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Berlinale 2017

„The Dinner“ im Berlinale Wettbewerb

Ein schauspielerisches Vierergespann brilliert in einem Rededuell um Gewalt, Verantwortung und Familienbande

© 2016 Tesuco Holdings Ltd

Bereits in „The Messenger“, Berlinale-Wettbewerbsbeitrag von 2009 um zwei Soldaten, die den Familien von Gefallenen die traurige Botschaft übermitteln, formte Autor und Regisseur Owen Moverman eine Geschichte, in der sich Gesellschaftskritik mit Familienstrukturen, in die die Gewalt Einzug hält, vermischte. So auch hier.

Paul (Steve Coogan) ist alles andere als begeistert, sich gemeinsam mit seiner Frau Claire (Laura Linney) mit seinem älteren Bruder Stan (Richard Gere) und dessen junger Frau Katelyn (Rebecca Hall) zum Dinner in einem sündhaft teuren Restaurant zu treffen. Paul, Ex-Lehrer und eloquenter Zyniker, fühlt sich schon immer von Stan, dem erfolgreichen Politiker gegängelt. Und so wird er nicht müde, die Konversation mit seinen Sticheleien zu torpedieren. Erst nach und nach tritt der eigentliche Grund des Treffens zutage: Die beiden Kinder der Ehepaare haben etwas Fürchterliches getan – und Eltern müssen sich nun beraten, wie sie damit umgehen wollen.

Der ewige Bruderkampf – sinnbildlich auch thematisiert in dem immer wieder im Film thematisierten Amerikanischen Bürgerkrieg – entwickelt sich in diesem vielschichtigen Psychodrama zu einem aktuellen Gesellschaftsbild der USA, einer Nation, in der die Gewalt von Beginn an eine große Rolle spielte. Wobei Moverman sein Kammerspiel immer wieder durch Rückblenden und assoziativen Sequenzen unterbricht; eine virtuose Erzählstruktur, die in ihrer Komplexität mitunter aber eher belastend wirkt als den Plot zu stärken. Dennoch: ein exzellent gespieltes Drama, das lange nachwirkt und durchaus Parallelen zum „neuen“ Amerika unter Trump aufzeigt.

The Dinner USA 2016, 120 Min., R: Owen Moverman, D: Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan, Rebecca Hall u.a., Kinostart in Deutschland: 19.10.2017

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