Ladengalerie

An der Basis: Der Berliner Künstler Gris

Glück ist, von der Kunst leben zu können. Zu den Künstlern, die fern vom Hype so denken, zählt Gris – nun mit eigenem Studio

Foto: Jens Müller/ www.gris030.de

Foto: Jens Müller/ www.gris030.de

Berlin-Schöneberg, Dominicus- / Ecke Ebersstraße. Ein paar Dönerläden, drei Bäcker und ein China-Restaurant säumen die Kreuzung. Der Raum einer ehemaligen Berliner Eckkneipe steht leer – als neue Mieter sind ausdrücklich keine Gastronomie, kein Kiosk ­gewünscht. Der Nordteil der Ebersstraße ist eine Wohn­gegend. Und genau dort, gegenüber der Ex-Kneipe, eröffnet der Berliner Künstler Gris im Januar ein Atelier mit kleiner Galerie. Mutig, in einer Gegend, die sonst nicht viel für Kunstfreunde bietet. Die nächsten Galerien finden sich eine Viertelstunde Fußweg entfernt. Das allerdings sei überhaupt nicht ausschlaggebend für seine Entscheidung, sagt Gris. Er ist niemand, der Marktanalyse betreibt. Wie es um die Kunststadt Berlin steht, das beeinflusst ihn nicht. Der notorische Frühaufsteher hat einen großen Output und viele Ideen für Projekte.
Den Traum vom eigenen Laden trägt er schon länger mit sich herum, nun nutzt er die Gelegenheit: Der 40 Quadratmeter große Raum liegt nur einen Katzensprung von seiner Wohnung entfernt und kostet verhältnismäßig wenig Miete. Dort entsteht jetzt das Grishaus. Ein Ort, an dem der Künstler künftig selbst arbeitet, seine Werke zeigt und Workshops und Malkurse anbietet. Damit hat Gris Erfahrung, seit sieben Jahren veranstaltet er jeden Sommer in Italien einen Malworkshop. Ab 2017 ist er ­Dozent bei Artisttravel – einem der führenden Anbieter für Malreisen in Europa.

Zur Eröffnung des „Grishaus“ zeigt er auch Bilder der letzten Italienreise. Das Augenmerk aber liegt auf der Serie „Instagram goes painted“. Dafür hat Gris 100 Fotos seiner Instagram-Follower als Aquarelle umgesetzt. Auf zehn mal zehn Zentimeter wird die fotografische Realität aus dem Internet analog auf Papier gebracht. Ein solcher Stilmix ist typisch für Gris, dessen Hauptgenres – neben Zeichnen – Graffiti und Aquarell sind. Diese Verschmelzung lässt sich unschwer erkennen, egal ob er sprüht, zeichnet oder klassisch Aquarelle malt. Dynamischer Farbverlauf, abstrahierte Formgebung, realistische Darstellung. Eine Symbiose, die sich über Jahre hinweg entwickelt hat.

Angefangen hat alles mit einem Aquarellkasten in der Grundschule, fast zeitgleich entdeckte er Graffiti. Sein erstes Bild sprühte er 1989 im Alter von elf Jahren an die Berliner Mauer – damals noch unter Aufsicht des Vaters. Der Grundstein für ein illegales Hobby. Das Pseudonym aus dieser Zeit ist geblieben,  aber heute werden Wände nur nach Auftrag besprüht. Etwa in der Motzstraße: Auf einer 180 Quadratmeter große Brandmauer prangt eine Hommage an „Emil und die Detektive“.
Durch Auftragsarbeiten wie diese und den Verkauf seiner Werke kann Gris mittlerweile seinen kompletten Lebensunterhalt bestreiten. Deshalb hält sich der 38-jährige für einen der glücklichsten Menschen. Eine gute Basis um das Grishaus zu gründen, das ihm weitere Optionen öffnet. Wenn er künftig in seinem Atelier ­arbeitet, dann steht die Tür für Besucher auch außerhalb der Galerie-Öffnungszeiten offen. Denn mit Menschen reden, das tut Gris fast so gerne wie malen.

Grishaus Ebersstraße 76a, Schöneberg, Eröffnung Sa 7.1.2017, 17 Uhr

Die Reihe Instagram goes painted ist bis 23.1. zu sehen www.instagram.com/gris030.de, www.gris030.de

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