Afrikanischer Pop

Alsarah And The Nubatones im Yaam

Im schönsten Sinne global: Alsarah And The Nubatones

Afrikanischer Pop erlebt eine ungeahnte Popularität. Für die Sudanesin Alsarah ist dieses neu erwachte Interesse an der Vergangenheit ein natürlicher Impuls. „Alte Musik zu hören war für mich immer gleichbedeutend mit einer Befragung der Geschichte“, erzählte die studierte Musikethnologin in einem Interview. Ihre Eltern flohen aus dem Sudan in den Jemen, als Alsarah acht war. Nachdem dort ebenfalls ein Bürgerkrieg ausbrach, zog es die Familie in die USA.
Diese Fluchtgeschichte ist in den Songs ihrer Band Alsarah And The Nuba­tones gegenwärtig. „Ostafrikanischen Retro­pop“ nennt sie ihre Musik, eine Hommage an die Vergangenheit – „den Geschichten, die mir keiner mehr erzählen konnte“, wie sie sagt – und ihre Identität als Migrantin. Auf dem zweiten Album „Manara“ existiert die Musik der Eltern noch als tröstliche ­Erinnerung, das „Retro“ bedeutet keine Mu­sea­lisierung, sondern eine aktive Auseinandersetzung. Die traditionellen sudanesischen, nubischen und ägyptischen Stile mit ihrer cha­rakteristischen Pentatonik schwingen in dieser im schönsten Sinne globalen Popmusik mit. „Afrika ist die Zukunft“, sagt die 35-Jährige, deren Wandlungsfähigkeit zwischen Tradition und Moderne auch in ihrem untrüglichen Modebewusstsein zum Ausdruck kommt. In diesem Sinn muss man das Konzeptalbum „Manara“ verstehen: als Membran, die Klänge aus allen Teilen des Kontinents aufnimmt und weiterträgt. Konzerte von Alsarah and the Nubatones sind seelenvolle Lehrstunden.

Yaam An der Schillingbrücke, Mitte, Do 20.4., 19.30 Uhr, VVK 16,50 € zzgl. Gebühren

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