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„Wanted: das globale Genie“ von Stefanie Dörre

"Wanted: das globale Genie" von Stefanie Dörre

In der Alten Nationalgalerie wird  erstmals ein Reise-Schnellofen ausgestellt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ein so profanes Ding hat den Weg in den Museumstempel gefunden – denn er wurde von August Kopisch (1799–1853) entwickelt. Für den Maler Kopisch ist das die allererste Ausstellung überhaupt. Die mega-intensiven Farben seiner Gemälde sind einzigartig in der Zeit. Doch der Mann war nicht nur Maler, sondern auch Dichter, Entdecker und Erfinder. Ein Tausendsassa. Multitalent. Teufelskerl. Ein toller Schwimmer, der auf Capri die blaue Grotte wiederentdeckte. Ein polyglotter Reisender, der durch Italien tourte. Ein umfassend gebildeter Humanist, der Gedichte schrieb. Ein Forscher, der neben besagtem Ofen eine Erntemaschine erdachte. Ein beliebter Festredner, mit Alexander von Humboldt, Schelling, Eichendorff und König Friedrich Wilhelm IV. bekannt.
Was macht Kopisch heute noch interessant? Er erinnert uns an das damalige Ideal des Universalgelehrten, der in den Künsten ebenso wie in den Naturwissenschaften, in der Poesie ebenso wie in der Praxis zuhause war. Und die Welt war klein. Heute ist die Welt global. Aber wir sind allesamt Spezialisten und kennen uns nur in einem Minibereich aus, wo doch die Riesenprobleme unserer Zeit nach einem Wissen in vielen Disziplinen verlangen. Uns bleibt nichts anderes übrig als zu netzwerken: Tausendsassatum im 21. Jahrhundert.

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