedem Fall war es ein wundervoll unperfekter Moment der inzwischen 70-jährigen Rockn‘Roll-Ikone.

Nicht, dass diese ein unnahbares, elitäres Wesen wäre. Publikumsnähe ist der Arbeitertochter wichtig. Live gehören die Ermächtigungshymne „People Have The Power“ ebenso wie der Klassiker „Because The Night“ zu den Standards, so auch im aktuellen Tourprogramm.

Und doch: Einst setzte Smith Coolness-Maßstäbe, etwa auf mit dem legendären Cover-Porträt ihres Debüts „Horses“. Und bis heute wohnt ihrer Kreativität, ihrem Intellekt und ihrer intensiven Performance eine ehrfurchtgebietende Autorität inne. Wie herzerwärmend war da die Aufgeregtheit und das entwaffnende Lächeln vor den Würdenträgern und Kameras in Stockholm. Plötzlich mochte man Patti Smith mehr als je zuvor.

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