Musik & Party in Berlin

Musiksalon „Badehaus Szimpla“

Mit dem Musiksalon Badehaus Szimpla bringt der gebürtige Ungar Attila Kiss ein Stück osteuropäische Kultur in die Hauptstadt: in Form von Livemusik, Tanzabenden, Jam-Sessions, Filmen und Schnaps.

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Foto: Benjamin Pritzkuleit

Auf der grünen Bank, gleich links neben der goldenen Eingangstür, liegt eine leere Packung Kopfschmerztabletten. Darunter eine Flasche Jägermeister. Im oberen Stockwerk des kleinen Hauses auf dem RAW-Gelände gegenüber vom Cassiopeia wird gehämmert, gebohrt und gesägt. „Da kommt ein Büro rein“, sagt Attila Kiss und schließt die goldene Tür auf. Der Holzgeruch ist das erste, was einem auffällt.

Mitte September hat der 36-Jährige auf dem Gelände der ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkstätten in Friedrichshain den Musiksalon Badehaus Szimpla eröffnet. Die ersten Veranstaltungen gab es schon. An diesem Nachmittag zwei Wochen später werden die Heizkörper eingebaut. „Als wir hier rein sind, standen nur die Wände“, sagt Kiss. Das war Mitte Mai, seitdem wird das Haus, in dem sich im vergangenen Jahrhundert die Arbeiter Kohle und Staub abgewaschen haben, renoviert. Jetzt gibt es in dem einen Raum im Erdgeschoss eine Bar aus massivem Holz. Im Raum nebenan ist eine Bühne, davor stehen zu Kinosesseln umgebaute Autositze, die bei Konzerten und Partys zur Seite geräumt werden. Im Badehaus Szimpla ist alles noch ganz frisch und neu, die Holzdielen, die Einrichtung und das Konzept des Musiksalons. Zumindest in Berlin. Auf dem Programm stehen Konzerte, Jam-Sessions, Paartanz-Abende und Filmvorführungen, der Fokus liegt auf Osteuropa. Bisher ist dort an vier Tagen die Woche geöffnet.

Vor vier Jahren ist der gebürtige Ungar nach Berlin gezogen. Er hatte sich während seines Auslandssemesters verliebt, in die Stadt und in eine Frau. Ein Jahr später dann hat Attila Kiss das Kaffeehaus Szimpla am Boxhagener Platz eröffnet. Auch hier fanden gelegentlich Konzerte statt. Weil das Cafй als Location für Livemusik nicht unbedingt geeignet war, die osteuropäischen Bands aber gut ankamen, suchte Kiss Räume, „in denen man auch ein Schlagzeug richtig benutzen kann“. Die fand er mit dem leer stehenden Badehaus, nur knapp zehn Minuten Fußweg von seinem Cafй entfernt. Erfahrungen mit der Organisation von Konzerten, Kino- und Tanzabenden hat Kiss bereits in Budapest gesammelt. Vor zehn Jahren haben er und ein paar Freunde in einem Innenhof im jüdischen Viertel Konzerte und Freiluftkino veranstaltet. Ihr Club Szimpla Kert, Kert heißt „Garten“, gilt als Pionier der Zwischennutzungsprojekte in Budapest. „Unser Projekt hatte schnell Nachahmer gefunden. Daraus hat sich dann eine Szene entwickelt“, sagt Kiss. Heute steht der Club in allen Reiseführern, Szimpla ist mittlerweile eine Filmverleih- und Produktionsfirma für osteuropäische Arthouse-Filme. „Ob das mit dem Kino im Badehaus so eine gute Idee war, weiß ich noch nicht“, sagt Kiss.

„Vielleicht ist das zu speziell, aber ich konnte nicht widerstehen.“ Der Wein und die etwa 13 Sorten Obstbrände aus Ungarn kommen schon mal gut an. Ebenso die Tanzhaus-Abende, in denen Paartänze aus Transsilvanien erlernt und dann anschließend bei Livemusik getanzt werden können. Von außen fällt das Badehaus Szimpla nicht auf zwischen den anderen Locations an der Revaler Straße, mit der Bank, auf der die Party-Überbleibsel der vergangenen Nacht liegen. Aber durch die goldene Tür betritt man eine in Berlin bisher noch weitgehend unbekannte Welt, eine Welt, die doch eigentlich gleich um die Ecke liegt.

Badehaus Szimpla Revaler Straße 99, Friedrichshain, www.badehaus-szimpla.de