Musik & Party in Berlin

Live in der Zitadelle Spandau: Madness

Madness in der Zitadelle Spandau in BerlinNeulich in der britischen Haupt­stadt. Madness geben ein Freiluftkonzert in der Fußgängerzone der Inverness Street, mitten in ihrem Heimatbezirk Camden. Dafür haben sie eigens einen alten Doppeldeckerbus umfrisiert. Das Oberdeck ist oben offen und bietet vier Musikern inklusive Schlagzeug Platz. Die Herren von der Bläserfraktion nehmen vor dem Gefährt Aufstellung. Drum herum das reinste Volksfest. Von den umliegenden Gebäuden aus schauen Leute zu, im Pulk in der Mitte tanzen alte und junge Fans zu den Rhythmen von „One Step Beyond“ und „Baggy Trousers“. Den Text von „It Must Be Love“ kennt die Menge natürlich auswendig.
Alles fast so wie früher. Doch wäre es verkehrt, Madness jetzt noch als reine Ska-Band zu bezeichnen. Anders als The Specials, die sich erst vor Kurzem reformiert haben und wohl nur für kurze Zeit das Erbe aus Two-Tone-Tagen pflegen, waren Madness über die Jahre zumeist aktiv. Nicht nur das, sie haben sich in dieser Zeit auch entwickelt. Auf dem dieser Tage erscheinenden, überraschend guten Album „The Liberty Of Norton Folgate“ mischt sich ihr einzigartiges Melodiegefühl mit Reggae-Rhythmen und – wie in „Clerkenwell Polka“ – Einflüssen aus anderen Gegenden Europas. Gleichzeitig tönt Regionalstolz durch. Zwar hat man dieser Band ihre Londoner Herkunft nicht zuletzt wegen des Akzents von Sänger Suggs immer deutlich angehört, doch zum ersten Mal beschäftigt man sich auch mal konzeptionell mit dem Alltag in der Metropole. Madness singen wahre Loblieder auf Multikulturalität, Lebenskunst und Großstadttrubel, die man auch anderswo versteht. Also: Don’t watch that, watch this!

Text: Thomas Weiland

Madness, Zitadelle Spandau, Fr 5.6., 19 Uhr, VVK: 40 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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