Oper

Rossinis fatale Facebook-Junkies

Regisseur Kirill Serebrennikov setzt bei „Il Barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini auf coole Smartphone-Optik

Foto: Monika Rittershaus
Foto: Monika Rittershaus

Opernregisseure fürchten Unterhaltung oft wie der Teufel das Weihwasser. Das hat eine ganze Sub-Gattung, die Komische Oper, fast den Kopf gekostet. Es gibt sie kaum mehr. Wenn also ein Opernregisseur tatsächlich mal einen Gag landet, sollte man sich das rot im Kalender anstreichen.
Bei Kirill Serebrennikov (der vor einigen Tagen Stuttgart zum Titel „Opernhaus des Jahres“ verhalf) muss man sogar mindestens zwei Mal lachen – einmal, wenn sich Graf Almaviva als Araber mit Fusselbart bei Doktor Bartolo einschmuggelt, um ihm sein Mündel Rosina abzujagen. Das zweite Mal, wenn er es wieder tut, diesmal in der Verkleidung als Conchita Wurst. Nette Einfälle sind das, die für eine unter sichtlichem Druck abgefackelte Premiere sprechen.
Auch Dirigent Antonello Manacorda, bei seinem ‚Gastspiel auf Engagement’ (als möglicher nächster Generalmusikdirektor des Hauses) gelingt es, aus Überpointierung Witz zu schlagen. Sein Rossini: außen knusprig, innen noch warm. Hohes Lob! Sogar Elastizität besitzt das Orchester, das scheinbar um sein Leben spielt. Dass die Protagonisten (aus dem Ensemble besetzt: Nicole Chevalier, Dominik Köninger und Tansel Akzeybek) als Facebook-Junkies skizziert werden, die über Text-Messages kommunizieren, kann man leicht hingehen lassen. Als Gipfel der Verwegenheit hat der verkuppelnde Barbier einen Fleischtunnel im Ohrläppchen. Erst wenn man derlei auf einer Bühne sieht, realisiert man, wie abgeschmackt es möglicherweise ist. Keine wichtige Premiere, aber doch eine, die für den exzellenten Zustand des Hauses von Barrie Kosky steht.

Komische Oper Berlin Eintritt 12–79 €

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