Kommentar

„Alte Kämpfe“ von Lutz Göllner

Erstaunlich, wie viel mich mit Wolf Biermann verbindet…

Lutz Göllner

Jakob Moneta etwa, legendärer Chefredakteur der IG-Metal-Zeitung „Metall“, Förderer von Günter Wallraff, ­ Unterstützer von Wolf Biermann und aufrechter Trotzkist, erzählte mir im Volontariatskurs Geschichten aus seinem Leben. Und das Zimmer am Tempelhofer Damm, in dem Biermann bei der Familie Fuchs immer nächtigte, wenn er in West-Berlin war, das ist mein altes dreieckiges Kinderzimmer, in dem ich bis 1974 lebte.
Aber auch sonst ist Biermanns Autobiografie „Warte nicht auf bessere Zeiten“ (Propyläen, 576 S., 28 €) schöner Lesestoff. Zwar ist er sich – wie immer – selbst der Nächste und findet sich – auch wie immer – richtig gut. Auf der anderen Seite neigt der Mann durchaus zu Selbstironie und hat auch viel zu erzählen. Spannend etwa, wie die Premiere von „Spur der Steine“ tatsächlich ablief, mit ihren abkommandierten Buh-Rufern, samt Instruktions-Vorspiel im Ministerium. Sehr lustig, noch einmal die Geschichte zu lesen, wie der gerade verstorbene Manfred Krug sein eigenes Haus verkabelt und abgehört hat. Aber noch lustiger sind die Reaktionen auf das Buch: Auf der Facebook-Seite des ehemaligen „Titanic“-Redakteurs Christian Y. Schmidt etwa gehen Stalinisten, Trotzkisten, Maoisten, Eurokommunisten und Neomarxisten auf Biermann los. Das hat schon etwas Verzweifeltes. Vor allen Dingen weil Biermann viel Mitleid mit seinen Gegnern hat. Sein Groll gilt nur noch wenigen auserwählten Spitzeln, wie dem IM Willy (als solcher gilt Diether Dehm).

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